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Elektroflugzeug: Fliegen mit Solarzellen

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Elektroflieger | Video verfügbar bis 18.11.2021 | Bild: SWR

Flugzeuge sind die Liebe seines Lebens. Calin Gologans hat viele erdacht, gebaut und berechnet, große für Airbus und kleine für Sportflieger. Vor fünf Jahren gab es dann ein Erlebnis, das alles verändert hat: Auf einer Flugschau kreiste ein Elektrodrachenflieger über den Köpfen der Zuschauer. Calin hatte so etwas noch nie gesehen aber er wusste sofort: "Das ist es! Endlich umweltfreundlich fliegen, mit Strom aus Batterien und der Sonne, die die Batterien wieder auflädt!"

Seitdem dreht sich in Calin Gologans Leben alles nur noch um die Elektrofliegerei. Seine gesamten Ersparnisse hat er in den Bau des ersten Prototypen gesteckt, hat andere begeistert mitzumachen, Kontakt zu Spezialisten geknüpft und sich vorgenommen, seinen ersten Prototypen der Elektra One zum besten Elektroflugzeug der Welt zu perfektionieren.

Informationen zu Elektra One:
Elektra One hat die Form eines Segelflugzeuges, ist aber mit einem Elektromotor ausgestattet. Das Flugzeug musste sehr leicht, unter Einsatz von Carbon, gebaut werden, um das Gewicht der schweren Akkus zu kompensieren.

Technische Probleme begleiten Gologan bei der Arbeit

Elektroflieger Elektra One
Bevor das Flugzeug abheben kann, muss alles überprüft und an technischen Details gefeilt werden. | Bild: SWR

Calin Gologan arbeitete nicht für einen der großen Luftfahrtkonzerne, mit ihren riesigen Entwicklungsbüros und Testzentren. In einer kleinen Werkstatt im Allgäu hat Gologan vor fünf Jahren begonnen die erste "Elektra One" zu bauen. Dafür scharte er Gleichgesinnte um sich und sie haben einfach losgelegt – mit einfachen Mitteln und wenig Geld. Stattdessen verfügen diese Elektroflugzeugbauer aber über viel Herzblut, Fantasie, Liebe zum Flugzeugbau und auch eine gehörigen Portion Leidensfähigkeit: "Als ich angefangen habe, war ich mir zwar sicher, dass es funktionieren wird, aber ich wusste nicht, dass alles so komplex ist. Das war aber auch gut so. Denn wenn man mit etwas anfängt, dann ist es vielleicht besser, wenn man nicht so genau weiß, was da alles auf einen zukommt. Wenn man das von Anfang an genau wüsste, dann würde man wahrscheinlich gar nicht erst anfangen. Die Schwierigkeiten kommen im Laufe der Arbeit schon früh genug“, erzählt Calin Gologan.

Der Schock über Venedig

Elektroflieger Elektra One über Venedig
Elektroflieger Elektra One über Venedig. Wenig später fällt der Motor aus. | Bild: SWR

Viele Menschen zweifelten an der Idee des elektrischen Fliegens. Um sie zu überzeugen, plante Calin Gologan einige spektakuläre Flüge, um die Leistungsfähigkeit von Elektroflugzeugen unter Beweis zu stellen. Von Venedig aus sollte die Elektra One über die Alpen fliegen. Für den zerbrechlichen Flieger ist die gewaltige Barriere des fast 3.000 Meter hohen Alpenhauptkammes eine große Herausforderung. Von der Küste aus sollte das Flugzeug bis in diese Höhe steigen – und das mit einem 30 PS schwachen Elektromotor und Akkus, deren Kapazität knapp bemessen war. Noch niemand hatte vorher so einen Flug gemacht.

Flugzeuge wie die Elektra One durften aber nicht höher als 300 Meter fliegen und das wurde Elektra One zum Verhängnis, als plötzlich der Motor ausfiel. Im Gleitflug war der nahe Flugplatz von Venedig knapp nicht zu erreichen. Pilot Norbert Lorenzen war schnell klar: Elektra One muss aufs Wasser! Mit einer riesigen Wasserfontäne taucht Elektra One in die Fluten. Zum Glück kann sich der Pilot nach wenigen Schreckmomenten aus dem Wrack befreien und in ein herbeigeeiltes Motorboot steigen. Calin Gologan bleibt nichts anderes übrig, als die Reste seines Flugzeuges per Lastwagen zurück ins Allgäu zu schaffen.

Der Neuanfang

Elektroflieger Elektra One
Elektra One auf dem Weg zum Alpenhauptkamm. | Bild: SWR

Fast zwei Jahre entwickelte Gologan sein Flugzeug weiter, sprach mit Elektronikherstellern, suchte nach besseren Bauteilen, testete viel und schließlich stand da eine neue Elektra One, eine viel bessere Elektra One, jedenfalls glaubten das Gologan und seine Mitstreiter. Vielleicht auch um zu beweisen, dass sie sich nicht unterkriegen lassen wollten, entschieden sie sich dazu, es ein weiteres Mal mit einer Alpenüberquerung zu versuchen. Dieses Mal in die andere Richtung von Unterwössen im Chiemgau nach Süden. Klaus Plasa ist der Pilot. Langsam tastet er sich vor und steigt stetig höher. Östlich des Großglockners will Klaus Plaza den Alpenhauptkamm überqueren. Aber nicht nur das Flugzeug muss mitspielen, auch das Wetter. Tiefe Wolken könnten den Weg versperren. Zunächst sieht es schlecht aus, aber dann tatsächlich: die Passhöhe! Jetzt geht ess quasi nur noch im Gleitflug abwärts und dann ist die Alpenüberquerung geschafft! "Gleich nach der Landung habe ich alle Beteiligten angerufen, um ihnen die freudige Nachricht zu übermitteln. Ich habe, glaube ich, in fünf Minuten zehn Telefonate geführt", jubelt ein erleichterter und stolzer Elekroflugzeugpionier Calin Gologan.

Stichwort Elektroflugzeuge
Früher wurden alle Flugzeuge, außer Segelflugzeuge, von Verbrennungsmotoren angetrieben. An Elektroantrieb war nicht zu denken: Die Akkus waren zu schwer und die Motoren zu schwach. Das hat sich inzwischen geändert und die Entwicklung geht immer weiter. Jedes Jahr kommen neue Akkus auf den Markt, die bei weniger Gewicht mehr Strom speichern können und Flugzeugen wie der Elektra One die Möglichkeit geben, länger in der Luft zu bleiben.

Autor: Arno Trümper (SWR)

Stand: 22.11.2016 19:32 Uhr