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Kautschuk: Hohe Nachfrage bedroht Natur

PlayKautschukplantage am Berghang
Kautschuk: Hohe Nachfrage bedroht Natur | Video verfügbar bis 13.05.2022 | Bild: WDR/Nunifilm

In nur zehn Jahren hat der Straßenverkehr in Asien um knapp 40 Prozent zugenommen. Dank des Wirtschaftsbooms können sich dort immer mehr Menschen Mopeds und Autos leisten. Mehr Verkehr – das bedeutet nicht nur mehr Staus, mehr Straßenbau, mehr Unfälle und mehr Abgase, sondern auch mehr Kautschukanbau. Gummi ist der Grundstoff unserer Mobilität, denn Reifen werden zu einem guten Teil aus Kautschuk hergestellt, in Asien meist aus Naturkautschuk.

Thailand ist weltweit größter Produzent von Naturkautschuk

Ein Kautschukbaum wird angeritzt.
Das richtige Anritzen der Bäume braucht Erfahrung. | Bild: WDR/Nunifilm

Der meiste Naturkautschuk wird nicht mehr im Ursprungsland des Kautschukbaums, von Hevea brasiliensis, also Brasilien, angepflanzt und geerntet, sondern in Asien. Thailand ist weltweit der größte Produzent. Um den Rohstoff zu gewinnen, gehen die Bauern jeden Tag vor Morgengrauen in ihre Pflanzung und ritzen die Stämme ihrer Bäume an. Das erfordert viel Sorgfalt: Schneiden sie zu tief, verletzten sie den Baum, setzten sie das Messer zu flach an, fließt der Kautschuk nicht richtig.

Nachfrage nach Kautschuk stark gewachsen

Kautschukplantage am Berghang
Weil die Nachfrage stark gewachsen ist, wird Kautschuk inzwischen auch an Hängen gepflanzt. | Bild: WDR/Nunifilm

Der intensive Anbau von Kautschuk bringt Probleme mit sich: Pestizide werden in großen Mengen eingesetzt und die Bäume brauchen viel Wasser, was den Grundwasserspiegel sinken lässt. Vor allem aber brauchen die Plantagen Fläche. In den letzten 15 Jahren sind die Areale, auf denen Gummibäume gepflanzt werden, um 60 Prozent gewachsen. Bis vor Kurzem erstreckten sich die Plantagen in der Ebene. Doch seitdem die Nachfrage so stark gewachsen ist, pflanzen die Bauern ihre Bäume auch zunehmend an Berghängen – in die letzten Rückzugsgebiete von tierischen Waldbewohnern. Dieser enorme Flächenverbrauch bleibt nicht ohne Folgen.

Bienen-Zäune sollen Elefanten fernhalten

Weil ihr natürlicher Lebensraum schrumpft, dringen Elefanten auf der Suche nach Nahrung und Wasser immer öfter in die Kautschukplantagen ein und verursachen dort große Schäden. In Neuanpflanzungen trampeln sie Schösslinge nieder oder reißen sie aus, in älteren Plantagen entrinden sie die Stämme, was die Bäume absterben lässt.

Die deutsche Wissenschaftlerin Franziska Harich
Die deutsche Wissenschaftlerin Franziska Harich forscht im Süden Thailands. | Bild: WDR/Nunifilm

Wie lässt sich dieser Konflikt zwischen Elefanten und Menschen entschärfen? Dieser Frage geht die Agrarbiologin Franziska Harich von der Universität Hohenheim im Süden Thailands, einem der weltweiten Hauptanbaugebiete für Kautschuk, nach. Für den Schutz der jungen Bäume könnten Zäune das richtige Mittel sein. Das müssten nicht unbedingt teure und aufwendige Elektrozäune sein. Weil Elefanten vor Bienen Angst haben, könnten auch mit Draht verbundene Bienenkörbe die Dickhäuter von den Plantagen fern halten. Die Methode ist in Afrika bereits erfolgreich erprobt.

Lieblingsspeise der Elefanten ist nicht der Kautschuk

Elefanten
Die Lieblingsspeise der Elefanten ist nicht Kautschuk, sondern Gras und Bananen. | Bild: WDR/Nunifilm

Um die Elefanten davon abzuhalten, die älteren Bäume zu entrinden, plädiert die Wissenschaftlerin außerdem für mehr Biodiversität auf den Plantagen. Denn Kautschuk gehört nicht unbedingt zur Lieblingsspeise der Tiere. Finden sie zwischen den Gummibäumen Gras oder noch besser Bananenstauden, lassen sie den Kautschuk meistens in Ruhe. Die Plantagen werden dagegen oft mit Pestiziden besprüht, damit die Bauern effektiv den Kautschuk ernten können.

Autoren: Katharina Nickoleit, Christian Nusch (WDR)

Stand: 13.05.2017 15:47 Uhr

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