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Mordfall "Hodde": Funknetz führt zum Täter

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Mordfall "Hodde": Funknetz führt zum Täter | Video verfügbar bis 16.02.2024 | Bild: Privat

Jedes Jahr werden in Deutschland etwa 400 Morde begangen. Die Aufklärungsquote liegt bei 95 Prozent. Das bedeutet im Umkehrschluss: Etwa zwanzig Morde bleiben ungeklärt. Sie enden als "Cold Cases", das heißt ergebnislos. Den Ermittlern gelingt es nicht, Spuren zu finden, die zum Täter führen. Wie wichtig bei der Fahndung daher kleinste Details sein können, zeigt der Fall "Hodde".

Der Einzelgänger

Im November 2010 wird in Hameln ein Mann ermordet: der Briefmarkenhändler Robert Hodde. Tagelang vermisst ihn niemand, denn Hodde ist ein streitlustiger Einzelgänger. Er betreibt einen kleinen Briefmarkenladen in der Hamelner Innenstadt und handelt auch mit seltenen Münzen und altem Schmuck. Der Kioskbetreiber neben dem Briefmarkenladen meldet Hodde schließlich vermisst. Er war misstrauisch geworden, weil Robert Hodde sonst jeden Morgen zum Kaffeetrinken in den Kiosk kam. Die Polizei fährt zur Wohnung des Vermissten und lässt sie öffnen. Die Beamten finden den Briefmarkenhändler tot in der gefüllten Badewanne, bekleidet und mit dem Gesicht nach unten. Er hat schwere Kopfverletzungen. Und auch in der Wohnung ist jede Menge Blut.

Offensichtlich ist hier ein Mord passiert und die Wohnung der Tatort. Doch die Ermittler stehen vor einem Problem. Robert Hodde hatte praktisch keine Sozialkontakte. Deshalb gibt es auch niemanden, der ihnen sagen kann, ob in der Wohnung etwas fehlt. Dasselbe gilt für den Laden.

Viel Feind, viel Verdacht

Die Ermittler in der Wohnung des Opfers
Die Ermittler in der Wohnung des Opfers. | Bild: NDR

Bei den Ermittlungen stellt sich heraus, dass Robert Hodde keine Freunde, dafür aber viele Feinde hatte. Immer wieder suchte er Streit mit Kunden, Nachbarn und Kollegen. Mit der eigenen Familie hatte der Briefmarkenhändler seit Jahren keinen Kontakt mehr. Das stellt die Ermittler vor ein Rätsel. Denn normalerweise zeichnet sich in einem Mordfall relativ schnell ein Motiv und meist auch ein potentieller Täter ab. Oft gehen den Taten jahrelange Konflikte voraus. Im Fall von Robert Hodde gibt es zwar sehr viele Menschen, die schlecht auf den Ermordeten zu sprechen waren. Aber von denen hätte er niemanden in seine Wohnung gelassen. Und Einbruchspuren gibt es nicht.

Schwache Umrisse

Staubschicht auf einem Boden
Spuren in der Staubschicht. Hier stand eine Statue – die Tatwaffe? | Bild: Polizei

In der Wohnung des Ermordeten finden die Ermittler allerdings eine Spur: viele leere Bilderrahmen. Was auch immer im Rahmen war, ist verschwunden. Aber die Passepartouts sind noch da. Auf den Pappen erkennen die Polizisten rechteckige Umrisse, offenbar von Geldscheinen. Da jeder Schein eine bestimmte Größe hat, können sie rekonstruieren, dass in den Bilderrahmen eine Serie alter D-Markscheine ausgestellt war, vom Fünf- bis zum Tausendmarkschein. Solche Serien sind wertvoll und auch heute noch in Euro umtauschbar. Alles deutet also auf einen Raubmord hin.

Und noch eine weitere Entdeckung bringt die Ermittlungen voran: Auf einem verstaubten Schrank im Flur entdeckten die Fahnder einen viereckigen Abdruck. Stand hier möglicherweise die Tatwaffe? Nach Zeugenaufrufen in der örtlichen Presse meldet sich ein Handwerker, der vor einiger Zeit in Robert Hoddes Wohnung einen Wasserschaden repariert hat. Er kann sich an eine Steinskulptur erinnern, die auf dem Schrank stand. Deren Fuß hat offenbar den viereckigen Abdruck hinterlassen - und würde auch gut zu der Verletzung am Kopf des Briefmarkenhändlers passen.

Ins Funknetz gegangen

Karte mit aufgelisteteten Telefonaten
Verdächtige Telefonate in der Nähe des Tatorts. | Bild: NDR

Die Ermittler überprüfen die letzten Telefonate, die der Briefmarkenhändler geführt hat. Und das bringt sie endlich auf die richtige Spur. Kurz vor seinem Tod hat Robert Hodde einen Adolf B. auf dem Handy angerufen. Der Mann lebt in Köln und handelt gelegentlich mit Briefmarken. Die Beamten überprüfen nun auch dessen Handydaten und sehen, dass Adolf B. zum vermuteten Tatzeitpunkt nicht in Köln, sondern in Hameln war, in einer Funkzelle in der Nähe des Tatorts. Er hat mit zwei weiteren Männern im Umkreis telefoniert – seinen mutmaßlichen Komplizen?

Eine Anfrage bei den Kölner Kollegen ergibt, dass eine Anzeige gegen Adolf B. eingegangen ist. Er hat versucht, bei der Deutschen Bundesbank in Köln alte D-Markscheine einzutauschen: das Diebesgut. Aufgeflogen ist er, weil ein Geldschein aus Robert Hoddes Besitz gefälscht war. Offenbar hatte der Briefmarkenhändler die Serie nicht vollständig sammeln können und die Banknote durch eine Kopie ersetzt.

Die Indizien reichen für einen Haftbefehl. Bereits auf der Fahrt zum Polizeirevier legt Adolf B. ein Geständnis ab. Er kannte den Briefmarkenhändler von früher. Robert Hodde hatte ihn angerufen und gebeten, mit zwei schlagkräftigen Helfern nach Hameln zu kommen. Die drei sollten einen Mann einschüchtern, mit dem Hodde im Streit lag. Stattdessen beschloss das Trio, den Briefmarkenhändler zu überfallen und ihm wertvolle Marken und Goldmünzen zu stehlen. Ohne die Daten aus der Funkzelle in Hameln hätte die Polizei die Täter nie ermittelt.

Tipp: Den Film in ganzer Länge können Sie in der NDR Mediathek sehen.

Autor: Björn Platz (NDR)

Stand: 16.02.2019 15:51 Uhr