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Dauerbaustelle Autobahn: Die Suche nach haltbaren Straßenbelägen

PlayBaustelle an einer Autobahn
Dauerbaustelle Autobahn: Die Suche nach haltbaren Straßenbelägen | Video verfügbar bis 29.07.2022 | Bild: BR

1950 gab es in Deutschland 2.175 Autobahn-Kilometer, heute sind es 13.500. Mehr haben nur noch die USA und China. Und trotzdem reichen sie nicht aus! Die Autobahnen sind überlastet und der Asphalt ist vielerorts marode. Deshalb reiht sich eine Baustelle an die nächste. Derzeit gibt es rund 1.000 Dauerbaustellen in Deutschland und das bedeutet regelmäßig Stau!

Immer mehr Verkehr

Schwerlastverkehr
Seit 1990 hat sich der Güterverkehr verdoppelt. | Bild: hr

Die Wurzel des Übels ist aber das steigende Verkehrsaufkommen. Mittlerweile sind knapp 46 Millionen Pkw zugelassen. Dazu kommt der Schwerlastverkehr:  Seit 1990 hat sich der Güterverkehr verdoppelt und in den kommenden 10 Jahren sollen es nochmal 40 Prozent mehr Lkw auf den deutschen Autobahnen werden.

Warum so viele kaputte Straßen?

Risse im Asphalt einer Straße
Sanierungsstau auf deutschen Autobahnen. | Bild: hr

Die Folge des steigenden Verkehrs: Es ist immer mehr Gewicht auf den Straßen und das macht sie kaputt. Vor allem die Lkw belasten die Straße. Ein einziger 40 Tonnen schwerer Lkw verursacht so viele Schäden wie rund 60.000 Pkw. Und: Die Autobahnen sind vielerorts überaltert. Die meisten Autobahnen wurden in den 1950er-Jahren gebaut. Ein Unterbau hält in der Regel 30 Jahre, der Fahrbahnbelag 10 bis 15 Jahre. Das Problem, die Schäden müssen vielerorts gleichzeitig beseitigt werden. Dazu kommt, dass viel Geld und Ressourcen in den Ausbau der Infrastruktur Ostdeutschlands geflossen sind. Das habe zu einem Sanierungsstau der Autobahnen in den alten Bundesländern geführt, sagt Prof. Ulf Zander von der Bundesanstalt für Straßenwesen.

Forschung für bessere Straßenbeläge

Asphaltprobe im Labor der Bundesanstalt für Straßenwesen
Wissenschaftler an der Bundesanstalt für Straßenwesen forschen an neuen Straßenbelägen. | Bild: hr

Außerdem wird alter Straßenbelag immer wieder verwendet. Das Problem dabei: Darunter leidet das Bitumen im Asphalt. Das Erdölprodukt sorgt dafür, dass die Gesteine zusammenkleben. Wird es immer wieder verwendet, verliert es Klebfähigkeit. Deshalb forschen die Wissenschaftler an der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) wie man Bitumen elastischer, flexibler und klebfähiger machen kann.

Seit einigen Jahren setzen die Fachleute auf Polymere im Asphalt. Solche Straßenbeläge sind  beispielsweise auf dem Testgelände der Bundesanstalt für Straßenwesen eingebaut. Polymere sind Bindemittel, die im Bitumen eine Netzstruktur entstehen lassen, um den Asphalt widerstandsfähiger und temperaturbeständiger zu machen. Denn in Deutschland haben wir teilweise große Temperaturschwankungen, im Sommer heizt sich der Asphalt auf mehr als 60 Grad Celsius auf im Winter bei Bodenfrost muss er Minusgraden stand halten. 

Der perfekte Straßenbelag

Fußbodenheizung für die Straße
Eine Art Fußbodenheizung für die Straße könnte eine Lösung für längere Haltbarkeit des Belags sein. | Bild: hr

Deswegen experimentieren die Wissenschaftler an der Bundesanstalt für Straßenwesen mit verschiedenen Mischungen aus Bitumen und Asphalt. Die Bitumen-Polymere-Gemische sind im Schnitt 20 Prozent belastbarer. Das heißt, auf der Straße hält der Belag ungefähr 5 Jahre länger. Die Forscher tüfteln noch an anderen Ideen - zum Beispiel eine Art Fußbodenheizung für die Straße: Im Winter wird Wärme zugeführt, und so Eis-und Rissbildung verhindert. Im Sommer wird Wärme von der Deckschicht abgeleitet, der Asphalt bleibt kalt. Es entstehen weniger Spurrillen. Sinnvoll ist diese Technologie etwa vor und auf Brückenbauwerken oder an Steigungsstrecken, der flächendeckende Einsatz wäre zu teuer und der Aufwand zu hoch.

All die Lösungsansätze gewähren aber nur einen Aufschub. 6,6 Milliarden Euro werden in 2017 in Sanierung und Ausbau unserer Fernstraßen gesteckt – so viel wie nie zuvor. Ob diese Investitionen tatsächlich den Folgen des steigenden Lkw-Verkehrs entgegensteuern können? Das scheint eher unwahrscheinlich. Freie Autobahnen wie man sie Mitte des vergangenen Jahrhunderts hatte, wird es wohl nicht mehr geben.

Autorin: Nina Schmidt (HR)

Stand: 16.07.2019 09:30 Uhr

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Bayerischer Rundfunk
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