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Mikroplastik im Wasser: Können feine Filter helfen?

PlayMann mit Wäschesac
Mikroplastik im Wasser: Können feine Filter helfen? | Video verfügbar bis 01.09.2023 | Bild: BR

Wäschewaschen verursacht Plastikmüll. Was wohl den wenigsten Menschen bewusst ist: Kleidung mit Kunststoffgewebe verliert bei jedem Waschen Tausende mikroskopisch kleine Fasern – ein gewaltiges Umweltproblem für Flüsse, Seen und Ozeane. Denn viele Partikel können nicht von den Kläranlagen vollständig entfernt werden. Was also tun?

Ein Wäschebeutel gegen Faserverlust

Ein Klumpen Mikroplastik
2.000 Fasern pro Waschgang aus einem Pulli | Bild: BR

Oliver Spies und Alexander Nolte sind Inhaber einer eigenen Modefirma und seit vielen Jahren Longboarder und Surfer. In Sport und Freizeit heiß begehrt: Funktionskleidung aus Mikrofasern. Die sind bequem und praktisch, aber leider nicht besonders ökologisch, wie die beiden Unternehmer inzwischen wissen. Sie haben Plastik jetzt den Kampf angesagt. Genauer gesagt: dem Mikroplastik, das bei jedem Waschgang aus unseren Waschmaschinen gespült wird. "Das Problem bei Polyester, Nylon und Acryl ist, dass beim Waschen kleine Mikroplastikteile abbrechen und weder von der Waschmaschine, noch von der Kläranlage effizient zurückgehalten werden können", erklärt Alexander Nolte. Und es sind viele Fasern: Pro Waschgang lösen sich aus einem einzigen Fleecepulli fast 2.000 Fasern.

Die beiden Unternehmer wollen das ändern – mit einem smarten Wäschebeutel. "Guppy Friend" haben sie ihren Filter für Mikroplastik getauft. Der 50 mal 60 Zentimeter kleine Beutel aus Industriegewebe soll den Faserabrieb bremsen. Der Wäschesack wirkt wie eine Schutzhülle und schont damit nicht nur die Fische im Fluss, sondern auch die Kleidung. Es gibt kaum mehr "Pilling", die Kleidungsstücke halten länger. Die wenigen Fasern, die noch abbrechen, werden gesammelt und statt im Abwasser, im Haushaltsmüll entsorgt. Inzwischen wurde der Filter sogar vom Fraunhofer Institut getestet und zum Patent angemeldet.

Neues Waschmittel ohne Schmirgelstoffe

Mann hält Messbecher mit grünem Waschmittel
Weich zur Wäsche – faserfreundliches Waschmittel | Bild: BR

Oliver Spies und Alexander Nolte verlassen sich im Kampf gegen Mikroplastik übrigens nicht allein auf ihren Wäschefilter. Zusätzlich zum "Guppy Friend" haben sie ein gewässerverträgliches Waschmittel entwickelt. Normale Waschmittel enthalten Schlacken, feinste Gesteinspartikel, die die Wäsche sauber machen, aber eben auch Fasern abbrechen lassen. Das ist bei ihrem Waschmittel anders. Es ist frei von aggressiven Tensiden und sogenannten Schmirgel-Stoffen. So schont es Gewebe und Umwelt.

Die beste Maßnahme gegen Mikroplastik wäre es, ganz auf Kleidung mit synthetischen Mikrofasern zu verzichten. Alexander und Oliver haben für ihren Surfshop Kapuzenpullis aus Baumwoll-Frottee entworfen – komplett kunststofffrei und trotzdem saugfähig wie ein Handtuch. Auch andere Ökolabels bieten inzwischen Funktionskleidung aus Baumwolle oder Merinowolle an. Es sind alles nur kleine Maßnahmen, aber zusammen ein großer Schritt im Kampf gegen Mikroplastik im Abwasser.

Wie viel Mikroplastik ist im Gully?

Forscher fegt mit Handbesen Straßenstaub auf Papier
Mikroplastik im Straßen-Kehricht | Bild: BR

Allerdings ist die Waschmaschine nicht die einzige Eintragsquelle für Mikroplastik ins Abwasser: Daniel Venghaus von der TU Berlin forscht auf der Straße - genauer gesagt im Gully. Denn am Straßenrand kommt ein regelrechter Cocktail aus Plastikpartikeln an: Abrieb von Autoreifen, feinst gemahlener Plastikabfall, undefinierbarer Staub. Doch auch der Wind trägt jede Menge unterschiedliche Stoffe heran. Um den Plastikmix zu untersuchen, haben die Forscher große Filterkartuschen in den Gully eingesetzt, der die Kunststoffe zurückhalten soll. Könnten solche Filtersysteme helfen, das Plastikproblem in den Griff zu bekommen?

Wissenschaftler mit Laptop an einem Kanalschacht
TU Berlin: Forschen im Untergrund. | Bild: BR

Um die Mikroplastikfilter zu optimieren, erheben die Forscher auf der Berliner Clayallee jede Woche Messdaten – in einem extra für die Versuchsreihe umgebauten Schacht am Straßenrand. Immer wenn es regnet, zieht ein automatisiertes System mit Sensoren im Schacht Proben des Regenwassers, nachdem es durch den Filter gelaufen ist. So können die Wissenschaftler erkennen, wie gut die Filter arbeiten. "Was eine wesentliche Rolle spielt, ist die Trockenzeit, das heißt, wie lange war Zeit, damit sich Feststoffe auf der Straße ansammeln können – und dann ist natürlich die Regenintensität und die Regendauer von wesentlicher Bedeutung, weil dann die Feststoffe, die sich über eine kurze oder lange Zeit gesammelt haben, abgespült werden können", erklärt Daniel Venghaus. Wenn die Forschungen abgeschlossen sind, sollen die Gully-Filter an besonders befahrenen Straßen der Hauptstadt eingesetzt werden.

Autor: Boris Geiger (BR)

Stand: 04.09.2018 21:54 Uhr

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Bayerischer Rundfunk
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