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Bello allein zu Hause – die Trennungsangst der Hunde

PlayHund auf dem Boden
Bello allein zu Hause – die Trennungsangst der Hunde | Video verfügbar bis 14.10.2022 | Bild: Thinkstock

Die Deutschen sind eine Nation von Tierliebhabern, in jedem dritten Haushalt lebt ein Tier. Für sieben Millionen Deutsche ist das der Hund, der beste Freund des Menschen. In etwa jedem zehnten Haushalt tobt ein Retriever, Dackel oder Pudel. Doch was machen die Tiere wenn sie allein sind, sich unbeobachtet fühlen? Was tun, wenn die Nachbarn sich über das ununterbrochene Heulen aufregen oder die Wohnung nach der Abwesenheit von Herrchen und Frauchen komplett verwüstet ist?

Unser Leben hat sich stark verändert, und damit auch das Leben der Hunde. Früher erfüllten Hunde eine Aufgabe in der Familie: sie hüteten Vieh, bewachten den Hof, waren draußen in der Natur und verbrachten die meiste Zeit des Tages an der Seite des Menschen. Heute bleiben viele Hunde mehrere Stunden allein in der Wohnung. Doch wie geht es den Tieren mit der ständigen Einsamkeit? Um das herauszufinden wurde ein nie dagewesenes Experiment in Deutschland durchgeführt. Die Akademie für Naturheilkunde stattete die Wohnungen von 50 Hundebesitzern mit "versteckten" Kameras aus. Die Aufnahmen zeigen das geheime Leben der Tiere hinter verschlossenen Türen.

Wie äußert sich Stress bei Hunden?

Hündin Bella jault an der Haustür
Alleine Zuhause: Purer Stress für Hündin Bella | Bild: Neue Artfilm

Die Ergebnisse der "Überwachungskameras" sind teilweise lustig, teilweise schockierend: Die Vierbeiner wurden dabei gefilmt, wie sie Kissen herumschleuderten, Pflanzen umwarfen oder gar auf dem Klavier "spielten". Teils warteten sie aber auch stundenlang vor der Tür. Das Jaulen und Winseln dabei konnte sich zum Teil über Stunden hinweg ziehen, bis Frauchen oder Herrchen wieder kamen. Ähnlich verhält es sich mit dem rastlosen Hin- und Herlaufen einiger Hunde, die vergeblich auf ihre Besitzer warteten. Man merkt: Der Stress des Alleinseins ist für die meisten Tiere unerträglich. Daraus resultieren schwerwiegende Verhaltensstörungen. Die Aufnahmen treiben denen bis dato ahnungslosen Hundebesitzern die Tränen in die Augen. Lediglich einige wenige Hunde waren tiefenentspannt und genossen die Zeit für sich. Von einem einsamkeitsbedingten Stress war hier keine Spur.

Der Mensch als Stressauslöser?

Hündin enstpannt auf einem Sofa
Lavendelöl soll die Hunde beruhigen. Auch wenn sie alleine sind. | Bild: WDR Neu

Problematisch wurde die Domestikation der Hunde erst als der Mensch begann, die Tiere zweckgerichtet auf ein bestimmtes Verhalten hin zu züchten. Die Hunde sollten bestimmte Aufgaben in der Gemeinschaft übernehmen, sie wurden Hütehunde, Jagdhunde und Wachhunde und sie sind bis heute Spezialisten auf ihrem Gebiet. "Das aber lässt sich nur schwer mit dem menschlichen Familienleben auf 90 Quadratmetern vereinbaren", meint Experte Dr. Dirk Roos. Bei psychischen und physischen Belastungssituationen werden kurzfristig die Stresshormone Adrenalin und Noadrenalin ausgeschüttet. Bei Langzeitstress kommt es außerdem zur Freisetzung von Cortisol aus der Nebennierenrinde. Das kann auf lange Sicht der Gesundheit des Hundes schaden, da das Immunsystem stark geschwächt wird.

Von daher ist es wichtig die Hunde an die Zeit alleine zu gewöhnen. Ein ausgedehntes Training, bei dem die Hunde lernen sich auch alleine zu entspannen ist unabdingbar. Das kann mit einem rituellen Abschied beginnen, bei dem der Hund durch zum Beispiel Lavendelöl auf einem Lappen oder sanfte Musik beruhigt wird und dadurch entspannt bleibt, während Herrchen oder Frauchen unterwegs sind. Auch kann man dem Vierbeiner beibringen, dass sein Zweibeiner wiederkommt in dem man sich in immer längeren Zeiträumen voneinander trennt. Zunächst nur innerhalb des Hause oder der Wohnung, später auch außerhalb. Wichtig ist, dass der Hund die Fähigkeit entwickelt sich alleine zu entspannen und zu wissen, dass sein Besitzer wiederkommt. Nur so kann man das Stresslevel auf lange Sicht verringern.

Gadgets gegen Einsamkeit

Das Problem des Alleinseins ruft auch Tüftler und Erfinder auf den Plan. Die Tierindustrie wittert immer wieder Marktlücken: Inzwischen gibt es programmierbare Futterautomaten, die zu bestimmten Zeiten Leckerlis auswerfen, oder auch Kameras und Mikrophone, über die man von außen Kontakt zu seinem Liebling aufnehmen kann. Eine neue Erfindung kommt von Verhaltensforschern aus den USA: CleverPet ist die Spielekonsole für den Hund. Das Gerät animiert die Vierbeiner, stetig schwieriger werdende Rätsel zu lösen, um an versteckte Belohnungen zu kommen. Auf diese Weise wird nicht nur die Intelligenz stimuliert, sondern das Tier auch sinnvoll beschäftigt, wenn es längere Zeit allein zu Haus ist. "Ein Hund ohne Langeweile hat auch keine Zeit, sich daneben zu benehmen", propagieren die Erfinder. Über eine App lassen sich die Aufgaben für den Hund von unterwegs per Smartphone steuern. Wir wollen wissen, ob Hightech gegen das Alleinsein hilft und testen die neuesten Innovationen. Das Ergebnis: Viele der modernen Geräte stellen eher ein Sicherheitsrisiko für den Hund allein zu Haus dar. Spätestens dann, wenn der Hund sich frustriert im Plastik verbeißt.

Alleine sein ist keine Lösung

Ein Hund liegt entspannt auf einem Sofa
Das Training zeigt Wirkung - Entspannung ist endlich möglich. | Bild: Neue Artfilm

Wer berufstätig ist und seinem Hund das Alleinebleiben ersparen will, dem stehen auch andere Alternativen zur Verfügung. Zum Beispiel die Hundetagesstätte (HuTa). Ähnlich wie bei Kindern werden die Hunde tagsüber, wenn Herrchen oder Frauchen zur Arbeit geht, in kleinen Gruppen von Fachpersonal betreut. Das ursprüngliche Konzept stammt aus den USA. In vielen deutschen Städten sind solche Angebote nichts Ungewöhnliches mehr. Dort haben die Tiere die Möglichkeit herumzutollen. Doch das wichtigste ist, dass sie nicht alleine sind. Andere Möglichkeiten bieten Hundesitter oder Dogwalker, die ins eigene Heim kommen oder den Hund zum Spazierengehen abholen. Das kann sowohl ein Profi, als auch die freundliche Nachbarin sein. Wichtig ist nur, dass der Vierbeiner möglichst wenig Zeit alleine zu Hause verbringt.

Autor: Jonas Daniels (Neue Artfilm)

Stand: 31.07.2019 05:34 Uhr

Sendetermin

Sa, 14.10.17 | 16:00 Uhr
Das Erste

Produktion

Bayerischer Rundfunk
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