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Der Onlinebestatter

PlayWerbeplakat
Der Onlinebestatter | Video verfügbar bis 24.11.2023 | Bild: SWR

Björn Wolff will Deutschlands größter Bestatter werden. Sein Weg dahin: ein digitales Bestattungshaus, wie er es nennt. Dort kann jeder kann seine Bestattung online planen, egal ob Feuer- Erd-, See- oder Baumbestattung. Der Kunde klickt wie im Web-Shop alles an. Der persönliche Kontakt zu einem Bestatter vor Ort kann der Angehörige zusätzlich buchen. Will der Kunde das nicht, kann er die Bestattung komplett digital und in Ruhe von der Couch aus abwickeln. Kommt das Konzept bei den Menschen an? Und müssen sich traditionelle Bestatter anpassen?

Bestatter-Beruf kommt vom Schreiner-Handwerk

Im badischen Rheinau wird noch traditionell bestattet. Hier arbeiten Rolf Hummel und sein Sohn Christian in einem kleinen Familienunternehmen. Alles noch wie früher, wenn der Kunde es möchte. Er kann sogar den selbstgeschreinerten Sarg bei der Familie bestellen. 30 Stück pro Jahr fertigt die Werkstatt noch an – jeder ein Unikat und aus regionalen Hölzern. Inzwischen werden viele Särge industriell hergestellt. Rolf Hummel sieht, wie es in seiner Region immer weniger Bestatter gibt: "Einstmals waren wir im Ort sieben Schreinereien und jeder hat Bestattungen durchgeführt." Doch jetzt gibt es im Ort nur noch zwei Bestatter und der Betrieb Hummel ist der einzige mit Schreinerei. Ursprünglich kommt der Bestatter-Beruf vom Schreiner-Handwerk. Noch der Großvater von Rolf Hummel ist zur Familie eines Verstorbenen gefahren und hat dann einen Sarg nach Maß gezimmert. Heute finden viele kleine Handwerker-Betriebe nur schwer Nachfolger und müssen schließen.

Zimmerei
Er zimmert in seiner Werkstatt die Särge noch selbst: Bestatter Rolf Hummel aus Rheinau. | Bild: SWR

Dazu kommt eine stärkere Konkurrenz durch das Internet. Rolf Hummel muss daher selbst im Internet zu finden sein – vor Kurzem hat er erst seine Homepage auf den neusten Stand gebracht. Doch ist die digitale Bestattung, wie Björn Wolff sie betreibt, die Zukunft? Sollte er mit Björn Wolff zusammenarbeiten? Denn schließlich nimmt die Digitalisierung wie in allen Branchen zu. Rolf Hummel testet das Angebot des Online-Unternehmens und plant probeweise seine eigene Beerdigung.

"Alle vier Minuten stirbt ein Badener"

Währenddessen läuft eine Plakataktion des digitalen Bestattungshauses an, bei der Aufregung programmiert ist. In Villingen-Schwenningen steht auf metergroßen Plakaten: "Alle vier Minuten stirbt ein Badener". Björn Wolff will so auf sein Unternehmen aufmerksam machen. Einige Passanten finden es einen guten Denkanstoß: "Schon auch ein bisschen provokativ. Aber ich finde das auch nicht schlecht, dass man sich Gedanken darüber macht." Andere sind da eindeutiger im Urteil: "Werben darüber finde ich Blödsinn, weil jeder sowieso sterben muss. Und daraus ein Geschäft zu machen finde ich ekelhaft."

Unternehmer Björn Wolff nimmt die Kritik gelassen, hat er doch auch eine Mission mit seiner offensiven Werbung: "Hänge ich da einfach auf 'Bestattungsinstitut mymoria - Wir helfen Ihnen', haben wir als Deutsche solche Scheuklappen mittlerweile bei diesem Tabuthema." Er will wachrütteln und natürlich bei den Menschen ankommen. Für ihn ist die Bestattung im Internet die Zukunft – wie der Alltag der Menschen generell digitaler geworden ist. Inzwischen habe das Unternehmen etwa 1.000 Bestattungen, die es betreut.

Online-Bestatter zu unpersönlich?

webSeite mymoria
Ganz bequem von zu Hause: Die Online-Bestattung ist inzwischen über verschiedene Portale möglich. | Bild: SWR

Doch wie läuft der Test bei Rolf Hummel. Er fand den Bestatter intransparent – er habe bei einem Telefonat nachgefragt, wo der nächste Partner-Bestatter ist, oder wie die Preise für den Einzelposten aussehen. Aber er bekam keine Auskunft, so seine Aussage.  Am Ende stehe nur ein Gesamtpreis und nicht wie er sich zusammensetzt. Zum anderen fand er Anrufe des Berliner Unternehmens als unangebracht – zum Beispiel klingelte das Telefon am nächsten Tag, als er mit seiner Firma auf einer Baustelle unterwegs war.

Zu unpersönlich findet Rolf Hummel den Online-Bestatter. Zwar glaubt auch er, dass sich manches im Bestattungsbereich mehr in Richtung Digitalisierung ändern wird. Für ihn ist die Zusammenarbeit mit einem Online-Bestatter zurzeit noch nicht vorstellbar. Für ihn sei die Beratung vor Ort keine Option, die man einfach an- oder wegklickt, sondern das Gespräch mit den Angehörigen gehöre immer dazu.

Autorin: Kerstin Pasemann (SWR)

Stand: 24.11.2018 15:40 Uhr

Sendetermin

Sa, 24.11.18 | 16:00 Uhr
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Bayerischer Rundfunk
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