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Allergien: Wenn das Immunsystem Amok läuft

Allergien: Amok im Immunsystem

PlayComicseite mit Allergen, Sprechblase: Fehlalarm!
Allergien: Wenn das Immunsystem Amok läuft | Video verfügbar bis 25.03.2022 | Bild: BR

Schwer getäuscht: Allergene tricksen Immunsystem aus

Unser Immunsystem betrachtet bestimmte Stoffe als Feinde und versucht den Organismus mithilfe von Antikörpern davor zu schützen. Doch anders als etwa bei einem gefährlichen Virus, kommt das Immunsystem bei der Beurteilung der Allergene zu einer Fehleinschätzung, denn die meisten dieser Stoffe sind eigentlich harmlos. Prinzipiell kann jede Substanz in unserer Umwelt zum Auslöser einer Allergie werden. Bei den meisten Allergenen handelt es sich um Eiweißsubstanzen aus Pflanzenpollen wie Hasel, Birke, Esche, Erle, Beifuß, Ambrosia, Roggen oder Gräsern.

Comicseite mit Allergen, Sprechblase: Fehlalarm!
Ausgetrickst: Allergene werden vom Körper falsch eingeschätzt. | Bild: BR

Häufig reagieren Pollenallergiker auch auf bestimmte Nahrungsmittel und entwickeln während der Heuschnupfenzeit sogenannte Kreuzallergien. Verantwortlich dafür ist ein Stresseiweiß, mit dem sich die Pflanzen gegen Viren, Bakterien und Umweltstress schützt. Diese Eiweißstoffe enthalten Baumpollen und pflanzliche Nahrungsmittel in relativ ähnlicher Form. Das menschliche Immunsystem wird dadurch ausgetrickst. Rund 70 Prozent der Birkenpollenallergiker reagieren deshalb gleichzeitig allergisch auf Äpfel, Haselnüsse, Kirschen, Karotten, Sellerie und sogar Soja.

Daneben gibt es auch eine Reihe tierischer Eiweißstoffe wie etwa Hunde- und Katzenhaare oder Hausstaubmilben. Bei manchen Menschen lösen sie Entzündungsreaktionen und regelrechte Attacken im Körper aus. Die Folgen der Allergie zeigen sich in Ekzemen, Übelkeit – bis hin zu Asthmareaktionen oder einem allergischen Schock, was einen sofortigen Einsatz von Medikamenten erfordert.

Allergische Reaktion: Was passiert im Körper?

Stilisierte Mastzelle im Comic, Botenstoffe diffundieren aus Zelloberfläche
Immunreaktion: Mastzellen schütten Botenstoffe aus. | Bild: BR

Beim ersten Kontakt mit einem Allergen schickt das Immunsystem, wie bei einem Virus, Antikörper los, die in der Lage sind, die Allergen-Struktur wiederzuerkennen. Noch gibt es keine Reaktion, da das Allergen neu ist. Diese Phase heißt Sensibilisierung. Bei jedem weiteren Kontakt reagiert das Immunsystem nun mit den vorhandenen spezifischen Antikörpern, die sich nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip mit dem Allergen verbinden. Dadurch werden sogenannte Mastzellen aktiviert, bestimmte weiße Blutkörperchen. Sie schütten Botenstoffe aus – zum Beispiel Histamin. Diese biologisch sehr aktive Substanz kommt überall in unserem Körper vor und sorgt dafür, dass sich die Blutgefäße erweitern. Es kommt zu einer Rötung.

Allergologen können nur die Symptome behandeln

Comic: Frau mit schniefender Nase und ein tränendes Auge.
Attacke: Angriff auf die Schleimhäute. | Bild: BR

Angeregt durch das Histamin produzieren die Schleimhäute mehr Flüssigkeit. Die Nase läuft, die Augen fangen an zu tränen, die Bronchien verschleimen, man muss nießen und die Haut juckt. Bislang können Allergologen nur die Symptome behandeln. Was die Allergene jedoch so gefährlich macht und wie genau sie unser Immunsystem täuschen, darüber rätseln Ärzte und Wissenschaftler. Bislang ist noch nicht ganz klar, warum bei manchen Menschen das Immunsystem Amok läuft.

Autor: Boris Geiger (BR)

Anlaufstelle und Informationen für Allergiker:
Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie der LMU München
Frauenlobstraße 9-11, 80337 München
Telefonische Terminvereinbarung: (089) 44 00 5616
Internet: www.klinikum.uni-muenchen.de/Klinik-und-Poliklinik-fuer-Dermatologie-und-Allergologie/de/AbteilungenSprechstunden/Allergologie/index.html

Stand: 25.03.2017 15:15 Uhr