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So reich sind die Deutschen

PlayMenschenmenge auf einem Grundriss von Deutschland
So reich sind die Deutschen | Video verfügbar bis 22.04.2022 | Bild: SWR

Wie reich sind die Deutschen? Schwer zu sagen, denn arm sind sie auf den ersten Blick nun wirklich nicht. Das gilt aber eben nur für den Durchschnitt. Und weil die Frage nach Armut und Reichtum keine Frage nach Durchschnitt ist, gibt es verschiedene statistische Größen, die genau das sichtbar und damit bewertbar machen sollen. Grundlage dafür ist die Anzahl aller in Deutschland lebenden Menschen beziehungsweise die Anzahl der Haushalte. Das kann eine Familie mit mehreren Personen sein, aber auch Paare oder ein Single. Zu den Haushalten gehören junge Menschen ebenso wie alte. In Deutschland gibt es derzeit rund 40,7 Millionen solcher Privathaushalte. Und die besitzen insgesamt ein Vermögen von rund 12,8 Billionen Euro.

Anlegen ja, aber wie und was?

Familie vor einem Haus
Wenn es ums Geld geht, mögen es die Deutschen gern handfest. | Bild: SWR

Unabhängig davon, ob jemand viel Geld hat oder nicht so viel: Wenn der Durschnitts-Deutsche Geld übrig hat, um es zu investieren, ist er in seinem Anlageverhalten eher konservativ. Spekulationen liegen ihm nicht unbedingt. Nur etwa zehn Prozent ihres Vermögens investieren die Deutschen in Aktien. Sachvermögen ist ihnen lieber als Finanzvermögen. Am liebsten legen sie ihr Geld in die eigene Immobilie an. Immerhin 44 Prozent aller privaten Haushalte besitzen eine und leben auch in dieser. Dazu zählt eine Eigentumswohnung ebenso wie ein Haus. Im Europäischen Vergleich aber sind es in Deutschland relativ wenige, die die eigenen vier Wände ihr Eigen nennen. Denn in Italien sind es 68 Prozent und in Spanien sogar 83 Prozent. Wer besonders viel Geld zur Verfügung hat, legt es also gerne in etwas Handfestem an. Dazu gehören Büro- und Wohngebäude, aber auch geistiges Eigentum wie zum Beispiel Patente, Software und Datenbanken. Oder: Nutztiere, Nutzpflanzungen, Grund und Boden.

Schulden haben nicht nur die Armen

Menschenmenge umrahmt von Schuldenstapeln
Schuldnerland Deutschland: Fast die Hälfte hat einen Kredit. | Bild: SWR

In der Statistik geht es aber nicht nur ums Geldhaben, sondern auch ums Nichthaben: Immerhin 45 Prozent aller Haushalte in Deutschland haben Schulden. Das zieht sich durch nahezu alle Einkommensschichten. Zu diesen Schulden zählen beispielsweise Hypothekenkredite, BaföG, Konsumentenkredite oder Kreditkartenschulden. Ein Teil davon ist gewollt und die Rückzahlung folgt einem gezielten Plan.

"Das Geld, das man besitzt, ist das Mittel zur Freiheit, dasjenige, dem man nachjagt, das Mittel zur Knechtschaft.“
Jean-Jacques Rousseau

Bei 9 Prozent der Haushalte aber haben sich die Schulden angehäuft und sie können sie nicht mehr zurückzahlen. Bei ihnen sind die Schulden höher als das Vermögen. Ein Grund dafür sei gemäß dem Armutsbericht der Bundesregierung immer häufiger die Einkommensarmut. Mit einem Mindestlohn von 8,84 Euro pro Stunde können viele oft mit einem einzigen Job kaum noch ihren Lebensunterhalt bestreiten, von Luxus wie neue Möbel oder Urlaub ganz zu schweigen. Ein Kredit scheint ihnen zunächst ein Ausweg, rächt sich aber, wenn er nicht zurückgezahlt werden kann.

Gini-Index: Das Ungleichgewicht zwischen Arm und Reich

Zwei Familien mit Größenunterschied
Ungleich verteilt: Der Gini-Koeffizient ist in Deutschland relativ hoch. | Bild: SWR

Jeder deutsche Privathaushalt hat in Deutschland ein Vermögen von durchschnittlich 214.300 Euro. Klingt gut, ist aber reine Statistik. Denn die vermögendsten 10 Prozent der Deutschen besitzen fast 60 Prozent des gesamten Vermögens. Besonders drastisch: 74 Prozent der Haushalte haben sogar ein geringeres Vermögen als der Durchschnitt. Um generell das Ungleichgewicht innerhalb einer Verteilung, zum Beispiel der Verteilung von Vermögen oder Einkommen, statistisch zu beschreiben, gibt es einen speziellen Index. Den Gini-Koeffizienten. In Deutschland liegt er mit 77,5 Prozent relativ hoch. Wenigstens sind wir damit noch nicht trauriger Spitzenreiter in punkto Ungleichheit. In Europa wird Deutschland tatsächlich noch übertroffen von der Schweiz und Schweden. Weltweit aber ist der Unterschied zwischen dem, was die Reichen besitzen, und dem, was die Armen haben, am gravierendsten in den USA mit 85 Prozent und in Russland mit 91,2 Prozent. Nirgendwo sonst, besitzen so wenige Menschen so viel.

Autorin: Iris Rietdorf (SWR)

Stand: 14.07.2019 11:37 Uhr