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Von Mondbasen und anderen militärischen Geheimnissen

PlayUS-Flagge auf dem Mond
Von Mondbasen und anderen militärischen Geheimnissen | Video verfügbar bis 30.03.2024 | Bild: NASA

Über Jahrtausende hinweg war die Frage nach dem praktischen Nutzen des Mondes für die Menschen recht einfach zu beantworten: ein treuer Begleiter der Erde, der etwas Licht in der Dunkelheit der Nacht spendet. Mit der Entwicklung des Raketenantriebs aber zog der Erdtrabant eine Fülle von Erwartungen und Hoffnungen auf sich.

Auf zu neuen Horizonten

Ein Vorstoß zum Mond sollte Wissenschaftlern ein tieferes Verständnis der Naturgesetze ermöglichen. Neue Horizonte schienen in Reichweite: ferne Rohstoffquellen oder Kolonien im Weltraum. Hoffnungen, die sich jedoch als zu optimistisch erweisen sollten. 50 Jahre nach der ersten Mondlandung hat sich ein Befund des Philosophen Günther Anders als zutreffend erwiesen. Der stellte 1970 in seiner Schrift "Blick vom Mond" fest, das entscheidende Ereignis der Raumflüge sei nicht das Erreichen des Mondes gewesen, sondern die Entdeckung der Erde als kostbaren und verletzlichen Planet in der endlosen Wüste des Weltraums. Fotos, die den Aufgang der Erde über der Mondoberfläche zeigen, wurden zu Symbolbildern einer Umweltbewegung, die sich in der Folge rund um den Globus zu formieren begann.

Kampfstation am Nachthimmel

Detailskizze zum Bau einer Mondbasis
Detailskizze zum Bau einer Mondbasis, US-Geheimprojekt "Horizon". | Bild: National Security Archive

Zu Beginn der 1950er-Jare, im martialischen Säbelrasseln des Kalten Krieges, hatte niemand Geld übrig für Menschheitsträume – etwa für Raumschiffe, die Kurs auf den Mond nehmen. Die Supermächte gierten stattdessen nach Raketen, die vor allem Atombomben ins Ziel bringen sollten. Und als die Sowjets mit Yuri Gagarin den ersten Menschen in eine Erdumlaufbahn schossen, fürchtete man in den USA, bald könnten auch gegnerische Nuklearsprengköpfe aus dem Orbit fallen.

Es war eine Zeit, in der der Mond zum strategischen Studienobjekt für Militärs wurde. So planten etwa die Amerikaner im Rahmen des Geheimprojekts "Horizon" im Jahre 1959 eine bemannte Basis auf dem Mond. Deren Zweck: Relaisstation für weltumspannenden Militärfunk und Feuerstellung für Atomraketen. Auch die Wirkung von Atomexplosionen sollte auf dem Mond getestet werden. Konzepte zwischen Irrwitz und den Grenzen des technisch Machbaren, die mit dem Aufkommen der Interkontinentalraketen aber in der Versenkung verschwanden. Womit das Thema "militärische Nutzung" aber nicht vollkommen abgeschlossen war. In den 1960er-Jahren wickelten US-Spionageschiffe ihren Funkverkehr über den Mond ab. Das System TRSSCOM nutzte dessen Oberfläche als Signal-Reflektor und verband so die Schiffe mit Funkstationen an Land.

Sprungbrett zum Mars

Animation: Raumschiffe
Raumschiffe | Bild: Chesley Bonestell

Für Raumfahrt-Pioniere wie Wernher von Braun hatte der Flug zum Mond in den 1950er-Jahren keine Priorität. Viel wichtiger als der Mond galten Weltraumstationen im Erdorbit, die als Sprungbretter für die Flüge hinaus in die großen Weiten des Weltraums dienen sollten. Den Mond, so formuliert der Raumfahrt-Historiker Tilmann Siebeneichner, wollte man damals "quasi links liegenlassen" auf dem Weg zum Mars, einem weitaus lohnenderen Ziel.

Der Mond als Trophäe

US-Flagge auf dem Mond
Apollo 11: US-Flagge auf dem Mond  | Bild: NASA

Der Wettlauf zum Mond zwischen den USA und der Sowjetunion entsprang im Wesentlichen der ideologischen Konfrontation des Kalten Krieges. Allein um die wissenschaftliche Neugier zu stillen, hätte der US-Kongress für das Apollo-Programm keine 24 Milliarden Dollar (120 Milliarden Dollar in heutigen Preisen) bewilligt. Die Triebfeder war eine andere: Als Neil Armstrong 1969 seinen Fuß auf den Erdtrabanten setzte, untermauerten die USA damit ihren Großmacht-Status auch im Weltraum. Ein Prestigegewinn, den Moskau als schweren Rückschlag im Propaganda-Gerangel des Kalten Krieges hinnehmen musste.
Wie gering der wirtschaftliche Nutzen von Mondmissionen eingeschätzt wurde, zeigte sich bereits 1972. Mit Apollo 17 beendeten die USA die Ära bemannter Mondmissionen nach nur drei Jahren und setzten fortan auf Raumstationen im erdnahen Orbit.  

Zurück zum Mond?    

Menschen auf dem Mond
Science Fiction – Menschen auf dem Mond | Bild: Klaus Bürgle

Heute, ein halbes Jahrhundert nach Apollo 11, erleben wir eine Renaissance von Raumfahrtmissionen zum Mond. Doch vieles davon mutet an wie ein Déjà-vu. Die NASA will via Mond in Richtung Mars aufbrechen, die ESA propagiert ein "Moon Village" für Forscher. In der Diskussion sind auch Radioantennen, die vom Mond weit hinaus ins Weltall horchen – unter anderem um gefährliche Asteroiden aufzuspüren.

Trotz gelegentlicher Ernüchterung, die Zugkraft des Mondes scheint ungebrochen. Nicht nur staatliche Weltraumagenturen setzen auf ihn, sondern längst auch Privatunternehmen. Seit Februar 2019 ist eine israelische Sonde unterwegs, die auf dem Mond landen soll. Treibende Kraft hinter dem Projekt ist ein Milliardär, der Vorbildern wie Elon Musk oder Richard Branson nacheifert. Superreiche, die mit Raumfahrtambitionen letztlich Marketing in eigener Sache betreiben. Es geht – wie damals zwischen den Supermächten des Kalten Krieges – um Aufmerksamkeit und Prestige.

Autor: Rudolf Peter (SWR)

Stand: 22.03.2019 13:57 Uhr

Sendetermin

Sa, 30.03.19 | 16:00 Uhr
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Produktion

Norddeutscher Rundfunk
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