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Zeitreise: Geschichte der Passagierluftfahrt

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Zeitreise: Geschichte der Passagierluftfahrt | Video verfügbar bis 18.11.2021 | Bild: SWR

Wer in den 1920er-Jahren abhebt, gehört zu einem sehr exklusiven Kreis: Eine Handvoll Passagiere passt in die Kabine der Propellermaschinen, vor Abflug müssen alle Gäste gewogen werden, samt Gepäck – an Bord wird dann entschieden, wie das Gewicht am besten verteilt wird. Das Cockpit ist offen – Piloten fliegen mit dicken Jacken und Brillen. Dafür ist der Service für die Gäste vom Feinsten: Zeitungen, feinster Schinken vom Silbertablett – familiär und kuschlig wie in einem heutigen Zugabteil. 1926 startet die Deutsche Lufthansa ihre Linienflüge. Der Flug von Berlin nach Paris dauert fast neun Stunden – denn der Flieger muss zweimal zwischenlanden, in Essen und Köln. Morgens um 8 Uhr geht es los, Ankunft ist, je nachdem wie lang die Zwischenaufenthalte dauern, gegen 17:45 Uhr. Das Ganze kostet 180 Reichsmark. Zum Vergleich: Der durchschnittliche  Monatslohn liegt damals um die 130 Reichsmark. Um die Fluggäste kümmern sich damals bei der Lufthansa noch ausschließlich Luftboys – Frauen traut man die körperliche Arbeit in der Luft nicht zu.

Kochsteward und Stewardess

Service an Bord einer Passagiermaschiene der Lufthansa.
Service an Bord einer Passagiermaschiene der Lufthansa. | Bild: SWR / Deutsche Lufthansa AG

In den folgenden Jahren gewinnt das Fliegen immer mehr an Bedeutung, neue Strecken, neue Maschinen kommen hinzu. Vor allem die Nationalsozialisten inszenieren das Fliegen: Sie zeigen gerne, dass sie auch in der Luft eine Großmacht sind. So wird die militärische Luftfahrt aufgerüstet, die zivile kommt mit dem Zweiten Weltkrieg schließlich komplett zum Erliegen. Erst 1955 und nur nach Erlaubnis der Alliierten, fliegen die Deutschen wieder. Inzwischen sind auch Stewardessen mit an Bord und es geht in alle Himmelsrichtungen: mit der Propellermaschine über den Atlantik, ab Juni 1955 auch First Class, zum Beispiel nach New York. An Bord der Lockheed Super Star sorgen bei der Lufthansa sogar ein Kochsteward und drei Flugbegleiter für das leibliche Wohl ihrer betuchten Gäste. 1958 überquert mit der De Havilland DH 106 schließlich der erste Düsen-Passagierjet nonstop den Atlantik. Das verkürzt die Reisezeit um sechs Stunden – und setzt völlig neue Maßstäbe.

Die Jumbos kommen

1960 landet schließlich die erste Boeing 707 auf deutschem Boden. Das Düsenzeitalter beflügelt die Passagierluftfahrt in einer ohnehin technikbegeisterten Zeit. Fliegen verströmt den Geruch der weiten Welt und der endlosen Möglichkeiten. Stewardess wird zum Traumberuf vieler junger Mädchen, die reisen, die Welt sehen wollen. Sie sollen Gastgeberin, Mutter und Sexsymbol zugleich sein, doch es ist ein Knochenjob: immer mehr Flüge, immer mehr Passagiere: Urlaubs-Flugreisen sind die Alternative zur Bahn und so landet am 23. Juni 1964 der zehnmillionste Fluggast der Lufthansa auf dem Flughafen Stuttgart.

Ein weiterer kleiner Meilenstein in der Entwicklung vom Luxus- zum Massentransportmittel. Doch den Quantensprung schaffen sie: die neuen Großraumflugzeuge aus Amerika. Die "Jumbos" setzen völlig neue Maßstäbe, passen doch ein paar Hundert Passagiere in eine Boeing 747.  Je nach Ausführung sind es bis zu 470 Personen. Ihren Spitznamen, "Jumbo", bekommt sie übrigens durch die Ähnlichkeit des riesigen Rumpfes mit dem Walt-Disney- Elefanten.

Die Königin der Lüfte

Ultraschall-Passagierflugzeug Concorde vor dem Zuckerhut in Rio de Janeiro.
Ultraschall-Passagierflugzeug Concorde vor dem Zuckerhut in Rio de Janeiro.

Das alles kann nur eine toppen: die Königin der Lüfte, die Concorde. Sie ist die schnellste, aber auch teuerste Passagiermaschine der Welt. 1973 überquert sie als erster Überschall-Passagierjet den Atlantik, mit "Mach 2", also zweifacher Schallgeschwindigkeit. So dauert der Flug von Washington nach Paris nur noch dreieinhalb Stunden. Technisch eine Sensation – aber die Concorde ist vielen Flughäfen zu laut, Überschall darf nur über Wasser geflogen werden, die Reichweite der Maschine ist vergleichsweise gering. Tickets kosten ein Vermögen – und so fliegt die "Königin der Lüfte" nie wirklich profitabel. Nach und nach wird sie ausgemustert, der Absturz im Jahr 2000 bei Paris besiegelt ihr Schicksal endgültig. 

2003 wird der Flugbetrieb der Concorde eingestellt, aktuell kämpfen aber mehrere Vereine dafür, die Concorde wieder in die Luft zu bekommen. Außerdem wird daran geforscht, wie man neue, moderne Überschallflieger entwickeln kann, die wirtschaftlicher fliegen, denn: Nachhaltigkeit ist das aktuelle Thema der Passagierluftfahrt. Die aktuelle Vision: Fliegen ganz ohne Treibstoff. Erst kürzlich hat die Solar Impulse 2 die Welt nur mit Sonnenenergie umrundet. Zwar ist sie noch weit entfernt davon, als Passagierjet im Linienflugverkehr eingesetzt zu werden, aber vielleicht sehen sie ja so aus, die Passagierflieger der Zukunft.

Autorin: Sophie König (SWR)

Stand: 19.11.2016 15:10 Uhr

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