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Schwimmend zur Arbeit: der Isar-Pendler

PlayIsarpendler Benjamin David
Pendeln ganz anders - wie man auch Flüsse nutzen kann | Video verfügbar bis 28.10.2022 | Bild: ARD

Wenn Benjamin David morgens den Weg zur Arbeit plant, dann checkt er nicht die Stauprognose auf der Straße, sondern: Wasserstand, Wassertemperatur und Strömung. Der Münchner Familienvater ist einer von 350.000 Pendlern, die sich täglich durch die Landeshauptstadt quälen. Er allerdings nicht auf dem Asphalt, sondern auf dem Fluss. Sein Highway: die Münchner Isar.

Alte Wasserstraße – neue Idee

Benjamin David ist Sprecher der "Urbanauten", ein Münchner Verein für Stadtkultur, zwei Kilometer von seiner Wohnung flussabwärts. Er hat vieles probiert, um morgens ohne Stau ins Büro zu kommen: Fahrrad, Bus, Auto – doch irgendwann hatte er keine Lust mehr auf Ampelwarterei, Abgase und Stop-and-go. Beim Frühstück kam ihm eine Idee: warum nicht eine praktische Verkehrsverbindung nehmen, die schon früher zum Transport genutzt wurde? Die Lösung: die Fluten der Isar, die noch dazu direkt vor seiner Haustüre fließen.

Staufrei durch die Staustadt

Benjamin David schwimmt in der Isar
Im Herbst: Neopren statt Nadelstreifen. | Bild: BR

Laut einer aktuellen Verkehrsstudie ist München Staustadt Nummer eins in Deutschland. 49 Stunden pro Jahr stehen die Menschen hier im Stau, das sind über zwei Tage. Benjamin David möchte mit seiner kreativen Pendel-Aktion ein Zeichen setzen gegen den drohenden Verkehrsinfarkt in seiner Stadt. Auch wenn er dafür an manchen Tagen schon mal frieren muss. Ab zehn Grad Wassertemperatur nimmt er den Neoprenanzug, zum Schutz für die Füße hat er Badesandalen dabei, denn die Leute werfen alles Mögliche ins Wasser: Dosen, Glasflaschen, sogar ganze Fahrräder. Laptop und trockene Kleidung packt er in einen wasserdichten Seesack, dann stürzt er sich ins kalte Wasser.

Mit der Strömung - gegen den Strom

Luftaufnahme München mit Isar-Armen und Bauminsel
Isar-Highway: freie Fahrt in die Bayern-City.

Vier Brücken muss Benjamin David auf dem Weg zur Arbeit durchqueren, vorbei am Deutschen Museum und dem Europäischen Patentamt. Wenn es gut läuft, braucht er zwölf Minuten, es kann aber auch eine halbe Stunde dauern – je nach Wasserstand und Strömung. Doch dem Isar-Pendler geht es nicht unbedingt nur um Geschwindigkeit, sondern um den Spaß an der ungewöhnlichen Aktion.

Am schönsten ist der Isar-Highway natürlich im Sommer, im Prinzip aber kann der Verkehrsweg das ganze Jahr über genutzt werden. Wenn das Wetter schlecht ist und der Fluss zu kalt, nimmt Benjamin auch mal das Auto oder den Bus. Am liebsten aber ist ihm sein Isar-Taxi. Inzwischen hat der Münchner damit für einigen Wirbel gesorgt. Sogar Fernsehteams aus Japan kommen in die bayerische Landeshauptstadt, um über ihn zu berichten. Benjamin David bleibt dabei ganz entspannt. Auf dem Wasser lässt er die Stadt an sich vorbeiziehen. Und den Verkehr, der München und seinen Bewohnern so zu schaffen macht.

Autor: Boris Geiger (BR)

Stand: 31.07.2019 08:44 Uhr

Sendetermin

Di., 31.10.17 | 04:25 Uhr
Das Erste

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Bayerischer Rundfunk
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