SENDETERMIN Sa, 08.10.16 | 16:00 Uhr | Das Erste

Immer weniger Fisch vor Afrikas Küsten

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Nicht genug Fisch vor Afrika | Video verfügbar bis 07.10.2021 | Bild: SWR

Der Senegal ist ein Land, das traditionell vom Fisch lebt. Doch der Klimawandel, die Umweltverschmutzung und besonders die Ausbeutung des Meeres durch einheimische und ausländische Fischer lassen die wertvolle Ressource schwinden. Für die Menschen im Senegal hat das schwerwiegende Folgen, denn Fisch ist neben Nahrungsmittel auch das wichtigste Wirtschaftsgut des Landes.

Fischer bringen immer weniger an Land

Menschen warten am Strand
Jeden Nachmittag warten die Menschen am Strand auf den Fisch. | Bild: WDR/Nunifilm

Jeden Nachmittag ziehen im westafrikanischen Senegal Tausende Menschen an den Strand. Gemeinsam warten sie auf die Fischerboote, darauf, dass sie das wichtigste Lebensmittel des Landes bringen: Fisch. Doch die Fischer bringen immer weniger davon an Land. Dabei gehören die Gewässer vor der westafrikanischen Küste eigentlich zu den reichsten Fischgründen der Welt. Dass die Fischer hier nichts mehr fangen, hat mehrere Gründe: Das Meer wird zunehmend verschmutzt. Und es gibt immer mehr Menschen, die um die Ressource Fisch konkurrieren. Ein guter Teil des Fanges wird außerdem nach Europa verkauft, während auf dem heimischen Markt immer weniger ankommt. Die hohen Preise, die in Europa für Fische gezahlt werden, lohnen eine aufwändige Logistikkette. Kühllastwagen bringen große Mengen des Fangs direkt in die Hauptstadt Dakar, von wo aus der Fisch in große europäische Zentren geflogen wird.

Proteinquelle Fisch zunehmend unerschwinglich

Trockenfisch
Traditionell hergestellter Trockenfisch ist ein halbes Jahr lang haltbar. | Bild: SWR / WDR

Fisch ist auf dem gesamten afrikanischen Kontinent eine wichtige Proteinquelle. Als Trockenfisch ist er ein halbes Jahr lang haltbar und kann bis in die 3.000 Kilometer entfernte Wüste des Niger exportiert werden. Frauen bereiten frischen Fisch auf eine besondere Art zu, nehmen ihn aus, lassen ihn fermentieren und schließlich in der Sonne trocknen. So ist er in der Hitze Afrikas bestens konserviert. Doch weil Fisch so knapp geworden ist, ist er teuer. Für die einheimische Bevölkerung wird er zunehmend unerschwinglich. Und so ist auch die Verwertungskette betroffen, die von der Verarbeitung von Fisch lebt.

Fischereimanagement soll helfen

Luc Badji am Mikroskop
Luc Badji ist Doktorrand des deutschen Thünen-Institutes. | Bild: WDR/Nunifilm

Das deutsche Thünen-Institut, Forschungsinstitut des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. will den Senegal dabei unterstützen, diese Spirale aufzuhalten. Fischereimanagement soll helfen, die Bestände zu schonen. Um herauszufinden, wie das am besten gelingen kann, bildet das Institut in Zusammenarbeit mit der Universität von Dakar junge Meeresbiologen aus. Sie erforschen beispielsweise mithilfe von Wasserproben aus zahlreichen Gebieten und verschiedenen Wassertiefen vor der Küste Senegals, wo die wichtigsten Laichgebiete liegen und Schutzgebiete eingerichtet werden müssen. Ob sie damit tatsächlich Erfolg haben werden, hängt unter anderem vom politischen Willen ab und ob sich solche Regeln durchsetzen lassen, solange unter der Küstenbevölkerung große Not herrscht.

Autorin: Katharina Nickoleit (WDR)

Stand: 08.10.2016 16:15 Uhr