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Wie Familienplanung und Finanzen zusammenhängen

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Wie Familienplanung und Finanzen zusammenhängen | Video verfügbar bis 16.12.2022 | Bild: WDR

Warum gründen wir eine Familie? Natürlich aus Liebe, was sonst! Denn heiraten und Kinder kriegen ist eine reine Herzensentscheidung. Finanzielle Motive passen da nicht ins Bild. Doch sie können bei der Partnerwahl, Heirat und Familiengründung durchaus eine wichtige Rolle spielen. Das sagt jedenfalls die Wissenschaft.

Wenn die Wirtschaft brummt, wird auch mehr geheiratet

So untersuchten Wirtschaftsforscher aus den USA in zwei Studien die Frage, welchen Einfluss Arbeitslosigkeit auf die Bereitwilligkeit der Menschen hat, zu heiraten und eine Familie zu gründen. Für die Studie werteten sie Daten aus verschiedenen Branchen und Bundesstaaten aus. Die komplizierten statistischen Berechnungen konnten zeigen: Nimmt die Zahl der Arbeitslosen ab, geht die Anzahl der Heiraten und Geburten tatsächlich nach oben. Dieser Effekt gilt vor allem, wenn Männer für den Hauptanteil des Familieneinkommens zuständig sind. Verdienen Frauen gut oder besser als ihr Partner, geben sie ungern ihren Job auf, um Kinder zu bekommen – und die Geburtenrate sinkt. Die sogenannten Opportunitätskosten, wie es in der wissenschaftlichen Literatur heißt, sind zu hoch. Das Paar kann oder will nicht auf das Einkommen der Frau verzichten. Die Folge: Der Kinderwunsch wird aufgeschoben.

Spielt Geld eine Rolle bei der Familiengründung?

Ein altes Hochzeitsfoto in einem Familienalbum.
Eltern und Großeltern entschieden früher bei der Partnerwahl mit. | Bild: WDR

Kinder kosten eben Geld: Laut Statistischem Bundesamt geben Eltern für ihr Kind bis zu Volljährigkeit rund 126.000 Euro aus. Es ist also durchaus vernünftig, sich gut zu überlegen, wann die materielle Ausgangslage sicher genug für die Familiengründung ist. Früher waren solche Erwägungen bereits bei der Heirat Gang und Gebe: Eltern und Großeltern redeten entschieden bei der Partnerwahl mit. Das Vermögen des zukünftigen Ehepartners hatte bei der Auswahl großen Einfluss. So waren noch in den 1950er-Jahren arrangierte Ehen, vor allem auf dem Land, keine Seltenheit: Die Bauern lebten in Großfamilien. Die Familie war nicht nur für die Erziehung der Kinder zuständig, sie war eine mehr oder weniger autarke Wirtschaftseinheit, für die alle Mitglieder von klein auf arbeiten mussten und von deren Früchten alle profitierten. Wen der Jungbauer heiratete, war deshalb entscheidend für das Funktionieren des Ganzen. Deshalb standen bei der Ehe meist soziale und ökonomische Motive im Vordergrund.

Bei unsicherer Zukunft im Job sinkt die Geburtenrate

Dreiköpfige Familie am Küchentisch
Familienglück hängt auch vom Geldbeutel ab. | Bild: WDR

Geld bedeutet mehr materielle Sicherheit in der Zukunft. Und das ist auch heute noch ein entscheidender Faktor – auch wenn es im Vergleich zu früher vielleicht nicht immer gleich um existenzielle Dinge wie zum Beispiel genug Essen geht. So zeigt eine Studie des ifo Instituts aus München, dass viele junge Frauen auf Kinder verzichten, solange ihr Job nicht ausreichend Sicherheit und Perspektive bietet. Frauen, die mit einem befristeten Arbeitsvertrag ins Berufsleben starten, bekommen laut der Studie später und damit weniger Kinder. Zehn Jahre nach ihrem ersten Job haben sie im Vergleich zu Frauen mit fester Arbeitsstelle 0,3 Kinder weniger. Die unsichere Zukunft im Beruf hindert sie offenbar daran, eine eigene Familie zu gründen.

Mehr Kinder durch Elterngeld und mehr Kitaplätze?

Kleinkind mit Spielzeug
Führt mehr Geld in den Taschen junger Familien automatisch zu mehr Geburten? | Bild: WDR

Heißt das, mehr Geld in den Taschen junger Paare führt automatisch zu einem Anstieg der Geburten? Tatsächlich konnten Wissenschaftler einen positiven Effekt des 2007 eingeführten Elterngeldes feststellen: Vor allem gutverdienende Frauen bekommen seither häufiger ein Kind. Vielleicht noch wirksamer ist aber der Ausbau der Kleinkindbetreuung seit Mitte der 1990er-Jahre: Krippenplätze ermöglichen es vielen Frauen, früher in ihren Beruf zurückzukehren. Ein fester Job sorgt für materielle Sicherheit und mehr Kinder. Das jedenfalls lässt das Ergebnis dieser familienfreundlicheren Politik vermuten: Seit 2009 steigt die Geburtenrate wieder von 1,36 auf durchschnittlich 1,5 Kinder pro Frau. Auch wenn Deutschland immer noch eine der niedrigsten Geburtenraten weltweit hat, steigt die Zahl der Familiengründungen wieder an. Eine gute Nachricht für uns alle.

Autor: Max Lebsanft (WDR)

Stand: 31.07.2019 17:37 Uhr

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Bayerischer Rundfunk
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