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Diese Blüten aus dem heimischen Garten sind essbar

PlayEssbare Blüten werden angerichtet
Diese Blüten aus dem heimischen Garten sind essbar  | Video verfügbar bis 10.08.2024 | Bild: ARD

Blüten sind die Stars in jedem Blumenstrauß. Was viele nicht wissen: Sie sind nicht nur ein Augen-, sondern oft auch ein Gaumenschmaus. Bereits die Römer verfeinerten ihre Speisen mit Malven oder Rosen. Im 16. und 17. Jahrhundert erlebten Schlüsselblumen, Kissenprimeln und Co. in den Küchen der englischen Könige eine weitere Blütezeit.

Phlox in einem Beet mit Tagetes und Lavendel
Phlox, Lavendel oder Agastache – vieles was bei uns im Garten blüht, schmeckt lecker. | Bild: NDR

Das Wissen von damals ist heute weitgehend in Vergessenheit geraten. Martina Göldner-Kabitzsch will die Blütenküche in ihrem Kochstudio vor den Toren Berlins wiederbeleben. Die Expertin weiß, welche Blumen essbar sind – und welche nicht.Die Blüten für ihre Rezepte pflückt sie jeden Morgen frisch im eigenen Garten. Denn sobald die Sonne zu stark auf die zarten Blättchen scheint, verflüchtigen sich die ätherischen Öle und damit ihr Aroma.

Heilende Wirkung schon lange bekannt

Blüte einer Ringelblume in Nahaufnahme
Schön und gesund: die Ringelblume. | Bild: NDR

Die Medizin nutzt Blüten und Pflanzen schon seit Jahrhunderten. So werden bis heute Naturarzneien aus Blüten gewonnen. Denn in ihnen stecken ätherische Öle, Flavonoide und andere Substanzen, die eine pharmakologische Wirkung haben. Klassiker aus unseren Breiten sind Kamille, Ringelblume oder Minze. Sie helfen zum Beispiel gegen Entzündungen, unterstützen die Wundheilung oder regen das Immunsystem an. Nachtkerzenblüten sollen innerlich angewandt bei Neurodermitis helfen. Aber Blüten können nicht nur positive Effekte auf unsere Gesundheit haben. Einige sind auch kleine Geschmacksbomben!

Nicht jede Blüte schmeckt, wie man es erwartet

Rosen und Lavendel schmecken so, wie sie riechen. Anders ist das bei der Kapuzinerkresse, die kaum riecht, dafür aber scharf nach Senf schmeckt. Oder Phlox, der so gut wie geruchlos ist, aber ein süßes Aroma hat. Begonien riechen nicht, schmecken dafür aber angenehm säuerlich. Tulpen schmecken nach Kohlrabi, Kleeblüten nach Erbse.

Achtung: Nicht jede Blüte ist essbar!
Nicht jede Blüte lässt sich gefahrlos verspeisen: Maiglöckchen zum Beispiel können zu Übelkeit, Durchfall, Schwindel und Herzrhythmusstörungen führen. Auch das tränende Herz, Rittersporn, roter Fingerhut und gemeiner Goldregen haben in der Küche nichts zu suchen. Vorm Pflücken und Verspeisen also gut informieren!

Der heimliche Favorit der Blütenexpertin Martina Göldner-Kabitzsch ist die Indianernessel. Wer ihre Blüten isst, erlebt eine würzige Geschmacksexplosion, die zum Beispiel auf einer Scheibe Baguette mit Frischkäse gut zur Geltung kommt.

Tipp: Weniger ist mehr
Der "grüne Anteil" einer Blume, also Stengel, Stempel oder Pollenträger, schmecken oft bitter. Deswegen lohnt es sich, vor allem bei größeren Blüten wie zum Beispiel Chrysanthemen, nur die Blütenblättchen auszuzupfen und zu essen.

Den Geschmack einfangen

Blüten auf mit Frischkäse bestrichenen Brotscheiben
Der pure Geschmack von Blüten kommt auf Brot mit Frischkäse als Geschmacksträger besonders gut zur Geltung | Bild: NDR

Blüten sind kurzlebig. Nachtkerzen etwa blühen nur eine Nacht lang. Einmal von der Blume gezupft, verwelken Blüten meist innerhalb von Stunden. Wer ihr Aroma konservieren möchte, kann aus ihnen Sirup oder Essig machen. Besonders geeignet – weil geschmacks- und farbintensiv – sind Hibiskus, Veilchen, Rose und Lavendel.

Chrysanthemen-Essig:
500 ml Weißweinessig
Blütenblätter von 10 Speisechrysanthemen (Chrysanthemum coronarium) oder anderen essbaren Sorten
Die Blüten mit dem Essig zusammen ca. 2 Wochen ziehen lassen, filtern und abfüllen.

