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Altlasten: Was tun mit Altreifen?

PlayAltreifen mit Blumen bepflanzt
Altlasten: Was tun mit Altreifen? | Video verfügbar bis 13.05.2022 | Bild: WDR

In Deutschland gibt es etwa halb so viele Autos wie Menschen. Statistisch betrachtet, besitzt somit jeder zweite Deutsche ein eigenes Fahrzeug, bei dem er etwa alle vier Jahre seine Reifen wechselt – das macht pro Jahr rund 46 Millionen abgenutzte Reifen. Doch was passiert mit ihnen? Wo landet das ausgediente Gummi? Gibt es sinnvolle Recycling-Methoden für Altreifen?

Künstliche Riffe aus alten Reifen

Autoreifen am Meeresgrund
Reifenriffe stellten sich als ökologisches Desaster heraus  | Bild: WDR

Die Frage nach der Entsorgung von alten Reifen beschäftigt schon in den 1970er-Jahren Wissenschaftler aus aller Welt. Forscher in Florida t, eine Lösung gefunden zu haben. Sie schufen aus alten Reifen künstliche Riffe vor der Küste in Fort Lauderdale. Rund zwei Millionen Altreifen wurden dafür ins Meer gekippt. Andere Länder folgten dem Beispiel der US-Amerikaner und gaben Unsummen für künstliche Reifenriffe aus. Doch schon bald ist klar, dass sich auf dem ausgedienten Gummi kaum Fische und Pflanzen ansiedeln. Stattdessen reißen sich immer wieder einzelne Reifen los, treiben durchs Meer und zerstören dabei natürliche Korallenriffe. Das Projekt ist ein ökologisches Desaster. Das US-Militär schaltet sich 2007 ein und birgt im Rahmen von Übungseinsätzen Reifen. Doch das Unterfangen ist teuer und aufwändig. So liegen bis heute schätzungsweise 700.000 Altreifen auf dem Meeresgrund – und das allein vor der Küste Fort Lauderdales.

Gummigranulat aus Altreifen

Milchkuh auf einer Gummimatte
Gummimatten aus Altreifen machen Milchkühe glücklicher. | Bild: WDR

Heutzutage werden etwa 40 Prozent der ausgedienten Reifen zu Gummigranulat verarbeitet. Dafür werden sie nach und nach in immer kleinere Stücke geschreddert, bis sich das Gummi von den Metall-Verstrebungen im Reifen durch eine Art Siebverfahren trennen lässt. Der Großteil des Gummigranulats wird zu Kunstrasen verarbeitet. Die alten Reifen stecken aber auch in Laufbahnen auf Sportplätzen oder in Strommasten, Autos und Waschmaschinen als Schwingungsdämpfer. Sie werden aber auch als Dämmmatten für Schall und Wärme unter Estrich verlegt oder Asphalt beigemischt. Als Liegematten sorgen sie für das Wohlbefinden von Kühen. Manche Studien behaupten sogar, die Tiere geben bis zu zehn Prozent mehr Milch als ihre Artgenossen, die auf dem nackten Beton liegen müssen.

Rohstoffgewinnung aus dem alten Fahruntersatz

Einige Forscher tüfteln daran, die alten Reifen in ihre ursprünglichen Rohstoffe zu zerlegen. Bei der sogenannten Pyrolyse entstehen nach einer thermochemischen Zersetzung bei 400 bis 800 Grad unter anderem Pech, Ruß, Stahl und Kraftstoffe. Das sind allesamt jedoch nicht die ursprünglichen Rohstoffe, aus denen die Reifen gemacht wurden. Das Unterfangen befindet sich auch deswegen noch in der Testphase. Es ist aber auch noch nicht wirtschaftlich genug. Online bestellen kann man sich eine Pyrolyse-Anlage aber trotzdem schon einmal – allerdings nur für rund 30.000 Dollar.

Umnutzung von kompletten Altreifen 

Altreifen mit Blumen bepflanzt
Komplette Altreifen werden vielfältig umfunktioniert – wie hier als Blumenkübel. | Bild: WDR

Nicht nur in ihre Rohstoffe zersetzt oder zerschreddert finden alte Reifen einen neuen Einsatz. Komplette Altreifen werden so zum Beispiel zu Blumenkübeln umfunktioniert, dienen Schiffen als Aufprallschutz oder werden in der Landwirtschaft zur Beschwerung von eingelagertem Futtermittel benutzt. Eine richtig sinnvolle Recycling-Methode gibt es bislang jedoch noch nicht.

Autorin: Pina Dietsche (WDR)

Stand: 13.05.2017 15:53 Uhr

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Bayerischer Rundfunk
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