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Fragen Sie Ihren Apotheker?!

PlayReporter spricht mit Apotheker
Fragen Sie Ihren Apotheker?!  | Video verfügbar bis 14.10.2021 | Bild: SWR

Die meisten Menschen können den Satz "Zu Risiken und Nebenwirkungen ..." ohne Zögern vervollständigen. Aber fragen sie auch wirklich ihren Arzt und Apotheker? Ärzte sind die Experten für die Diagnose und Therapie; Apotheker sind die Experten für Arzneimittelversorgung. Aber auch der Patient ist gefragt: Wer einen Überblick über seine Medikamente hat, kann das Risiko von Medikationsfehlern reduzieren.

Verpflichtet, zu beraten

Reporter Burkhardt Weiß checkt zusammen mit dem Apotheker, was die Datenbank zu möglichen Wechselwirkung von zwei Medikamenten anzeigt.
Arzneimitteltherapiesicherheit auch dank elektronischer Medikations-Checks.  | Bild: WDR

Apotheker haben eine gesetzliche Verpflichtung zur Information und Beratung über Arzneimittel. Das gilt für Internetapotheken wie für Vor-Ort-Apotheken gleichermaßen. Die Beratung muss vor allem die Aspekte der Arzneimittelsicherheit gewährleisten, also die sachgerechte Anwendung des Medikaments, Informationen zu Neben- und Wechselwirkungen und die Aufbewahrung und Entsorgung. Die Leitlinien der Beratung unterscheiden zwei Szenarien: Arzneimitteln auf ärztliche Verordnung und die Selbstmedikation.

Bei einem Rezept dürfen Apotheker nicht blind darauf vertrauen, dass der Arzt alles richtig gemacht hat. Rezepte kritisch zu prüfen, ist ihre Pflicht. Stellen sie beispielsweise eine schwere Wechselwirkung zwischen den Medikamenten auf einem Rezept oder eine falsche Dosierung fest, müssen sie mit dem Arzt Rücksprache halten. Bei groben Verordnungsfehlern der Ärzte haften Apotheker mit.

Rezeptfreie Medikamente gelten oftmals als harmlos. Aber auch sie können unter Umständen gefährlich werden. Der Apotheker sollte abklären, ob die gewünschten Arzneimittel für die Kunden überhaupt geeignet sind und wann ein Arztbesuch anzuraten ist. Auch hier muss die Gefahr von Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln, die die Patienten regelmäßig einnehmen, geklärt werden.

Datenbank hilft

Es gibt über 60.000 apotheken- und verschreibungspflichtige Arzneimittel. Zu jedem Wirkstoff gibt es zahlreiche beschriebene Wechselwirkungen, die sich bei der Einnahme von mehreren Präparaten potenzieren können. Apotheker können auf eine Datenbank zurückgreifen, die bei der Einschätzung hilft. Wenn der Apotheker beispielsweise zwei Präparate in das System eingibt, erscheinen Schnellhinweise zu Wechselwirkungen. Das klingt nach einem sicheren System – ganz so einfach ist es aber nicht: Der Apotheker muss diese Informationen vor der trotzdem nochmal selbst bewerten. Und: Viele gefährliche Cocktails entstehen, weil die Medikamente von verschiedenen Ärzten verordnet werden und der Apotheker keinen Überblick über die Gesamtmedikation hat.

Medikationsplan als Lösung

Ein Medikationsplan mit rezeptpflichtigen und rezeptfreien Medikamenten.
Der Medikationsplan sorgt hoffentlich für mehr Sicherheit bei der Medikamenteneinnahme.  | Bild: WDR

Hoffnung auf mehr Sicherheit bei der Arzneimittelversorgung kommt nun in Form eines Medikationsplans aus Papier. Seit Oktober 2016 haben Versicherte, die drei oder mehr Medikamente regelmäßig einnehmen, einen rechtlichen Anspruch darauf. Alle rezeptpflichtigen und im besten Fall auch alle rezeptfreien Medikamente sind mit Angaben zu Wirkstoffen, Stärke des Präparats, der Darreichungsform und Einnahmehinweisen aufzulisten. Der (Haus-)Arzt ist der Hauptverantwortliche für den Medikationsplan, aktualisiert werden kann er vom Apotheker oder vom Patient selbst. Der Medikationsplan soll nicht nur dem Patient, sondern auch dem Arzt und Apotheker einen Überblick verschaffen. Der Medikationsplan soll 2018 durch die elektronische Gesundheitskarte ersetzt werden.

Autorin: Pia Huneke (WDR)

Stand: 13.07.2019 01:13 Uhr