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Insektenrettung durch Verzicht auf chemische Pestizide

PlayTraktor mit angehängter Egge beackert ein Feld
Insektenrettung durch Verzicht auf chemische Pestizide | Video verfügbar bis 06.10.2023 | Bild: SWR

Für viele Experten steht die konventionelle Landwirtschaft mit ihrem Einsatz von Pestiziden an oberster Stelle, wenn es um die Ursachen für das Insektensterben geht. Aber ist der Einsatz von Chemie auf den Feldern nicht gerechtfertigt? Schließlich werden so Schädlinge bekämpft und die Ernte gesichert. Für Agrarwissenschaftler Dr. Felix Prinz zu Löwenstein heiligt der Zweck aber nicht die Mittel. Er ist der Meinung: Die negativen Nebenwirkungen sind zu schwerwiegend für die Umwelt. Wir erkaufen uns niedrige Nahrungsmittelpreise auf Kosten vieler Tier- und Pflanzenarten, die ohne ein Umdenken in der Landwirtschaft womöglich schon bald keine Überlebenschance mehr haben werden. 

Auf Chemie verzichten

Ein Insektenvernichtungsmittel wird in einen großen Behälter geschüttet.
Spritzmittel gegen Insekten treffen nicht nur Ernteschädlinge. | Bild: SWR

Es sind nicht nur viele Insektenarten, die seit der Industrialisierung der Landwirtschaft ums Überleben kämpfen. Die Bestände von Vogelarten, die für Wiesen und Felder typisch sind, gehen kontinuierlich zurück – zum Beispiel Rebhuhn, Kiebitz oder Feldlerche. Auch der Feldhamster trauert sicherlich den Zeiten nach, als das Getreide noch von Hand mit Sense und Sichel geerntet wurde. Natürlich können wir die Zeit nicht zurückdrehen und wollen auch nicht auf moderne Annehmlichkeiten verzichten. Gibt es dennoch einen Weg, die moderne Landwirtschaft insektenfreundlicher zu gestalten? Ja, meint Felix zu Löwenstein. Aus seiner Sicht wäre ein Verzicht auf chemische Pestizide der erste und wichtigste Schritt.

Die Landwirtschaft der Zukunft

Traktor mit angehängter Egge beackert ein Feld
Felder bestellen im Einklang mit der Natur – Zukunftsperspektive oder Wunschdenken? | Bild: SWR

Noch heute findet man Rückstände von DDT in der Umwelt, obwohl das Insektengift bereits 1977 in Deutschland verboten wurde. Lange wurden Neonicotinoide als "saubere" Pestizide mit geringen Nebenwirkungen gefeiert. Inzwischen sind auch sie zum Teil verboten. Häufig lassen sich die Langzeitschäden und Wechselwirkungen von Substanzen in der Natur im Laborversuch nur ungenügend abschätzen. Deshalb plädiert Felix zu Löwenstein – genau wie viele Umweltverbände – für einen kompletten Verzicht chemischer Pestizide auf den Feldern. Nur wenn man darauf verzichtet Schädlinge zu vergiften, kann man ausschließen, dass "unbescholtene" Arten als Kollateralschäden enden. Allerdings würde ein solcher Verzicht sicherlich Ernteeinbußen mit sich bringen. Da die Landwirtschaft innerhalb der EU aber sowieso mit Fördergeldern subventioniert wird, könnten die finanziellen Verluste der Bauern mit den vorhandenen Mitteln ausgeglichen werden – vorausgesetzt, die EU würde grundsätzlich umdenken und in erster Linie umweltfreundliche Anbaumethoden fördern.

Autor: Dirk Neumann (SWR)

Stand: 28.08.2019 10:46 Uhr