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Smarte Bikes: Fahrrad 4.0

PlayApp auf einem Handy
Smarte Bikes: Fahrrad 4.0  | Video verfügbar bis 10.06.2022 | Bild: NDR

Der durchschlagende Erfolg der Pedelecs – jedes siebte in Deutschland verkaufte Fahrrad hat einen elektrischen Hilfsmotor – hat einen interessanten Nebeneffekt: Weil durch den Akku eine permanente Stromversorgung gewährleistet ist, rüsten Fahrradhersteller ihre höherpreisigen Räder mit allerhand technischen Zusatzfunktionen aus.

Smartbikes sind rollende Computer

"Gesperrt"-Anzeige auf einem Handy
Der Motor des Smartbikes lässt sich per App sperren. | Bild: NDR

Standard ist in der Regel ein fest verbauter Bordcomputer, der Auskunft über aktuelle Geschwindigkeit, zurück gelegte Strecke, Unterstützungsgrad des Motors oder verbleibende Akku-Leistung gibt. Gesteuert wird er über kleine Touchscreens im Rahmen und/oder Smartphone-Apps. Per App lässt sich zum Beispiel die Motorunterstützung an den eigenen Fahrstil anpassen und bei einigen Modellen mittels im Rad verbauter SIM-Karte aus der Ferne der Motor blockieren und das Rad bei Diebstahl per GPS aufspüren.

Im Rahmen verbaute USB-Ports erlauben den Anschluss externer Navigationsgeräte oder das Aufladen des Smartphones. Bei Pedelecs mit Hinterradnabenmotor besteht zusätzlich die Möglichkeit, den Akku während der Fahrt nachzuladen, indem Bremsenergie teilweise "rekuperiert" wird.  Wermutstropfen: All diese technischen Zusatzfunktionen haben im Moment noch einen happigen Preis. Unter 4.000 Euro ist kaum ein Smartbike zu haben.

Haltet den Dieb! Sicherheit durch die Internet-Community

Peilsender an einem Fahrradrahmen
Der Peilsender wird am Fahrradrahmen montiert. | Bild: NDR

Aber auch bei günstigeren Rädern ist es ärgerlich, wenn sie entwendet werden. Statistisch passiert das in Deutschland rund 330.000 Mal pro Jahr. Ein Start-up aus Rostock glaubt, eine wirksame Abwehrmethode gefunden zu haben, eine Kombination aus technischer und Gemeinschaftslösung. Der erste Teil ist ein kombinierter Alarm und Peilsender namens "insect". Er wird am Fahrradrahmen verschraubt, verbindet sich per Bluetooth mit dem Smartphone seines Besitzers und erkennt so, ob jemand berechtigt ist, das Rad zu bewegen. Macht sich jemand am Fahrrad zu schaffen, der nicht als berechtigt erkannt wird, ertönt ein lauter Alarm (90 Dezibel). Lässt sich der Dieb davon nicht abschrecken, wird der Alarmgeber zum Peilsender und sendet regelmäßig seinen Standort – beziehungsweise den des Fahrrads.  Und das nicht nur an den rechtmäßigen Eigentümer des Rads, sondern an jeden Nutzer der "FahrradJäger"-App im Umkreis von 150 Metern. Die App ist der zweite Baustein des Sicherheitskonzepts.

App auf einem Handy
Die App zeigt den Standort des geklauten Rads. | Bild: NDR

Schon seit Spätsommer 2016 können interessierte User ihre Fahrräder kostenlos über die App registrieren und gegebenenfalls den Diebstahl ihres Drahtesels melden. Das geht auch ohne den "insect"-Alarm. Die App erlaubt es, Beschreibungen und Fotos des Rads und den Ort des Diebstahls einzugeben. Wer zufällig auf ein gestohlen gemeldetes Rad stößt, kann den Besitzer darüber direkt kontaktieren. Bislang nutzen schon mehr als 10.000 Fahrradbesitzer das Angebot. Da "insect" ausschließlich Bluetooth als Übertragungsstandard nutzt, funktioniert die Ortung aber nur in großen Städten wirklich gut. Allerdings ist dort auch die Wahrscheinlichkeit deutlich höher, dass ein Rad gestohlen wird.

