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Das geheime Leben der Katzen

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Das geheime Leben der Katzen | Video verfügbar bis 18.03.2021 | Bild: SWR

Schon früh domestizierten Menschen die ersten Haustiere: Hunde halfen bei der Jagd, Stiere trugen Lasten. Aber welchen Zweck erfüllte die Katze? Einer Theorie zufolge schloss sie sich freiwillig dem Menschen an – weil ihr Überleben auf diese Weise einfacher war. Wer schon mit einer Katze zusammengelebt hat, ahnt zumindest eines: Ganz verschwunden ist die Wildheit nie aus ihrem Verhalten. In Breisach untersuchte nun ein Forschungsprojekt, wie viel "Wildtier" noch in der Hauskatze steckt.

Hauskatzen als Forschungsobjekte

Verantwortlich für das Projekt ist Sabrina Streif. Die Biologin von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt in Freiburg beschäftigt sich eigentlich mit Wildtieren: Wolf, Luchs und Wildkatze sind normalerweise ihre Forschungsobjekte. "Wir wissen, dass auch unsere Hauskatzen rausgehen, jagen und sich so verhalten wie wilde Tiere", sagt sie. Um mehr darüber zu erfahren, was die Katzen auf ihren Streifzügen erleben, stellen einige Katzenbesitzer Breisachs ihre Lieblinge in den Dienst der Forschung. Begleitet von Vermutungen, Vorahnungen und Neugier.

Mit Kameras und GPS auf den Spuren der Katzen

Eine Katze durchquert einen Garten, auf dem Rücken trägt sie einen kleinen Sender.
GPS-Sender überwachen die Wege der Katzen. | Bild: SWR

Mithilfe eines GPS-Senders, den die Katze auf dem Rücken tragen soll, wird ihr Bewegungsradius gemessen. Die Sender sind leicht genug, um die Katzen auf ihren Streifgängen nicht zu stören. Einmal in der Minute wird dann die Position abgefragt. Auf diese Weise ließen sich die Laufwege der Katzen gut erkennen, erklärt Sabrina Streif. Das Experiment läuft vierzehn Tage, Kamera-Fallen überwachen die Ausgänge der Häuser. Danach werden die Daten am Institut systematisch ausgewertet. Die Sender haben die Bewegungsprofile bis auf fünf Meter genau aufgezeichnet. Schnell zeigt sich, dass die Tiere wie Soldaten an ihren Reviergrenzen patrouillieren. Sie laufen – genau wie ihre wilden Artgenossen – gerne in der Deckung, aber auch auf ausgetretenen Wegen der Menschen.

Das Leben in einer Katzen-WG

Was erfahren die Katzenbesitzer dabei über ihre Haustiere? Zwei Katzen des Forschungsprojekts leben unter einem Dach. Kater Freddy und seine Mutter Lilly verstehen sich überhaupt nicht und bewohnen sogar unterschiedliche Bereiche des Hauses. Die Bilder der Spionkamera machen deutlich, dass sich die beiden WG-Bewohner auch nachts aus dem Weg gehen. Sie verlassen das Haus zu unterschiedlichen Zeiten und ihre GPS-Daten zeigen, dass sie in verschiedene Richtungen gehen. Während Lilly in der Nähe des Hauses bleibt, unternimmt Freddy längere Ausflüge. Doch die gesammelten Daten zeigen auch: Im Großen und Ganzen decken sich ihre Kernbereiche.

Ein Kater auf Wanderschaft

In eine Karte sind die Wege eingezeichnet, die Kater Felix gegangen ist.
Der GPS-Sender hat Felix‘ Wege aufgezeichnet. | Bild: SWR

Ein anderer Forschungsteilnehmer ist Kater Felix. Zu Hause ist er ein echter Faulpelz, schläft, frisst und trinkt nur. Aber nach der Auswertung seiner Daten weiß Sabrina Streif: Draußen im Breisacher Neubaugebiet ist Felix nicht faul. "Er ist auch der einzige, der nicht kastriert ist. Das ist besonders spannend, weil man davon ausgeht, dass nicht kastrierte Katzen weitere Wege gehen", sagt die Biologin. Um dabei zuzusehen, wie Felix seine Wege abläuft, setzt sie eine Kamera ein. Die Kamera trägt Felix um den Hals und sie zeigt: Der Kater lebt gefährlich. Sein Weg führt ihn die Schnellstraße entlang, immer wieder fahren Autos dicht an ihm vorbei. Doch Felix schaut nach rechts und links, bevor er sich auf die Straße wagt. In seinem Revier scheint er sich auszukennen.

Meine Katze, das wilde Raubtier

Die Breisacher Katzen verhalten sich also völlig unterschiedlich. "Es gibt Katzen, die in den Wald gehen, Katzen, die an ihren Reviergrenzen patrouillieren und es gibt Katzen, die Ausflüge machen und weite Wege gehen", fasst Sabrina Streif zusammen. Die Kamerabilder offenbaren auch das nächtliche Jagdverhalten; zusätzlich haben alle Katzenbesitzer die heimgebrachte Beute gesammelt: Mäuse und verschiedene Vögel. Weniger, als die Forscher dachten, aber ein Indiz dafür, wie wichtig ihnen die Jagd ist. Im Hinblick darauf hält Sabrina Streif es für eine gute Idee, das Projekt zu wiederholen – mit Katzen, die noch näher am Waldrand wohnen. Aber schon jetzt ist klar geworden: in unseren Katzen steckt weit mehr Wildtier, als wir vielleicht glauben.

Autorinnen: Jessica Krauss / Ulrike Neuberger (SWR)

Stand: 11.07.2019 09:41 Uhr

Sendetermin

So., 20.03.16 | 04:20 Uhr
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Produktion

Südwestrundfunk
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