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Lawinenwarndienst Bayern: Lebensrettende Informationen über Schnee- und Wetterlagen

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Lawinenwarndienst Bayern: Lebensrettende Informationen über Schnee- und Wetterlagen | Video verfügbar bis 02.09.2022 | Bild: Jan Kerckhoff

Ein sonniger Tag im Mai 1965 auf der Zugspitze: Die Gäste sitzen auf der Aussichtsterrasse des Schneefernerhauses an diesem milden Tag und genießen die Sonne und den Ausblick auf die verschneiten Berge bei Kaffee und Kuchen. Unterhalb fahren Skiläufer auf dem Zugspitzplatt. Niemand bemerkt, dass sich oberhalb von ihnen eine Lawine löst. Sie fegt über das Schneefernerhaus und trifft die Aussichtsterrasse voll – zehn Menschen sterben. Auch die Seilbahn wird getroffen, der Insasse aus der Gondel geschleudert – er überlebt schwer verletzt; weitere zwanzig werden ebenfalls schwer verletzt. Es ist das schwerste Lawinenunglück in Deutschland. So ein Unglück sollte sich nie wiederholen. Zwei Jahre später wird der Lawinenwarndienst Bayern gegründet.

Seit 50 Jahren also gibt dieser jeden Morgen um 7.30 Uhr einen Lawinenlagebericht aus, um Skifahrer, Skitourengeher, aber auch Hoteliers, Gemeinden, Straßen- und Liftbetreiber vor der aktuellen Lawinengefahr zu warnen.

Mess-Sensoren liefern Daten

Zwei Personen an einer Mess-Station in den Alpen.
Die Mess-Stationen sind in verschiedenen Höhenlagen im bayerischen Alpenraum verteilt. | Bild: Jan Kerckhoff

Mit entscheidend für die Auslösung von Lawinen und damit für eine gute Lawinenvorhersage sind: Windstärke und Windrichtung, Niederschlagsmenge – sowohl aktuell, als auch über längere Zeiträume, sowie Temperatur – nicht nur der Luft, sondern auch des Schnees. Diese Daten werden laufend, zum Teil automatisch, von Mess-Sensoren im Alpenraum an die Zentale in München gemeldet. Montiert sind sie an über 40 Masten von Mess-Stationen, die in verschiedenen Höhenlagen im bayerischen Alpenraum verteilt errichtet sind.

Mess-Station im Karwendel soll unmittelbar den Ort vor Lawinen warnen

Mess-Mast oberhalb von Mittenwald.
Mess-Mast oberhalb von Mittenwald. | Bild: Jan Kerckhoff

Besonders spektakulär steht eine Mess-Station im Karwendel unterhalb der Linderspitzen in über 2.000 Meter Höhe. Der Mess-Mast wurde in einer steilen Rinne oberhalb des Ortes Mittenwald montiert. Der Grund: Der Mast soll nicht nur Schnee- und Wetterdaten liefern, sondern unmittelbar den Ort vor Lawinen warnen, die sich immer wieder aus der Rinne lösen. 

Bei Wartungs- oder Reparaturarbeiten etwa bedeutet das einen mühsamen und auch mitunter nicht ungefährlichen Aufstieg über lawinengefährliche Hänge sowie Abseilen in die steile Rinne. Zum Sichern ist daher immer auch ein Bergführer der Lawinenwarnzentrale vor Ort. Der Aufwand lohnt sich: Ende Januar 2017 beispielsweise ändert sich das Wetter. Nach tagelangen Schneefällen kommt es plötzlich zu einem Wärmeeinbruch. Mancherorts und in bestimmten Höhenlagen fällt Regen statt Schnee. Dies melden die Mess-Stationen sowie Beobachter vor Ort an die Zentrale, die daraufhin ein Warnung ausgeben kann. Denn der Regen dringt in die Schneeschicht ein und löst die Verbindung zwischen den Schneekörnern. Das Wasser wirkt wie ein Gleitlager, auf dem der Schnee abrutschen kann. Die Folge sind Nass- und Gleitschneelawinen, die vor allem Straßen und Ortschaften bedrohen. Und tatsächlich werden kurz darauf einige Alpenstraßen von Gleitschneelawinen verschüttet. Zu Schaden kommt aber niemand, da aufgrund der Warnung diese Straßen rechtzeitig gesperrt werden.

Autor: Jan Kerckhoff (BR)

Stand: 01.09.2017 23:22 Uhr

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Sa., 02.09.17 | 16:00 Uhr
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Produktion

Bayerischer Rundfunk
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