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Ist E-Sport wirklich ein Sport?

PlayFIFA-Spiel auf einem Computerbildschirm mit Playstation.
Ist E-Sport wirklich ein Sport? | Video verfügbar bis 13.04.2024 | Bild: WDR

Ausverkaufte Stadien, hunderttausende US-Dollar Preisgeld und Millionen Fans: E-Sport nennt sich der organisierte Wettkampf via Computerspiele und der begeistert Massen. Nach Schätzungen des Fach-Verbands gibt es etwa drei Millionen E-Sportler in Deutschland. Und die stehen jetzt auch im Fokus der Sportwissenschaft: Denn die Deutsche Sporthochschule in Köln untersucht E-Sport. Die Begründung: E-Sportler hätten besondere Reaktions- und feinmotorische Fähigkeiten, und es gäbe viele Parallelen zur traditionellen Sportwelt.

Drei Kriterien, die eine Sportart erfüllen muss

Was offiziell als Sport zählt, legt unter anderem der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) fest. Es gibt drei Hauptkriterien, die eine Sportart erfüllen muss:

  • man muss sich bewegen
  • es muss eine Vereinsstruktur vorhanden sein
  • gewisse ethische Werte müssen eingehalten werden.

Laut DOSB erfüllt der E-Sport keines dieser Kriterien. In Asien denkt man darüber jedoch anders: Der Olympische Rat Asiens hat E-Sport mittlerweile ins Programm aufgenommen. 2022 wird es bei den Asienspielen erstmals auch virtuell um Gold gehen.

E-Sport-Forschung an der Deutschen Sporthochschule in Köln

Eingang der Spothochschule Köln
E-Sport ist Forschungsthema an der Deutschen Sporthochschule. | Bild: WDR

Beim virtuellen Sport passiert im Körper eine ganze Menge: Die Spieler brauchen mentale Ausdauer, Feinmotorik und Schnelligkeit. Aus sportwissenschaftlicher Sicht ist E-Sport aber absolutes Neuland. Prof. Ingo Froböse und sein Forschungsteam von der Sporthochschule Köln haben rund 1.200 deutsche Videospieler befragt und wissen nun, mit wem sie es zu tun haben. Nämlich entgegen dem Klischee vom blassen Nerd, größtenteils mit gut gebildeten jungen Männern, die nicht nur vor der Konsole sitzen, sondern sogar tendenziell sportlicher sind als der deutsche Durchschnitt.

Vor dem Computer sitzen alle Spieler aber etwa gleich lang, nämlich 20 bis 30 Stunden pro Woche. Diese langen Sitzzeiten sind gesundheitlich problematisch, aber auch bei der Ernährung und Schlafverhalten sehen die Forscher Verbesserungspotential. Um all das besser zu erforschen, wurde am Institut ein "E-Sport-Lab" eingerichtet.

Der [W] wie Wissen-Test

FIFA-Spiel auf einem Computerbildschirm mit Playstation.
Wettkampf mit der Konsole – ist das Sport? | Bild: WDR

In diesem E-Sport-Lab lassen wir für [W] wie Wissen zwei Probanden gegeneinander antreten: der geübten FIFA-Videospieler Markus gegen den Gelegenheits-Spieler Michael. Markus ist Student an der Deutschen Sporthochschule und spielt das Spiel FIFA nicht nur als privates Hobby, sondern auch in der Hochschul-FIFA-Mannschaft. Michael spielt nur ab und zu mit Freunden. Der Vergleichstext zeigt: Es gibt große Unterschiede zwischen einem trainierten Gamer und einem nicht trainierten. Bei der körperlichen Fitness sind beide auf ähnlichem Niveau. Bei den Tests zu Reaktionsfähigkeit und Feinmotorik schnitt FIFA-Spieler Markus jedoch in mehreren Tests deutlich besser ab.

Die Fußballvereine kommen auf den E-Sport

E-Sport-Scouting bei Schalke
FC Schalke 04 sucht neue E-Sport-Talente | Bild: WDR

Auch wenn E-Sport noch nicht offiziell als Sport anerkannt ist: Immer mehr traditionelle Sportvereine mischen schon jetzt digital mit und gründen zusätzlich zu ihren klassischen Mannschaften E-Sport-Teams. Vor allem die großen Bundesliga-Fußballvereine verpflichten gute Gamer, um in der virtuellen Bundesliga und im eWorldcup um den FIFA-Titel zu kämpfen. So bleiben sie gerade für die jungen, gaming-begeisterten Menschen als Vereine weiterhin interessant. Der FC Schalke 04 ist der erste Fußballverein, der mittlerweile aber auch in Gefilde jenseits des Fußballs vordringt: Sie haben ein eigenes "League of Legends"- Team aufgestellt.

Autorin: Clarissa Juse (WDR)

Stand: 13.04.2019 15:38 Uhr