SENDETERMIN Sa, 31.10.15 | 16:00 Uhr | Das Erste

Schwarz, Rot, Blond – Biologie der Haarfarbe

PlayWoher Haarfarben kommen
Schwarz, Rot, Blond - Biologie der Haarfarbe | Video verfügbar bis 29.10.2020 | Bild: SWR

Eine solche Vielfalt an Haarfarben wie bei uns in Europa gibt es nicht überall auf der Welt. Mehr als 98 Prozent der Weltbevölkerung hat dunkle bis schwarze Haare. Mit blondem Haar kann – weltweit gesehen – dagegen nur etwas mehr als ein Prozent aufwarten. Noch seltener sind nur Rothaarige: Ihr Anteil an der Weltbevölkerung liegt sogar noch unter einem Prozent.

Melanin-Varianten mischen rotblond bis dunkelbraun

Grafik: zwei PET-Flaschen, gefüllt mit Eu- und Phäomelanin
Der Farbstoff Phäomelanin färbt die Haare rot. | Bild: WDR

Dass Haare überhaupt eine Farbe haben, liegt an einem speziellen körpereigenen Farbstoff, dem Melanin. Dieses Pigment stellt der Köper in zwei unterschiedlichen Varianten her. Es gibt das sogenannte Eumelanin, das für schwarz-braune Pigmentierung sorgt und Phäomelanin, das für die blond-rote Färbung sorgt. Dunkelhaarige produzieren in ihren Haarfollikeln viel Eumelanin, aber nur wenig Phäomelanin. Bei Rothaarigen überwiegt dagegen das Phäomelanin. Und Blonde produzieren von beiden Farbpigmenten nur wenig. Blond erscheint das Haar also, wenn es insgesamt wenig Farbpigmente enthält. Unterschiedliche Farb-Schattierungen, also von rotblond bis dunkelbraun, hängen vom Mischverhältnis dieser Pigmentpalette ab. Und weiße Haare entstehen schließlich, wenn mit zunehmendem Alter die Produktion von Melanin nachlässt.

Gendefekt macht rote Haare

Porträt mit rothaarigem Hund
Die Veränderung des Gens MC1R führt zu roten Haaren. | Bild: WDR

Wie die Farbpalette beim einzelnen angerührt ist, ist genetisch festgelegt. Eine ganze Reihe von Genen mischen bei der Farbgebung der Haare mit. Längst nicht alle sind bekannt. Eines der wichtigsten ist dabei das Gen MC1R. Es enthält den Bauplan für ein Protein, das normalerweise dafür sorgt, dass deutlich mehr dunkler Farbstoff produziert wird als gelb-roter, die Haare also dunkel werden. Ist dieses Gen aber beschädigt, kehrt sich das Verhältnis um: Dann überwiegt die Produktion von gelb-roten Pigmenten. Die Folge sind rote Haare. Dass es so wenige Rothaarige gibt, liegt daran, dass dieser Gen-Defekt normalerweise rezessiv vererbt wird: In der Regel muss es also von beiden Eltern weitergeben werden, damit ein Kind kräftige rote Haare bekommt.

Rothaarige Neandertaler?

Animation: Urmenschen-Hunde, einer mit roten Haaren.
Auch unter Neandertalern gab es bereits Rotschöpfe. | Bild: WDR

Nach allem, was man bisher weiß, hatten unsere Vorfahren dunkle Haut und Haare. Die ersten Rothaar-Varianten entstanden wahrscheinlich vor 20 bis 40.000 Jahren, die allermeisten davon in Europa. Die genauen Ursachen dieser Mutation kennt man nicht, aber naheliegend ist, dass mit der Besiedelung von nördlicheren Gefilden blasse Haut – und mit ihr verbunden die roten Haare – in einer Umwelt mit wenig Sonnenlicht praktischer waren. Dunkle Haut schützt zwar in Äquatornähe vor Sonnenstrahlung, erschwert aber die Produktion von lebenswichtigem Vitamin D. Übrigens gab es, wie Forscher am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig herausgefunden haben, bereits bei den Neandertalern Rothaarige – allerdings aufgrund einer anderen genetischen Veränderung als der, die bei uns, dem Homo sapiens sapiens, zu roten Haaren führt.

Blondinen - eine aussterbende Spezies?

Animation: Blondinen-Hunde
Blondinen mögen zwar bevorzugt sein, aber sie werden seltener.  | Bild: WDR

Nicht nur Rothaarige verdanken ihre Haarfarbe einem genetischen Defekt, sondern auch die Blonden. Wie Forscher der Stanford Universität kürzlich nachgewiesen haben, ist es eine winzige Änderung der Aktivität des Gens KITLG, die aus einer Brünetten eine Blondine macht. Dieser genetische Schalter sorgt dafür, dass in den Haarfollikeln von Blondschöpfen ein Fünftel weniger Melanin produziert wird. Weil auch die Gen-Variante für blonde Haare rezessiv vererbt wird, wird die Zahl der Blonden im Lauf der Zeit immer weiter zurückgehen. Bis Blondinen tatsächlich irgendwann aussterben, wird es allerdings noch Jahrhunderte dauern.

Autor: Jakob Kneser (WDR)

Stand: 31.10.2015 12:12 Uhr