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Die Farbe der Dinosaurier

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Die Farbe der Dinosaurier | Video verfügbar bis 18.08.2023 | Bild: BR

Wir wissen viel über Dinosaurier: Wie groß sie waren, was sie aßen, ja sogar wie schnell sie laufen konnten. Die Farbe und Musterung der Tiere jedoch wird für immer ein Rätsel bleiben– dachten die Paläontologen weltweit. Schließlich gibt es ja nur Fossilien als Referenz.

Das meist grün-graue (Echsen-)Bild, das wir von ihnen haben, wurde bestimmt durch die Phantasie von Künstlern und Filmemachern. Jetzt haben deutsche, chinesische und englische Forscher neue Wege gefunden, um die Dinos in ihrer tatsächlichen Farbpracht wiederauferstehen zu lassen.

Farben sind Signale

Rotaugenfrosch
Farben im Tierreich: Tarnen, täuschen und beeindrucken | Bild: Picture Alliance

Farben sind ein wichtiger Schlüssel für die Rekonstruktion der Lebensweise und des Lebensraumes der Tiere: Farben und Farbmuster dienen der Tarnung, der Beutejagd, der Abschreckung oder auch der Balz. Heute – wie vor über 100 Millionen Jahren. Wissenschaftler sind sich sicher, dass Dinosaurier farbig sehen konnten – ähnlich wie die Vögel, mit denen sie eng verwandt sind.

Farbzellen aus der Urzeit

Pigmentzellen bei Vögeln
Die Form der Melanosomen bestimmt die Farbe. | Bild: BR

Der Paläontologe Jakob Vinther von der Universität Bristol war der erste, der auf die Idee kam, dass auch Jahrmillionen alte Fossilien noch Farbzellen enthalten könn(t)en. Er untersuchte als Student einen versteinerten Tintenfisch – und fand tatsächlich 200 Millionen Jahre alte Tinte. Genauer gesagt: winzige, ein Tausendstel Millimeter große Reste von Pigmentzellen, die für die Schwarzfärbung verantwortlich sind. Was für ein Tintenfischfossil gilt, muss auch für andere Fossilien gelten, folgerte der Wissenschaftler – und begann, gut erhaltene Dinosaurierfossilien zu untersuchen.

Tatsächlich fand er auch hier Pigmentzellen, sogenannte Melanosomen, die für die Färbung von Haut und Federn mit verantwortlich sind. Er verglich die gefundenen Pigmentzellen mit denen der Vögel. Als enge Verwandte haben sie ähnliche Melanosomen wie die Dinosaurier: längliche, dünne Melanosomen, die für die Schwarz- oder Braunfärbung verantwortlich sind. Oder runde, kurze, die zum Beispiel für rötliche Farbtöne sorgen.

Dinosaurier
Die Dinosaurier-Welt war bunt!  | Bild: BR

Eine sensationelle Entdeckung, die genaue Farb-Rekonstruktionen möglich macht: von Dinosauriern wie Sinosauropteryx, Anchiornis, Microraptor oder Psittacosaurus, die  seit über 100 Millionen Jahren ausgestorben sind. Von diesen Tieren gibt es außergewöhnlich gut erhaltene Fossilien – mit  versteinerten Haut- oder Federresten.

Die Rückkehr des Psittacosaurus

Psittacosaurus
Rekonstruktion des Psittacosaurus | Bild: BR

Im Frankfurter Senckenberg Museum befindet sich das besterhaltene Saurierfossil der Welt: Es ist ein Psittacosaurus, eine hundegroße Papageienechse, die vor 130 Millionen Jahren im heutigen China gelebt hat. Eine deutsch-englische Forschergruppe um Gerald Mayr und Jakob Vinther konnte das Aussehen des kleinen Pflanzenfressers bis in kleinste Details rekonstruieren und ein lebensgroßes Modell anfertigen. Die gefundene Farbstruktur – dunkler Rücken, heller Bauch – entspricht der sogenannten Konterschattierung, die bei vielen Tierarten anzutreffen ist. Die lichtbeschienen Körperteile sind dunkler als diejenigen, die die meist im Schatten sind. Dadurch gleichen sich Ober- und Unterseite an, das Tier ist von Fressfeinden weniger gut zu erkennen. Eine gute Tarnung. Die Farbverteilung lässt darauf schließen, dass die Papageienechse höchstwahrscheinlich im Urwald lebte und aufrecht nach Nahrung suchte.

Die Enträtselung der Farben erweitert das Wissen über das Leben auf der Erde vor über 100 Millionen Jahren. Wie ein T-Rex ausgesehen hat, wissen wir noch nicht. In China wurde aber jetzt ein gut erhaltener Verwandter mit Federn gefunden. Hübsch, aber sicher nicht weniger gefährlich.

Autor: Andreas Kegel (BR)

Kontakt:
Dr. Gerald Mayr
Senckenberg Forschungsinstitut und Naturkundemuseum Frankfurt
Senckenberganlage 25; 60325 Frankfurt
Tel. (069) 754 20
Mail: info@senckenberg.de
www.senckenberg.de

Dr. Jakob Vinther
University of Bristol
Office Life Sciences: 117
Wills Memorial Building, Queens Road, Clifton
Tel. (0044) 11 73 94 12 04
Mail: jakob.vinther@bristol.ac.uk
palaeo.gly.bris.ac.uk/research.html

Stand: 27.08.2019 09:20 Uhr