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Oben ohne - Auf der Suche nach dem Glatzen-Gen

PlayReporter
Oben ohne - Auf der Suche nach dem Glatzen-Gen | Video verfügbar bis 29.10.2020 | Bild: SWR

Die Glatze erbt man vom Vater – oder eben nicht. So der Volksglaube. Bewegt sich der Haaransatz mit Mitte 30 langsam in Richtung Hinterkopf, obwohl der eigene Vater noch immer dichtes Haar hat, dann stammt das Glatzen-Gen eben aus der Generation davor – also vom Großvater. Laut Volksglauben sind es jedenfalls die Männer der väterlichen Linie, die man sich anschauen sollte, um die Chancen auf eine eigene Glatze zu überblicken. Tatsächlich aber liegt die häufigste Ursache für den verfrühten Haarausfall auf einem Chromosom, das nur von der Mutter kommen kann!

Ob Glatze oder nicht – entscheidend ist die Mutter

Ein Mann zeigt einem anderen seine Glatz.
Warum die Haare vor allem an Stirn und Hinterkopf fallen, ist unklar.  | Bild: WDR

Der männliche Chromosomensatz besteht aus einem X- und einem Y-Chromosom. Frauen dagegen haben an dieser Stelle zwei X-Chromosomen. Frauen können also auch nur X-Chromosomen an die eigenen Kinder vererben. Erst das männliche Chromosom bestimmt also das Geschlecht des Kindes, indem es entweder ein X-Chromosom oder ein Y–Chromosom dazu gibt.

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die häufigste Ursache für die männliche Glatze ein Gendefekt ist. Die Haarwurzeln reagieren dabei überempfindlich auf einen Bestandteil des männlichen Hormons Testosteron, und die Haare fallen langsam aus. Dieser Gendefekt liegt aber nicht auf dem männlichen Y-Chromosom, sondern auf dem weiblichen X-Chromosom. Ob Glatze oder nicht, entscheiden demnach die Gene, die die Mutter weitergibt.

Der Blick auf den Kopf  des Großvaters verrät es

Kopfhaare werden mit Bartschneider abrasiert.
Glatzen - hausgemacht. | Bild: WDR

Um zu erfahren, ob dieser Gendefekt in der Familie liegt, ist das Kopfhaar der Mutter allerdings wenig hilfreich. Sie produziert zwar auch Testosteron, aber nicht in ausreichender Menge, um Haarausfall zu entwickeln, falls sie den Gendefekt in sich trägt. Oder aber sie gleicht den Defekt durch ihr zweites (gesundes) X-Chromosom wieder aus. Stammt das Glatzengen aber vom X-Chromosom des Großvaters mütterlicherseits, kann dieser einen guten Hinweis liefern. Ist der Großvater mütterlicherseits nämlich Glatzenträger, bestehen große Chancen auf eine eigene Glatze.

Mittlerweile haben Forscher auch weitere, seltenere Glatzen-Gene entdeckt, die vom Vater direkt übertragen werden. Der Großvater mütterlicherseits ist dagegen ein sichtbarer Hinweis für einen Gendefekt, der vom X-Chromosom des Großvaters auf die eigene Mutter vererbt wurde.     

Autoren: Katharina Adick/ Peter Krachten/ Burkhardt Weiss (WDR)

Stand: 31.10.2015 12:10 Uhr

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