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Fettabscheider: wertvolle Rohstoffe nutzen

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Fettabscheider: wertvolle Rohstoffe nutzen | Video verfügbar bis 14.05.2020 | Bild: SWR

Altes Fett, gebrauchtes Frittenöl und Essensreste - eigentlich wollen wir davon am liebsten nichts wissen. Eine Küche soll gut kochen und möglichst auch noch hygienisch sein, was mit dem Rest passiert - nach uns die Abfalltonne und unter uns die Kanalisation. Doch tatsächlich sind auch Küchenabfälle wertvolle Rohstoffe, die einen ganzen Industriezweig ernähren.

Der Fettabscheider - zwischen Küche und Kanalisation

Fettabscheider
Das Prinzip eines Fettabscheiders: Organisches Material sinkt zu Boden, Fett schwimmt oben - durch die Mitte fließt das gereinigte Abwasser. | Bild: Quelle: Wikimedia Commons, Autor: TECE Basika, Lizenz: CC BY-SA 3.0 unported / Quelle: Wikimedia Commons, Autor: TECE Basika, Lizenz: CC BY-SA 3.0 unported

Dass Küchenabfälle nicht einfach so in die Kanalisation geschüttet werden dürfen, hat zunächst einmal keinen ökonomischen, sondern einen sehr praktischen Grund: Fett setzt sich ab und wird mit der Zeit steinhart – die Kanäle würde ziemlich schnell verstopfen. Nur mit großem Aufwand lassen sich solche verfetteten Anlagen wieder freifräsen. Seit 2008 sind deshalb alle Gastronomie-Betriebe verpflichtet, einen sogenannten Fettabscheider zu installieren. Eine solche Anlage trennt die im Abwasser enthaltenen Essensreste sowie das Fett vom übrigen Wasser und sammelt diese, so dass nur (grob) gereinigtes Abwasser in die öffentliche Kanalisation fließt. Die gesammelten Fettabscheider-Inhalte werden extern entsorgt.

Stinkende Pampe mit Inhalt

Abfall mit Fett
Fettabscheider-Inhalt: Stinkende Pampe und das Fett schwimmt oben. | Bild: NDR

Entsorgungsbetriebe sind dafür verantwortlich, diese Stoffe fachgerecht zu entsorgen. In Hamburg landen sie zum Beispiel in der Kläranlage Köhlbrandhöft. Dort werden sie gemeinsam mit den dort ohnehin anfallenden Klärschlämmen vergärt und produzieren so Biogas. Das nutzt der Betrieb dann zur Strom- und Wärmeerzeugung

Faultürme
20 Tage lang gären die Fettabscheider-Inhalte in diesen eiförmigen Faultürmen. | Bild: NDR

"Wir reduzieren die Kosten bei uns, indem wir Energie aus diesen Wertstoffen machen“, sagt Arnold Schäfer vom Kläranlagen-Betreiber Hamburg Wasser, "für andere kostet das natürlich was, wenn sie hier ihre Fettabscheider-Inhalte abgeben." Verständlich, schließlich besteht die stinkende Pampe aus der Gastronomie zu 90 Prozent aus Wasser. Nur ein geringer Anteil ist tatsächlich energiehaltiges Fett.

Fett mit Wert: Altspeiseöl

Mann schaut in Tonnen mit Alspeiseöl.
Das wertvolle Altspeiseöl wird in einer Kühlkammer separat gesammelt. | Bild: NDR

Anders sieht es bei gebrauchten Frittenöl aus. Das ist tatsächlich etwas wert. Deshalb sammeln Restaurants und Kantinen es auch separat. Einige Entsorgungsbetriebe zahlen ihren Kunden sogar etwas dafür, dass sie die großen Tonnen mit dem flüssigen Fett mitnehmen dürfen.

Ihrerseits verkaufen diese ihren gesammelten Rohstoff dann auch weiter. Für das ungereinigte Öl gibt es zurzeit um die 20 Cent. Gereinigt wird das Altspeiseöl unter der englischen Bezeichnung UCO sogar international gehandelt. In Raffinerien wie der Petrotec-Anlage in Emden wird aus dem Rohstoff dann Biodiesel hergestellt.

Altspeiseöl ist erstaunlicherweise deutlich teurer und viel preisstabiler als Rohöl. Aktuell kostet das standarisierte Produkt (Wassergehalt und Anteil gesättigter Fettsäuren dürfen bestimmte Grenzwerte nicht übersteigen) 73 Cent pro Liter - doppelt so viel wie das schwarze Gold.

Potenzial noch nicht erreicht

Grafik Literpreis Altspeiseöl/Rohöl (Brent)
Der Vergleich zeigt: Altspeiseöl ist teurer und preisstabiler als Rohlöl (Brent). | Bild: NDR

In Deutschland werden aktuell gut 200.000 Tonnen Altspeieseöl im Jahr gesammelt, daraus entstehen 180.000 Tonnen Biodiesel. Aufgrund der Dekarbonierungsstrategie der EU (siehe Kasten) ist der Bedarf allerdings erheblich höher, so dass auch Küchenöl-Biodiesel aus dem Ausland eingekauft werden muss. Von den jährlich in Deutschland verkauften knapp drei Millionen Tonnen stammen immerhin zwischen zehn und 15 Prozent aus recycelten Speiseöl. Landwirtschaftlich hergestellter Biodiesel, zum Beispiel aus Raps, ist zwar eine Alternative, die C02-Bilanz abfallbasierter Kraftstoffe ist allerdings noch einmal deutlich besser.

Altspeiseöl in einem Laster
Altspeiseöl wird als Used Cooking Oil international gehandelt.  | Bild: NDR

Petrotec-Sprecher Michael Fiedler-Panajotopoulos weist drauf hin, dass man die Menge des gesammelten Altspeiseöls um 20 bis 30 Prozent erhöht könnte, wenn private Haushalte auch recyceln würden, „man müsse nur die Bevölkerung davon überzeugen, dass es ökologisch sinnvoll ist.“ Das Pilotprojekt der Europäischen Union „RecOil“ soll genau darauf hinwirken. Interessieren Bürgern und Institutionen gibt ein Online-Guide auf der Internetseite des Projekts Hinweise darauf, wie die Wertstoffkette für Altspeiseöl verbessert werden kann. In Deutschland ist das Programm allerdings nicht aktiv. Bislang existieren in einigen Kommunen zwar öffentliche Sammelstellen, in den meisten Landesteilen fließt der ölige Wertstoff aber weiterhin geschmeidig in den Abfluss.

Zusatzinfos

UCO:
Englische Bezeichnung/Handelsname für Altspeiseöl (Used Cooking Oil)

Dekarbonisierung: Umstellung der Wirtschaftsweise, speziell der Energiewirtschaft, in Richtung eines niedrigeren Umsatzes von Kohlenstoff. Ziel ist es, im Sinne des Klimaschutzes, den Anstieg des Kohlendioxid-Gehalts der Atmosphäre zu verringern.

Dekarboniserungsstrategie:Mit dem 12. Gesetz zur Änderung des Bundesimmissionsschutzgesetzes (BImschG) wird eine Vorgabe der Europäischen Union in Deutschland umgesetzt. Ab 2015 müssen pro Jahr 3,5 Prozent der durch den Kraftstoffverbrauch emittierten Treibhausgase eingespart werden, die jährliche Einsparungsquote steigt bis zum Jahr 2020 auf sechs Prozent an.

Autor: Autor: Daniel Schmidthäussler (NDR)

Stand: 16.05.2015 15:35 Uhr