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Baumwolle aus Afrika – eine simple Idee mit großer Wirkung

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Baumwolle aus Afrika | Video verfügbar bis 11.11.2021 | Bild: SWR

Eine Reise zum Beginn unserer Kleidung: In Uganda in Zentralafrika wächst Baumwolle für den weltweiten Textilmarkt. Allein in der Region Kasese, fünf Stunden von der Hauptstadt Kampala entfernt, leben Tausende Kleinbauern von der Baumwollernte. Doch viel zu oft reicht ihr Geld nicht einmal für das Allernötigste. Seit Jahren sind die Baumwollpreise auf dem Weltmarkt extrem niedrig. Den Profit mit T-Shirts und Hosen machen daher andere: Vor allem Textilkonzerne, die am Ende einer langen Lieferkette stehen – weit weg von den Baumwollfeldern.

Woher stammt die Baumwolle in unseren T-Shirts?

Frau mit Baumwoll-Stoffballen
Je nach Kleidungsstück stecken mehr als 100 Arbeitsschritte dahinter. Kaum eine Firma weiß, woher die Baumwolle in ihrer Kleidung genau stammt.  | Bild: WDR

Vom Feld zum fertigen T-Shirt ist es ein sehr langer Weg. Die Baumwolle wird gepflanzt, geerntet, dann gesponnen, zu Stoff gewirkt oder gewebt. Anschließend wird der noch rohe, empfindliche und brennbare Baumwollstoff imprägniert, gefärbt und bedruckt. Je nach Kleidungsstück können mehr als 100 Arbeitsschritte dahinterstecken, die an verschiedenen Orten der Erde stattfinden. Woher die Baumwolle in unserer Kleidung stammt, können die wenigsten Modefirmen am Ende noch nachvollziehen – und ihre Kunden erst recht nicht.

Otto-Konzern gründet Stiftung

Baumwollsamen in einem Erdloch
Schon bei der Aussaat lernen die Bauern, wie sie ihre Baumwollernte verbessern können.  | Bild: WDR

Vor einigen Jahren entschied der Otto-Konzern, der mit Abstand größte Textilhändler Deutschlands, Afrikas Bauern zu unterstützen. Und dafür Baumwolle zu erhalten, bei der klar ist, wo und unter welchen Bedingungen sie angebaut wurde. Der Konzern rief eine Stiftung ins Leben, die seither gemeinsam mit afrikanischen Baumwollfirmen Schulungen auf den Feldern durchführt. Im Dorf Kinyamaseke in West-Uganda treffen sich die Bauern, um zu lernen, wie sie ihre Ernte verbessern können. Zum Beispiel, indem sie die Baumwolle in Abständen säen, statt chemischen Düngers mehr Kompost verwenden und den Boden nach einem Regen länger feucht halten. All das schont die Umwelt und zugleich den Geldbeutel der Bauern. Sie lernen auch, weniger Pestizide einzusetzen sowie Schutzkleidung zu verwenden.

Zwei bis zehn Cent für ein gutes Gewissen

Arbeiter inmitten von Baumwollfasern
In der Baumwollfabrik kommt immer mehr Baumwolle an. Die Farmer haben ihre Ernte fast verdoppelt.  | Bild: WDR

Bezahlt werden die Schulungen zur Hälfte von der lokalen Baumwollfirma. Es lohnt sich: Seit es die Kurse gibt, liefern die Bauern fast doppelt so viel Baumwolle ab wie früher. Die andere Hälfte der Schulungskosten bezahlt die Stiftung "Aid by Trade Foundation". Sie hilft auch, gezielt die Nachfrage nach afrikanischer Baumwolle anzukurbeln. Dabei sollen nicht nur die Bauern vom Programm der Stiftung profitieren, sondern auch die Textilfirmen, die ihre Baumwolle kaufen. Wenn die Textilhersteller wissen, dass die Baumwolle unter guten Bedingungen angebaut wurde, können sie damit bei ihren Kunden werben – so zumindest die Idee. Dafür wird jeder Baumwollballen markiert. Denn nur aus dieser Baumwolle soll Kleidung mit dem Label "Cotton made in Africa" werden: "Baumwolle aus Afrika". Die Textilhersteller zahlen dafür eine Prämie an die Stiftung: je nach Menge zwei bis zehn Cent pro Kleidungsstück. Ein Bruchteil des Laden-Preises – für Baumwolle mit gutem Gewissen.

Es fehlen mehr Modefirmen, die mitmachen

Schüler und Lehrerin an Pulten unter einem Baum
Die Schule wird von den Ersparnissen der Baumwollbauern im Dorf finanziert. | Bild: WDR

Auf Dauer kann das Programm der Stiftung nur funktionieren, wenn möglichst viele Modeunternehmen mitmachen. Bisher arbeitet die Stiftung in Uganda und zehn weiteren afrikanischen Ländern mit 650.000 Kleinbauern zusammen. Abnehmer sind neben dem Otto-Konzern knapp dreißig Firmen wie Tchibo, S.Oliver und die Supermarktkette Rewe. Aber damit sich das Programm auf Dauer selbst tragen kann, müssen es mehr Unternehmen werden.

Das Leben der Baumwollbauern, die am Programm teilnehmen, hat sich schon jetzt grundlegend verändert. Früher reichte das Geld oft nicht mal für das Nötigste. Heute können sie sparen: für Schulgeld, einen Arztbesuch oder die Miete eines Traktors. Im Dorf Nyarimangara, wenige Kilometer entfernt, hat eine Schule eröffnet. Gebaut vom Ersparten der Baumwollbauern im Dorf. Erstmals lernen hier 200 Kinder lesen und schreiben. Während ihre Eltern auf den Feldern arbeiten. All dies können Modefirmen und ihre Kunden auch in Deutschland unterstützen: mit dem Kauf von "Baumwolle aus Afrika".

Autorin: Sarah Zierul (WDR)

Stand: 13.07.2019 05:47 Uhr

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