SENDETERMIN Sa, 24.11.18 | 16:00 Uhr | Das Erste

Friedhöfe unter Anpassungsdruck

PlaySebastian Trüb
Friedhöfe unter Anpassungsdruck | Video verfügbar bis 24.11.2023 | Bild: SWR

Immer mehr Deutsche wollen heutzutage eingeäschert werden. Waren es vor 25 Jahren noch 30 Prozent, wählen heute fast 70 Prozent die Feuerbestattung. Das hat auch Folgen für die deutschen Friedhöfe – denn ein Urnengrab braucht nur etwa ein Zehntel des Platzes eines klassisches Erdgrabs. Auf den Friedhöfen entstehen deshalb Freiflächen: Allein auf den 13 Mainzer Friedhöfen sind in den vergangenen Jahren Flächen frei geworden, die fast so groß sind wie zehn Fußballfelder. 

Friedhöfe bekommen auch finanzielle Probleme

Sebastian Trüb verwaltet die Mainzer Friedhöfe. Für ihn sind die großen Freiflächen auch ein finanzielles Problem. Denn Urnengräber sind deutlich günstiger als klassische Erdgräber. Zudem entstehen die Freiflächen meist nicht am Stück, sondern nach und nach und führen so zu einem Flickenteppich auf dem Rasen, der dann aufwendig gemäht werden muss. Für Sebastian Trüb ist klar: Es muss umgedacht werden: "Wenn ich Grabarten anbiete und Grabfelder baue, die keinem gefallen, die keiner haben will, dann wird es morgen keinen Friedhof mehr geben." Das will er verhindern.

Friedhöfe bieten große Auswahl neuer Grabarten

Baubeginn für eine neue Grabanlage
Baubeginn einer neuen Grabanlage mit pflegefreien Gräbern. | Bild: SWR

Um seine Friedhöfe fit für die Zukunft zu machen, will Sebastian Trüb Gräber anbieten, was die Bevölkerung auch will. Dafür lässt er auf den Mainzer Friedhöfen Anlagen mit neuen, pflegefreien Gräbern bauen. Denn die Hälfte der Deutschen will heutzutage pflegefrei beerdigt werden – in Mainz sind es sogar fast 70 Prozent. Ob Kolumbarium, Urnengemeinschaftsgrab oder Baumgrab: In Mainz können die Bürger heutzutage zwischen 16 verschiedenen Grabarten wählen – vor 20 Jahren waren es gerade mal sechs. Diese Vielfalt kommt an: "So wie wir den Bau einer neuen Anlage kommuniziert haben, rennen die Leute uns schon die Bude ein und fragen, wann sie das erste Grab erwerben können", erzählt Sebastian Trüb.

Stichwort Kolumbarium:
Auch Urnenwand genannt. Die Urne mit der Asche des Toten wird in einem Gewölbe aufbewahrt. Das Kolumbarium ist meist an einem Krematorium, einer Kirche oder einem Friedhof gelegen.

Kinder sollen keine Arbeit mit Friedhofspflege haben

Uschi und Roy Uwe Trier
Uschi und Roy Uwe Trier haben sich für ein Baumgrab entschieden. | Bild: SWR

Auch Uschi und Roy Uwe Trier haben immer wieder bei Sebastian Trüb nachgefragt, wann es bei ihnen in Mainz-Bretzenheim endlich auch neue, pflegefreie Gräbern gäbe. Als es dann endlich soweit war, haben die beiden sofort zugeschlagen. Ein Baumgrab sollte es sein – ganz pflegefrei, damit ihr Sohn sich später mal um nichts kümmern muss, erzählt Roy Uwe Trier. Nicht so wie bei ihm damals: "Da hieß es als Kind: jeden zweiten Tag ab auf den Friedhof und gießen. Und als Steppke, mit zehn oder zwölf, da geht man lieber Fußballspielen als sowas." Der Sohn könne ja trotzdem kommen, ergänzt Uschi Trier. "Aber ich finde es halt nicht in Ordnung, wenn man sagt, man muss auf den Friedhof. Wenn dann freiwillig. Und ohne Arbeit."

Autorin: Helena Offenborn (SWR)

Stand: 28.11.2018 20:09 Uhr

Sendetermin

Sa, 24.11.18 | 16:00 Uhr
Das Erste

Produktion

Bayerischer Rundfunk
für
DasErste