Auf Bio-Qualität achten
Viele Gärtnereien bieten inzwischen essbare Blumensorten an. Achten Sie darauf, dass diese biologisch angebaut und nicht gespritzt wurden. Verwenden Sie keine Blüten von Blumensträußen, die sie im Supermarkt, der Tankstelle oder einem Floristikfachgeschäft gekauft haben. Schnittblumen sind meistens gespritzt, auch die aus lokalem Anbau.

Rezepte aus dem Beitrag:

Baguette mit Blüte
Ein Baguette quer aufschneiden und mit Frischkäse bestreichen. Dann frisch gepflückte Blüten der Saison darauf streuen und zart andrücken. Bei Bedarf leicht salzen.

Kalte Joghurt-Gurken-Suppe mit Kapuzinerkresse
Zutaten für 4 Personen:
2 Gurken
8 Kapuzinerkresseblätter
8 Kapuzinerkresseblüten
2 Zweige Minze
250 ml Gemüsefond
1 Becher Naturjoghurt
½ TL zerstoßener bunter Pfeffer
4 TL Olivenöl
½ TL Salz

Die Gurken schälen und in Stücke schneiden. Minze und Kapuzinerkresse waschen und abtrocknen. Die Gurkenstücke, den Gemüsefond, den Joghurt, das Olivenöl, die Minzblättchen und die Hälfte der Kapuzinerkresse in der Küchenmaschine pürieren. Mit Pfeffer und Salz abschmecken und im Kühlschrank durchkühlen lassen. Zum Servieren die Suppe mit je einer Kapuzinerkressenblüte und einem -blatt dekorieren.

Steak mit Chrysanthemenvinaigrette
Zutaten für 4 Personen:
Zutaten für das Rote-Bete-Mus
350 g Rote Bete
250 g Kartoffeln, gekocht
75 ml Milch
50 g Butter
120 ml Rote-Bete-Saft
Meersalz, Pfeffer aus der Mühle
Zutaten für die Chrysanthemen-Vinaigrette
50 g Rote Bete, vorgegart
2 kleine rote Zwiebeln
6 EL natives Olivenöl extra
2 EL Chrysanthemen-Essig
Meersalz, Pfeffer aus der Mühle
Chrysanthemenblütenblätter (von Speisechrysanthemen oder anderen essbaren Sorten)
500 g Hüftsteak (Raumtemperatur)
Öl zum Braten
Meersalz, Pfeffer aus der Mühle

Rote Bete und Kartoffeln in grobe Stücke schneiden und in einem Topf zusammen mit der Milch, der Butter und dem Rote-Bete-Saft aufkochen. Mit einem Kartoffelstampfer grob stampfen, mit Salz und Pfeffer würzen und warmstellen.

Für die Vinaigrette die Rote Bete und die Zwiebeln fein würfeln. Das Öl mit dem Essig verrühren, würzen und die Rote-Bete- und Zwiebelwürfel untermischen, dann die gezupften Blüten einrühren.

Den Backofen auf 140 °C Umluft vorheizen.
Das Fleisch waschen, gut trocken tupfen und im heißen Öl von beiden Seite für ca. 1½-2 Minuten je nach Dicke scharf anbraten. Die Steaks aus der Pfanne nehmen, in Alufolie wickeln und im Ofen bis zum gewünschten Garpunkt weitergaren. Vor dem Anschneiden das Fleisch etwas ruhen lassen. Die Steaks erst nach dem Garen würzen.

Zum Servieren das Fleisch in Streifen schneiden und zusammen mit der Roten Bete auf Tellern anrichten. Zum Schluss die Vinaigrette dazugeben und mit Chrysanthemenblüten dekorieren.
(Quelle: Martina Göldner-Kabitzsch, "von Blythen")

Kontakt:
Der Kochsalon von Martina Göldner-Kabitzsch
"von Blythen"
Brandenburgische Str. 65, 15566 Schöneiche bei Berlin

Lesetipp:
Martina Göldner-Kabitzsch
Blüten-Dinner
Thorbecke Verlag
ISBN 978-3-7995-1318-0

Enthält neben Rezepten zu Vorspeisen, Hauptgängen und Desserts auch Anleitungen um das Blütenaroma als Sirup oder Essig einzufangen.

Karl Hiller & Matthias F. Melzig
Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen
Spektrum Verlag
ISBN 978-3-8274-2053-4
Gibt ausführliche Auskunft über die Wirkung von Pflanzen, jedoch nicht über den Geschmack.

Autor: Niels Walker (NDR)

Stand: 09.08.2019 09:38 Uhr

Sendetermin

Sa, 10.08.19 | 16:00 Uhr
Das Erste

Produktion

Norddeutscher Rundfunk
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