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Autbahnbrücke Leverkusen – ein Verkehrshindernis über den Rhein

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Autbahnbrücke Leverkusen – ein Verkehrshindernis über den Rhein | Video verfügbar bis 29.07.2022 | Bild: WDR

Die Autobahnbrücke über den Rhein bei Leverkusen ist derzeit eines der größten Infrastrukturprobleme Deutschlands. Obwohl hier eigentlich jeden Tag 16.000 LKW über den Fluss müssten, wurde die Brücke für Fahrzeuge mit einem Gewicht über 3,5 Tonnen gesperrt. Jetzt muss möglichst schnell Ersatz her.

Jeden Tag liegen die Nerven am Autobahnkreuz Leverkusen nördlich von Köln blank. Es bilden sich kilometerlange Lkw-Staus, denn alle Fahrzeuge mit einem Gewicht von über 3,5 Tonnen müssen runter von der A 1. Der Grund dafür steht ein paar Kilometer weiter westlich: Die Autobahnbrücke über den Rhein bei Leverkusen ist für Lkw gesperrt. Alle Brummis, die über den Rhein wollen, müssen weite Umwege fahren.

Rheinbrücke für viel geringere Belastungen geplant

rückenneubau im Jahr 1960, das letzte verbindende Element wird verankert.
Anfang der 1960er-Jahre wurde die heute marode Brücke gebaut. | Bild: WDR

Gebaut wurde die Autobahnbrücke Leverkusen Anfang der 1960er-Jahre. Damals rechnete man mit 40.000 Fahrzeugen, die die Brücke Tag für Tag passieren. Niemand ahnte, dass es 50 Jahre später mehr als dreimal so viele sein sollten. Genauso verändert hat sich die Größe der Lkw. Heute sind Laster mit weit über 30 Tonnen Gesamtgewicht keine Seltenheit. Die Belastungen, denen die Brücke standhalten muss, änderten sich dramatisch. Damit sich die vielen Fahrzeuge auf der Brücke nicht stauten, wurde der ehemalige Seitenstreifen in eine dritte Fahrspur umgewandelt. Jahrzehnte rollten die schweren Brummis über diese äußersten Fahrstreifen. Das Fatale: Am Brückenrand belasten die schweren Fahrzeuge das alte Bauwerk umso stärker. Der in den 1960er-Jahren verwendete Brückenstahl und die Bauweise der Brücke war diesen Kräften nach 50 Jahren nicht mehr gewachsen.

Überraschungen im Bauch der Brücke

Zwei Mitarbeiter von "Straßen NRW" im Brückenkasten
Über 5.000 Rissen – zum Teil meterlang. | Bild: WDR

Deutlich wurde das im Jahr 2012: Eigentlich stand damals nur eine Überprüfung und Sanierung des alten Bauwerks an. Ingenieure des Landesbetriebs "Straßen NRW", verantwortlich für die Brücke, erlebten im Inneren des Bauwerks eine böse Überraschung: über 5.000 Risse im alten Stahl – die meisten klein und unbedenklich, andere aber meterlang. Auch die heikelsten Stellen der Brücke waren betroffen. Es gab nämlich auch Schäden im sogenannten Seilkasten. Dort hängt die Brücke samt Fahrbahn an ihren armdicken Tragseilen. Risse im Stahl, genau an dieser sensiblen Stelle – das war zu viel. "Das Rückenmark der Brücke ist verletzt", so Experte Hans-Dieter Jungmann. "Das ist natürlich ein Todesstoß zumindest erst mal für die Fahrzeuge über dreieinhalb Tonnen."

Schleifen und schweißen gegen die Zeit

Polizist stoppt Lkw vor der Brücke
Für Lkw ist die Brücke gesperrt. | Bild: WDR

Heute sind fast alle Risse im Stahl der Brücke geflickt: Sie wurden geschweißt oder mit dicken Stahlplatten verschraubt. Außerdem sind ständig zwölf Arbeiter in und an der Brücke unterwegs. Sie suchen nach neuen Schäden und bessern sie aus. Sie schleifen und schweißen gegen die Zeit, mit nur einem Ziel: das marode Bauwerk zumindest für den Pkw-Verkehr in Betrieb zu erhalten. Denn schließen kann man die Brücke nicht einfach. Ein Verkehrschaos rund um Köln wäre vorprogrammiert. Inzwischen wurden aber Sperranlagen auf den Zufahrten installiert, auf denen alle großen Fahrzeuge automatisch gewogen werden. Wer schwerer als 3,5 Tonnen ist, vor dem schließt sich automatisch eine Schranke.

Neubau in zwei Schritten

Grafik des geplanten Brückenneubaus in Leverkusen
Der geplante Neubau: zwölfspurig über den Rhein. | Bild: WDR

Fest steht, das gigantische Bauwerk über den Rhein muss ersetzt werden. "Straßen NRW" plant dafür zwei Bauphasen: Der erste Teil des Neubaus soll nördlich direkt neben der bestehenden Brücke entstehen. Solange wird der Verkehr noch auf der alten Konstruktion weiterfließen. Dann erst soll die alte Brücke abgerissen und durch einen zweiten Neubau ersetzt werden. Am Ende ginge der Verkehr dann zwölfspurig über den Rhein. In drei Jahren soll der erste Brückenteil fertig sein. Doch ob der Zeitplan zu halten ist? Just da, wo die neue Fahrbahn auf der Leverkusener Rheinseite verlaufen soll, verbirgt sich eine alte Giftmülldeponie im Boden. Diese müsste geöffnet werden, verseuchter Boden müsste abgetragen und neu deponiert werden. Leverkusener Bürger haben gegen die Pläne von "Straßen NRW" geklagt. Sie befürchten Risiken für die Umwelt und die Gesundheit der Anwohner, wenn die Deponie geöffnet wird. Und sie wollen verhindern, dass demnächst eine zehnspurige Autobahn mitten durch Leverkusen verläuft.

Nicht die einzige baufällige Brücke

Luftbild der Autobahnbrücke Leverkusen
Autobahnbrücke Leverkusen: Nur ein Problem von vielen maroden Brücken. | Bild: WDR

Gäbe das Gericht den Klägern Recht, könnten die Brückenbaupläne sogar noch gestoppt werden. Wenn "Straßen NRW" aber bauen darf, ist Eile angesagt, sagt Regionalleiter Thomas Ganz: "Wir haben die Chemiewerke auf der Leverkusener Seite, wir haben die Fordwerke in Köln, wir haben einen Großballungsraum mit vielen Handwerkern, die ausnahmslos alle um die Brücke rumfahren müssen. Das kostet Zeit und viel Geld." Möglichst bald will Ganz deshalb den Verkehr auf der neuen Brücke auch wieder für Lkw freigeben. Doch selbst wenn dieses Ziel erreicht ist, lange werden sich die Straßenbauer nicht ausruhen können. Eine Studie hat gezeigt: Von mehr als 1.000 Brücken, die in Nordrhein-Westfalen untersucht wurden, muss etwa die Hälfte erheblich verstärkt oder ganz ersetzt werden.

Autor: Frank Nischk (WDR)

Stand: 16.07.2019 09:30 Uhr

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