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Bier selbst brauen

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Bier selbst brauen | Video verfügbar bis 16.09.2021 | Bild: SWR

Bier brauen kann ja eigentlich nicht so schwer sein, oder? Die Zutatenliste Wasser, Malz, Hopfen und Hefe ist überschaubar und Anleitungen samt Ausstattung gibt es im Internet. Wie gut ist das "Do-it-yourself-Bier" eines Amateurs? Kann es einem Profiprodukt das Wasser reichen? Wir haben es ausprobiert und in Heimarbeit ein Helles produziert.

Einfache Grundausstattung

Wer sein eigenes Bier brauen will, braucht dazu die Rohstoffe Wasser, Malz, Hopfen und Hefe sowie eine einfache Küchen-Grundausstattung: einen großen Topf, einen Plastikeimer, ein Sieb, einen Gärbehälter samt Gärspund, ein Thermometer und eine kleine Pumpe samt Schlauch zum Abfüllen. Für Anfänger ist es am einfachsten, sich entsprechende Sets im Internet zu bestellen. Eine weitere wichtige Grundvoraussetzung: Geduld und Zeit. Es dauert gut vier Wochen, bis das eigene Helle trinkfertig ist.

1. Schritt: Maischen

Gerste
Gerstenmalz: Der Körper des hellen Bieres. | Bild: BR

Ein Küchen-Brautag funktioniert in der Theorie genauso wie die Bierherstellung in einer großen Brauerei. Arbeitsschritt eins ist das Maischen – die Hochzeit von Wasser und Malz. Beim Hellen gehört Gerstenmalz zum Bierrezept. Für vier Liter Bier braucht man rund 200 Gramm des Rohstoffs. Das Malz wird in rund 70 Grad heißes Wasser eingerührt, eine Stunde dauert das "Einmaischen". Dadurch gewinnt man aus dem Malz den Zucker, der später von der Hefe in Alkohol verwandelt wird. Zum Vergleich: Bei den Profis in Weihenstephan, der ältesten Brauerei der Welt, werden 360 Hektoliter (36.000 Liter) Helles produziert. Entsprechend kommen in die Maischpfanne fünf Tonnen des Gerstenmalzes.

2. Schritt: Läutern

Läutern
Läutern: Das Malzschrot wird ausgesiebt | Bild: BR

Nach gut einer Stunde kommt der zweite Schritt: das Läutern im Läuterbottich. Hier wird das Malz von der Flüssigkeit getrennt, der Zucker sozusagen aus dem Malz gewaschen. Übrig bleibt das ausgewaschene Schrot, der sogenannte Treber – ein eiweißreiches Tierfutter. Man braucht dazu ein Küchensieb, einen Plastikeimer und viel Geduld. Von Topf zum Eimer muss man hin- und zurücksieben, um die sogenannte Würze zu gewinnen. In der Brauerei geht das Läutern vollautomatisch.

3. Schritt: Hopfenkochen

Die entstandene Würze wird zum Kochen gebracht. Dann werden ein paar Gramm Hopfen hinzugegeben. Dieser konserviert das Bier und gibt ihm sein Aroma – die typische Hopfenblume. Eine Stunde kocht der Hopfensaft dann in einem Kochtopf. In der Brauerei geschieht das in der sogenannten Würzepfanne.

4. Schritt: Gärung

Der heiße Hopfensaft muss abkühlen, sonst wird das Bier zu bitter. Nun kommt die Hefe ins Spiel, die den Zucker in Alkohol verwandelt. Bei vier Litern Bier reichen ein paar Gramm. Theresa hat dafür ein Gärgefäß aus Glas; ein Spund als Flaschenverschluss sorgt dafür, dass Kohlendioxid entweichen kann, ohne dass Schmutz ins Bier kommt. Jetzt arbeitet die Hefe; im Gärgefäß blubbert und schäumt es. Eine Woche braucht die Hefe, bis sie den Malzzucker in Alkohol verwandelt hat. In der Brauerei funktioniert es im Prinzip genauso: Allerdings gibt es hier große Gärtanks, in denen das Jungbier lagert.

Schritt 5. Abfüllung und Verkostung

Theresa mit Gärflasche
Das Jungbier muss eine Woche gären. | Bild: BR

Nun wird das Bier mit einer kleinen Pumpe in Flaschen abgefüllt, möglichst ruhig, damit der Hefe-Bodensatz in der Flasche bleibt. Jetzt muss das Bier mindestens drei Wochen nachgären. In der Brauerei bleibt das Bier in Lagertanks, wird dann filtriert, kontrolliert und abgefüllt. Fazit: Bier brauen macht Spaß, ist aber eine Menge Arbeit. Billig sind die Brausets nicht: Der Liter kostet durchaus so viel wie die Maß auf dem Oktoberfest. Übrigens: Wer Bier – auch in kleinen Mengen – braut, muss das beim Hauptzollamt anmelden. Bis zu 200 Liter sind dabei kostenfrei.

Autor: Andreas Kegel (BR)

Stand: 17.09.2016 17:20 Uhr