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Neue Impfpflicht in Frankreich

PlaySpritze mit Kanüle
Neue Impfpflicht in Frankreich | Video verfügbar bis 12.01.2020 | Bild: Imago

Frankreich gehört zu den impfkritischsten Ländern in Europa. Gerade bei der Masern- Mumps-Röteln- Impfung ist der Impfschutz dort nicht mehr gewährleistet. Nun hat die französische Regierung mit einer drastischen Maßnahme reagiert: Seit dem 1. Januar 2018 sind Eltern verpflichtet, ihre Kinder gegen Masern und zehn weitere Krankheiten impfen zu lassen. Nur dann können sie eine Kita besuchen. Die Begründung der Regierung: Man werde der Lage sonst nicht mehr Herr – und es könne einfach nicht sein, dass noch immer Kinder an Krankheiten sterben, die medizinisch längst ausgerottet sein könnten, gerade im Land Louis Pasteurs – dem Erfinder des Impfprinzips.

Die neue Impfpflicht

Maud und Akiloe
Maud und Akiloe hätten lieber selbst für ihr Baby entschieden. | Bild: WDR

Alain Fischer, Kinderarzt und Immunologe, hat dem Gesundheitsministerium zu dieser neuen Impfpflicht geraten. Für seine kleinen und größeren Patienten hält er diese Impfungen für überlebenswichtig: Masern, Keuchhusten, Röteln, Mumps, Hepatitis B, Tetanus, Diphtherie, HIP (Haemophilus Influenzae), Pneumokokken, Meningokokken und Polio. Fischer hält das Risiko einer Impfung für extrem gering. Weit unter einem Prozent der geimpften gesunden Menschen reagieren darauf mit einer meist ungefährlichen Allergie. Nebenwirkungen wie Fieber und andere grippeähnliche Symptome treten häufiger, bei jedem dritten Kind, auf. Alles ist aber weitaus harmloser, als an Masern, Mumps oder Keuchhusten zu erkranken – was lebensbedrohlich sein kann. Verfassungsrechtlich wurde die Impfpflicht bestätigt.

Impfen: ja oder nein?

Fadia Matta-Regimbau im Gespräch mit einem Vater
Krippenärztin Fadia Matta-Regimbau klärt auf. | Bild: WDR

Laut einer Befragung der Bürger aus dem Jahre 2016 steht ein Viertel der französischen Bevölkerung den Impfungen skeptisch gegenüber. Jeder Zehnte lehnt sie ganz ab. Auch den Eltern Maud und Akiloe ist die Entscheidung nicht leicht gefallen, ihr Baby nach Vorschrift impfen zu lassen. Lieber hätten sie sich aus freien Stücken entschieden. In ihrem Bekanntenkreis gehen die Meinungen über die Impfpflicht auseinander. Doch alle sind sich darüber einig, dass der Staat und die Ärzte differenzierter über die Impfungen informieren sollten.

Aufklärung in der Kita

Die Krippenärztin Fadia Matta-Regimbau klärt die Eltern über die neue Impfpflicht vor Ort auf. Sie hatte mehr Proteste befürchtet. Doch im Alltag stellt sie fest, dass sie viele Eltern, die zuvor die neue Impfpflicht abgelehnt hatten, überzeugen konnte. Denn bei den elf Impfungen handelt es sich um die gleichen Impfungen, die von den Kinderärzten auch schon vor der Impfpflicht empfohlen wurden.

Erste Erfolge

Diskussion unter Eltern in einem Café.
Eltern in Frankreich diskutieren über die Impfpflicht. | Bild: WDR

Auch wenn noch mehr Information und Aufklärung von den Eltern gewünscht wird, sprechen die ersten Ergebnisse der neuen Impfpflicht für sich: In nur fünf Monaten ist die Impfrate in Frankreich im Schnitt um fünf bis sechs Prozent gestiegen. So wie es die französische Regierung erhofft hatte. Doch Alain Fischer und seinen Kollegen ist klar: Der Impfzwang für die gerade geborenen Kinder reicht nicht aus, um die gesamte Bevölkerung zu schützen. Auch die älteren Krippenkinder und alle Eltern sollten gegen die gefährlichsten Viren und Bakterien geimpft sein. Nur so sind alle vor schweren Krankheiten geschützt.

Autorin: Ursula Duplantier (WDR)

Stand: 12.09.2019 12:22 Uhr