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Volocopter – Fliegen für jedermann

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Der VW der Lüfte - Fliegen für jedermann | Video verfügbar bis 15.11.2021 | Bild: SWR

Vors Haus gehen, rein setzen und losfliegen – über alle Staus hinweg. So ähnlich sieht der Traum vieler Autofahrer aus, die sich jeden Tag mit dem Auto im Schneckentempo durch die Stadt quälen. Mit einer bemannten Drohne müsste genau das möglich sein, dachten sich 2010 drei Erfinder in Karlsruhe und fingen an zu experimentieren, weil in den Diskussionsforen niemand an ihre Idee glauben wollte. Ende 2011 war es bereits soweit: Auf einem nahe gelegenen Flugplatz starteten Thomas Senkel, Stephan Wolf und Alexander Zosel ihren Prototypen mit 16 Rotoren. Und tatsächlich, das neue Fluggerät auf dem Hüpfball hob ab.

Eine Idee findet ihren Weg

Volocopter am Himmel
• 18 Rotoren ermöglichen ausreichend Schub. Die elektronische Steuerung befindet sich im Heck. (Copyright: e-volo) | Bild: e-volo

Auch wenn dieser Erstflug nur 90 Sekunden dauerte, der Film von dem Ereignis verbreitete sich auf der Internetplattform youtube in Windeseile und fand schnell viele Interessenten. Die Entwicklung einer serienreifen Version konnten die Erfinder deshalb zusammen mit vielen neuen Partnern angehen. Unter anderem die Unis aus Stuttgart und Karlsruhe und eine großer Segelflugzeugbauer sind seitdem mit von der Partie. Finanziert wird das Projekt außerdem durch Crowdfunding und einer zwei Millionen Euro-Förderung aus dem Bundeswirtschaftsministerium. Mittlerweile hat der Volocopter diverse Preise gewonnen und es wurde in vielen Technikmagazinen über ihn berichtet.

Ein Novum in der zivilen Luftfahrt

Mann sitzt in einem Cockpit
• Bemannter Jungfernflug des neuen VC200. Die Steuerung erfolgt rein mit einem Joystick. Gestartet und gelandet wird mit nur einem Knopfdruck. | Bild: SWR

Die neue Version hat 18 Rotoren mit einem Durchmesser von je zwei Metern, die über einen inneren und einen äußeren Ring verteilt sind. Jeder dieser Rotoren hat einen eigenen Elektroprozessor und alle zusammen sind in einem Netzwerk miteinander verbunden. Dadurch wird es möglich, dass die Prozessoren miteinander kommunizieren, um Störungen wie zum Beispiel Windböen gegenseitig auszugleichen. Selbst Ausfälle einzelner Rotoren könnten ausgeglichen werden. In der Konsequenz bedeutet das, dass sich der Volocopter selbst in der Luft stabilisiert, ohne Zutun des Piloten. Und das ist die eigentliche Sensation, denn Dinge wie Strömungsabriss oder Kontrolle des Gleitwinkels, die das Fliegen so anspruchsvoll machen, werden von der elektronischen Steuerung des Volocopters automatisch übernommen. Der Pilot muss sich nur noch dem Steuern mit Joystick widmen, das kinderleicht ist.

Wie die Zukunft aussehen könnte

Autonomer "Gondelverkehr" mit Volocoptern
Autonomer "Gondelverkehr" mit Volocoptern über Städten oder über der Autobahn. (Copyright: SwissECS) | Bild: SwissECS

Im März 2016 erhält der Volocopter dann bereits die vorläufige Verkehrszulassung für weitere Testflüge und das Luftfahrtbundesamt arbeitet laut der Erfinder an einer neuen Flugzeugklasse für solche zivilen Senkrechtstarter, die mit geringen Vorkenntnissen von Laien geflogen werden können. Es stellt sich also die Frage, wie das "Fliegen für jedermann" im realen Leben aussehen könnte. Werden nun bald überall in der Luft solche bemannten Drohnen über unseren Köpfen kreuzen? Die Entwickler denken eher an feste Fluglinien, die man wie Gondeln aber variabel innerhalb einer Stadt zur Verstärkung des Verkehrs am Boden einsetzen kann, zum Beispiel in Istanbul als Luftbrücke über den Bosporus. In den Megastädten in Südamerika sind Helikopterflüge innerhalb der Stadt bereits sehr verbreitet. Allerdings verursachen sie enormen Lärm. Auch der Volocopter ist nicht geräuschlos, aber dennoch um einiges leiser.

Wie realistisch sind die Visionen?

Firmengründer Alexander Zosel
Firmengründer Alexander Zosel | Bild: SWR

Die Visionen scheinen zum Greifen nah, allerdings müssen noch diverse Hürden überwunden werden, denn wie auch bei den Elektroautos, ist die Reichweite der Flüge noch sehr begrenzt. Die Akkus des Volocopters sind nach spätestens 30 Minuten leer und müssen dann ausgetauscht oder zwei Stunden lang geladen werden. Außerdem müsste für einen Dauereinsatz in Städten gewährleistet werden, dass man unter allen Wetterbedingungen und auch nachts fliegen kann. Vieles spricht deshalb dafür, dass man Volocopter vor allem im autonomen Flugbetrieb einsetzen würde, sodass man, wie in einem Lufttaxi ohne Pilot, vollautomatisch die Stadt überquert. Die Firmengründer sind sich sicher, dass es in fünf bis zehn Jahren soweit sein wird, dass man große Flotten des Volocopters einsetzen wird, wenn die motorisierte Mobilität am Boden sich immer schwieriger gestalten wird. Bislang fahren Stephan Wolf und Alexander Zosel allerdings mit dem Auto zur Arbeit.

Autor: Jörg Wolf (SWR)

Stand: 18.11.2016 10:38 Uhr

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