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Aluminium im Alltag

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Aluminium im Alltag | Video verfügbar bis 23.04.2020 | Bild: ARD
Wasser läuft in ein Glas
In Trinkwasser ist Aluminium von Natur aus in geringer Menge enthalten. | Bild: BR

Aluminium ist das häufigste Metall in der Erdkruste. Für die Industrie ist das Metall sehr nützlich: es ist leicht, gut formbar, rostet nicht und leitet Wärme und Strom hervorragend. Aluminium ist von Natur aus auch in unserem Trinkwasser und in unseren Nahrungsmitteln enthalten. Besonders hohe Werte haben Forscher des Bundesinstituts für Risikoforschung (BfR) in Berlin in bestimmten Gewürzen wie schwarzem Pfeffer gefunden, ebenso wie in Spinat, Ruccola, Feldsalat, Radieschen, schwarzem Tee, Buchweizen, Nordseekrabben, Thunfischkonserven, asiatischen Nudeln oder Schokolade. Das kann zum einen daran liegen, dass mancher Boden mehr Aluminium enthält, oder zum anderen daran, dass bestimmte Pflanzen und tierische Organismen mehr Aluminium speichern.

Auch über Zuckerwaren, Süßigkeiten und feine Backwaren können wir aluminiumhaltige Verbindungen aufnehmen. Sie werden dort als Zusatzstoffe eingesetzt. Als aluminiumhaltige Lacke in Lebensmittelfarben sorgen sie für bunte Vielfalt. Mit E 173, E 520 bis E 523, E 541 und E 1452 sind aluminiumhaltige Farb- und Zusatzstoffe gekennzeichnet. Seit 2014 wurde ihre Verwendung allerdings eingeschränkt.

Weitere Quellen sind alu-haltiges Kochgeschirr oder Alu-Bleche. So geraten Brezeln immer wieder in die Schlagzeilen, weil sie den gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwert von 10 Milligramm pro Kilogramm Lebensmittel überschreiten. In Bayern war das bei jeder fünften untersuchten Laugen-Brezel der Fall. Das passiert, wenn die Teiglinge auf unbeschichteten Alu-Blechen gebacken werden. Die aggressive Back-Lauge löst dann Aluminiumionen aus dem Blech heraus.

Die Experten des BfR raten deshalb zu einer ausgewogenen Ernährung. So kann der Verbraucher vermeiden, zu viele belastete Lebensmittel zu kaufen und möglicherweise die empfohlenen täglichen Grenzwerte zu überschreiten.

Chronische Aluminiumvergiftung

Frau spiegelt sich in Alufolie mit Angabe des Grenzwertes
Die tolerierbare wöchentliche Aufnahme von Aluminium. | Bild: BR

Der Grenzwert, die sogenannte "tolerierbare Dosis", wurde von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) festgelegt: Ein Erwachsener kann in der Woche ein Milligramm Aluminium pro Kilogramm Körpergewicht aufnehmen. Das bedeutet: Wer 60 Kilogramm wiegt, kann 60 Milligramm Aluminium zu sich nehmen, ohne seiner Gesundheit zu schaden. Laut Schätzung der Efsa nimmt ein Erwachsener allerdings zwischen einem und 15 Milligramm pro Tag zu sich. Das entspricht bis zu 0,2 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag. Bei Kindern sind es bis zu 0,35 Milligramm. Damit überschreiten die meisten den als unbedenklich geltenden Wert von 0,143 Milligramm pro Kilogramm und Tag.

Aus Tierversuchen weiß man, dass eine zu hohe Aufnahme über mehrere Jahre den Organismus schädigt - dabei liegt die tägliche Aluminiumaufnahme allerdings zwischen 50 und 100 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. Die Folgen: Die Tiere zeigten kognitive Schäden, ihr Lernverhalten war eingeschränkt, der Greifreflex war beeinträchtigt, das Gehirn und Embryos im Mutterleib waren geschädigt.

Diese Dosen, so die Experten des BfR, erreichen wir nicht. Bei einem gesunden Menschen wird zudem das meiste Aluminium über die Niere wieder ausgeschieden. Nur ein Bruchteil bleibt im Köper. Das kann sich aber in Knochen, Lunge und Gehirn ansammeln.

Doch Lebensmittel und aluhaltiges Kochgeschirr sind nicht die einzigen Möglichkeiten, wo wir mit Aluminium in Kontakt kommen: Auch Kosmetika können aluminiumhaltige Verbindungen enthalten: sie sind in Lippenstift und Lidschatten, in Sonnencremes und Zahnpasta. Für problematisch halten Experten Deos mit Aluminiumsalzen. Diese sorgen dafür, dass sich die Hautporen zusammenziehen und die Schweißdrüsen verstopfen. Dabei gelangt Aluminium in den Körper, besonders viel nach einer Rasur, wenn die Haut verletzt ist. Wer täglich ein solches Deo verwendet, nimmt eventuell so viel Aluminium auf, dass die wöchentlich tolerierbare Dosis deutlich überschritten wird. Noch fehlen Studien, die eindeutig zeigen, wie viel tatsächlich über die Haut in den Körper gelangt.

Ebenfalls bedenklich sind Medikamente, die Aluminiumverbindungen enthalten wie z.B. Mittel gegen Sodbrennen. Sie sollten nicht über einen längeren Zeitraum eingenommen werden.

Aluminium vermeiden

Offenes Deo wird in der Hand gehalten
Wer täglich Deos mit Aluminium verwendet, kann den Grenzwert überschreiten. | Bild: BR

Es gibt Möglichkeiten, die Aufnahme von Aluminium zu begrenzen. Wichtig dabei ist auch der richtige Gebrauch von Alu-Folie. Denn salzige oder saure Speisen lösen Aluminiumionen aus der Folie, die dann in das Essen übergehen. Deshalb sollte auch nicht in Alu-Töpfen gekocht werden. Auch beim Erhitzen von Fertigprodukten in Aluschalen kann Aluminium in das Essen übergehen. Noch gibt es keine gesicherten Daten, wie hoch hier die Belastung ist.

Wer Grillschalen nutzt, sollte das Fleisch erst hinterher auf dem Teller würzen, denn sonst könnte Aluminium in das Fleisch übergehen. Dafür aber verhindern die Schalen, dass Fett in die Glut tropft, wodurch krebserregende Substanzen entstehen.

Bei Espressokannen aus Aluminium rät das BfR, diese nicht in der Geschirrspülmaschine zu reinigen. Beim ersten Erhitzen bildet sich in der Kanne eine Schicht, die verhindert, dass sich Aluminiumionen lösen und in den Kaffee übergehen. Diese Schicht wird im Geschirrspüler aber weggewaschen.

Bei Kosmetika lässt sich Aluminium am einfachsten vermeiden, in dem man zu Produkten ohne Aluminiumverbindungen greift. Das wird vor allem bei Deos empfohlen. Inzwischen findet man den Hinweis deutlich auf der Verpackung.

Autorin: Christiane Streckfuß (BR)

Stand: 21.07.2015 14:18 Uhr

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