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Masern – keine harmlose Kinderkrankheit

Alex Sauer sitzt in der Straßenbahn neben einer jungen Frau und hustet.
Masern sind hochansteckend. Die Viren verbreiten sich über die Luft.  | Bild: WDR

Masern sind hochansteckend und können sich sehr schnell verbreiten. Für viele gelten sie als harmlose Kinderkrankheit, doch man sollte sie nicht unterschätzen. Es können Komplikationen auftreten – wie Bronchitis, Ohrenentzündung, Lungenentzündung, Gehirnentzündung oder Gehirnhautentzündung. In seltenen Fällen kann eine Folgeerkrankung erst Jahre später ausbrechen und sogar tödlich enden. Die ersten Symptome von Masern ähneln denen einer Grippe oder eines grippalen Infekts: Schlappheit, Fieber, Halsschmerzen, Husten. Masern werden deshalb oft nicht sofort erkannt.

Erst einige Tage nach den ersten Symptomen taucht der typische Hautausschlag auf. Dann sind die Patienten aber schon seit etwa fünf Tagen hochansteckend. Nahezu jeder Kontakt zwischen einem Erkrankten und einer ungeschützten Person führt zu einer Ansteckung. So kommt es in Deutschland immer wieder zu Masern-Epidemien – wie zum Beispiel 2018 in Köln.

2018: Masernausbruch in Köln

Krankenwagen mit Blaulicht
Immer wieder müssen Menschen ins Krankenhaus eingeliefert werden, weil sie schwer an Masern erkrankt sind.  | Bild: WDR

Im April 2018 fällt den Mitarbeitern des Kölner Gesundheitsamts auf, dass Meldungen von Masernfällen plötzlich gehäuft bei ihnen eingehen. Sofort haben sie die Befürchtung, dass es sich um einen Ausbruch handelt. Sie informieren Ärzte und Krankenhäuser. Doch es ist schon zu spät. Immer mehr Menschen erkranken in den nächsten Monaten in Köln an Masern. Viele müssen mit hohem Fieber im Krankenhaus behandelt werden. Auch bei Rettungsassistent Alex Sauer werden die Masern zunächst nicht erkannt. Er versucht die starken Halsschmerzen und das hohe Fieber mit einem Antibiotikum zu bekämpfen. Doch das hilft bei Masern nicht. Schließlich geht es ihm so schlecht, dass er einen Krankenwagen ruft. Über eine Woche liegt er isoliert im Krankenhaus. Neben dem hohen Fieber macht ihm eine Bindehautentzündung besonders zu schaffen, die bei Masern fast immer auftritt. Bei ihm ist sie so ausgeprägt, dass er über Wochen nicht richtig sehen kann. Heute geht es ihm wieder gut, aber seitdem trägt er eine Brille.

Ausbreitung von Masern: Kampf gegen die Zeit

Ein Kind wird geimpft.
Gegen Masern wird ein Kombinationsimpfstoff gespritzt, der auch vor Mumps und Röteln schützt. | Bild: WDR

Um die Epidemie einzudämmen, sind die Mitarbeiter des Kölner Gesundheitsamts schließlich rund um die Uhr im Einsatz. Sie müssen alle Personen, die Kontakt zu Masernpatienten hatten, so schnell wie möglich erreichen und verhindern, dass sie die Krankheit weitertragen. Mit großen gut sichtbaren Plakaten in der Stadt informieren sie die Einwohner Kölns über die Gefahr und sie holen auch die Kölner Verkehrsbetriebe und den 1. FC Köln ins Boot. Über Laufschriften auf den Infotafeln von Haltestellen und über das Internet werden die Bürger aufgerufen, ihren Impfstatus zu checken. Außerdem werden an verschiedenen Orten Impfmobile aufgestellt. Dort kann jeder Bürger sich von Ärzten beraten und auch sofort impfen lassen — wenn nötig. All diese Bemühungen führen dazu, dass die Epidemie im August endlich zum Stillstand kommt. Alle 139 Kölner Patienten haben die Masern überstanden. Nicht immer geht es so glimpflich aus. Bei einem Ausbruch 2017 in Duisburg und Essen gab es 385 Masernfälle, eine Frau starb. In Berlin erkrankten 2015 mehr als 1.300 Menschen, ein Kind starb.

Impfung schützt

Mitarbeiter des Kölner Gesundheitsamtes sitzen an einem Tisch zusammen.
Im Gesundheitsamt arbeiten die Beamten auf Hochtouren. | Bild: WDR

Um eine so stark ansteckende Krankheit wie Masern auszurotten, müssten 95 Prozent aller Einwohner dagegen immun sein. Eine zweimalige Impfung gegen Masern bietet einen guten Schutz. Doch Impfgegner und Impfskeptiker entscheiden sich immer wieder aus verschiedenen Gründen dagegen. Ein weiteres Problem: Zwischen 1973 und 1991, als die Masernimpfung eingeführt wurde, wurden die Kinder nur einmal gegen Masern geimpft. Und das reicht oft nicht aus, wie man heute weiß. In dieser Anfangszeit blieben zudem viele Kinder noch ungeimpft. Untersuchungen zeigen, dass 43 Prozent in dieser Altersgruppe keinen Masernschutz haben. Ihnen wird daher empfohlen, dies überprüfen zu lassen und die Impfung gegebenenfalls nachzuholen. Masernimpfungen werden meist gut vertragen, bei etwa zehn Prozent treten Nebenwirkungen auf, wie Rötungen und Schwellungen an der Einstichstelle oder Fieber und leichter Ausschlag. Die Impfung schützt nicht nur die Geimpften selbst, sondern auch andere, nämlich die Menschen, die nicht geimpft werden können: zum Beispiel Babys, die noch zu jung sind, oder Menschen mit bestimmten chronischen Erkrankungen.

Autorin: Eva Schultes (WDR)

Stand: 12.09.2019 12:22 Uhr