Ein Fahrradschloss aus Stoff

Fahrradschloss
schnitt-, reiß- und feuerfest: das Hightech-Textilschloss | Bild: NDR

Noch besser ist es natürlich, wenn das Fahrrad gar nicht erst entwendet wird, weil es so gut gesichert ist, dass der potenzielle Dieb frustriert aufgibt. Am wirkungsvollsten sind dabei stabile Stahlschlösser. Doch diese haben auch ein entsprechendes Gewicht. Drei Tüftlerinnen aus Leipzig haben eine flexible und leichte Alternative entwickelt – aus Stoff. Das "TexLock" ist eine Mischung aus schnitt-, feuer- und zugfesten Garnen, die im Zusammenspiel ähnlich stabil sind wie Stahlschlösser, aber nur einen Bruchteil davon wiegen und aufgrund ihrer Flexibilität auch leicht in Taschen und Rucksäcken verstaut werden können.

Gut behütet – ein unübersehbarer Fahrradhelm

Mann mit einem beleuchteten Fahrradhelm
Der Lumos-Helm zeigt auch die gewünschte Fahrtrichtung an. | Bild: NDR

Nicht nur die Sicherheit des Fahrrads ist ein wichtiges Thema, auch die der Radfahrer. Das Risiko, in einen Unfall verwickelt zu werden, steigt bei Dunkelheit drastisch. Einer der Gründe: Selbst vorschriftsmäßig beleuchtete Radfahrer sind oft nur sehr schwer zu erkennen. Studenten aus Boston entwickelten im Harvard Innovation Lab darum einen Fahrradhelm, der es anderen Verkehrsteilnehmern schwer macht, seinen Träger zu übersehen.

Der "Lumos" hat vorne und hinten insgesamt 60 LEDs, die nicht nur eine gute Sichtbarkeit von vorn und hinten gewährleisten. In Kombination mit einem am Fahrradlenker montierten Controller kann der Helm auch per Blinker die Richtung anzeigen, in die der Radler abbiegen möchte. Ein im Controller verbauter Beschleunigungsmesser registriert zusätzlich, wenn das Rad abbremst und aktiviert am Helm ein gut sichtbares Bremslicht, das den nachfolgenden Verkehr warnt. Der Helm ist bereits auf dem Markt, wird bislang aber nur über die Webpage der Erfinder direkt vertrieben.

Ein Laser in dunkler Nacht

Grünes Laserlicht in Fahrradform auf der Straße
Der Laser macht das Fahrrad auch im toten Winkel sichtbar. | Bild: NDR

Die meisten lebensgefährlichen Unfälle zwischen Rad- und Autofahrern passieren beim Abbiegen. In der Regel biegt dabei der Pkw oder Lkw rechts ab und übersieht oder ignoriert einen von hinten herannahendes Fahrrad. Eine Erfinderin aus Großbritannien hat einen potenziellen Ausweg gefunden und vertreibt ihn in ihrem Heimatland schon mit großem Erfolg: das BLAZE-Laserlight. Es handelt sich um eine Lampe, die am Fahrradlenker montiert wird. Sie projiziert mittels eines schwachen Lasers den Umriss eines Fahrrads auf den Boden, einige Meter vor dem sich bewegenden Rad selbst. Dadurch wird der Radler auch dann im Dunklen wahrgenommen, wenn das Rad sich im toten Winkel der Rückspiegel eines Autos befindet. Um zu verhindern, dass unverantwortliche Spacken die Lampe als Laserpointer missbrauchen, kann sie nur eingeschaltet werden, wenn sie fest in der Halterung am Fahrradlenker eingerastet ist. Trotzdem liegt für den deutschen Markt noch keine Zulassung vor.

Autor: Thomas Wagner (NDR)

Stand: 10.06.2017 16:08 Uhr

Sendetermin

Sa., 10.06.17 | 16:00 Uhr
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Produktion

Bayerischer Rundfunk
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