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Bei Krankheit: Essen oder Fasten?

PlayEssen oder Fasten – das ist die Frage
Essen oder Fasten – das ist die Frage | Video verfügbar bis 07.01.2022 | Bild: ARD

Dass Ernährung einen Krankheitsverlauf beeinflussen kann, ist altbekannt.  Das zeigen auch alte Sprichwörter wie: "einen Schnupfen füttern, ein Fieber aushungern." Doch warum haben Kranke manchmal überhaupt keinen Appetit – und manchmal sogar richtigen Heißhunger? Müssen wir wirklich essen, um schnell wieder gesund zu werden? Forscher der Universität Yale haben hierzu interessante Erkenntnisse gewonnen.

Virus oder Bakterium – zwei sehr unterschiedliche Krankheitserreger

Viren und Bakterien graphisch dargestellt
Viren sind hundertmal kleiner als Bakterien. | Bild: BR

Sowohl Viren als auch Bakterien können krank machen, doch sie sind sehr unterschiedlich:  Viren sind hundertmal kleiner als Bakterien. Sie dringen in eine Wirtszelle ein und sind von ihr abhängig. Bakterien dagegen haben eine eigene Zelle und einen eigenen Stoffwechsel. Bakterien kann man mit Antibiotika bekämpfen. Die wirken bei Viren überhaupt nicht. Bei einer durch Viren ausgelösten Erkältung muss man sich also auf die körpereigene Abwehrreaktion verlassen.  Wie unterstützen wir dabei den Körper – mit Essen oder eher mit Fasten?

Das Virus füttern

Eine Frau beißt in ein Stück Schokolade
Viren sollte man mit Ruhe, aber durchaus auch mit Essen bekämpfen. | Bild: BR

Die Forscher der Uni Yale infizierten eine Gruppe Mäuse mit Viren, eine andere Gruppe mit Bakterien. Beide infizierten Mäuse-Gruppen wurden von den Forschern gut gefüttert. Dabei überlebten überwiegend die Nager, die mit Viren infiziert waren. Hier wirkte die Nahrung heilend – und bei den Mäusen mit bakterieller Infektion eher wie ein Gift.

Warum ist das so?  Viren werden von der Zelle erkannt, wenn sie in sie eingedrungen sind. Die Zelle schaltet bestimmte Signalwege an, sie produziert zur Abwehr sogenannte Interferone, körpereigene Hormone. Diese Interferone können die Zellen aber auch schädigen. Dieser Zellschaden ist deutlich weniger stark, wenn der Zelle ausreichend Glukose zur Verfügung steht, dann kann sie besser arbeiten. Also:  Bei einer viralen Infektion ist es hilfreich, wenn der Kranke Nahrung zu sich nimmt.

Das Bakterium aushungern

Eine Frau mit Bakterien (Grafiken) um den Kopf
Bei einer bakteriellen Infektion sollte man besser fasten. | Bild: BR

Die Forscher wiederholten den Versuch: Mäuse wurden wieder mit Bakterien und Viren infiziert. Dieses Mal wurde aber ihr Zuckerstoffwechsel gestört, das heißt sie konnten Zucker nicht mehr verdauen. Und dieses Mal war es genau anders herum: Es überlebten die Mäuse, die mit Bakterien infiziert waren, die zweite Mäusegruppe starb.

Bei einer bakteriellen Infektion gibt es zwei Faktoren, die eine Rolle spielen: Erstens brauchen die Bakterien selbst Zucker um zu wachsen. Wenn ihnen dieser Zucker fehlt, wachsen sie schlechter oder sterben. Zweitens schaltet der Stoffwechsel während des Fastens auf Verbrennung der zelleigenen Vorräte um. Das nennt man einen katabolen Stoffwechsel. Und dieser katabole Stoffwechsel schützt bei einer bakteriellen Infektion, zum Beispiel vor einem Gehirnschaden.

Kranke nicht zum Essen zwingen

Eine Frau isst eine Suppe
Appetit im Krankheitsfall ist gut – aber Kranke nicht zum Essen zwingen. | Bild: BR

Die meisten Kranken haben ein sehr gutes Gefühl dafür, ob sie Lust haben, etwas zu essen oder nicht. Wenn jemand absolut keinen Appetit hat, sollte man ihn erst einmal nicht zum Essen zwingen.  Aber als Anhaltspunkt gilt: das Virus füttern, das Bakterium aushungern. Auch auf der Intensivstation im Krankenhaus könnten die Erkenntnisse der Forscher von der Universität Yale helfen, denn dort muss bei schwer Erkrankten entschieden werden, ob sie per Infusion ernährt werden soll oder nicht.  Studien stehen hierzu noch aus.  

Autorin: Nicoletta Renz (BR)

Stand: 05.01.2017 20:46 Uhr

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