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Pendler: Parkplatzsuche kostet Zeit und Geld

PlayUltraschallsensoren suchen im Vorbeifahren Parklücken.
Pendler: Parkplatzsuche kostet Zeit und Geld | Video verfügbar bis 28.10.2022 | Bild: NDR

Mit dem Auto schnell das Ziel erreichen, das ist die eine Herausforderung für Pendler. Doch dort angekommen – egal ob bei der Arbeit oder zuhause – stehen sie gleich vor dem nächsten Problem: Die Parkplatzsuche ist vielerorts ein Spießrutenlauf. Wer am Ziel angekommen noch ständig um den Pott kurven muss, strapaziert die Nerven, verliert 40 Stunden Lebenszeit pro Jahr und vergeudet Benzin. Rund die Hälfte der Verkehrsstockungen ließe sich Schätzungen zufolge vermeiden, wenn der Parksuchverkehr deutlich reduziert wäre.

"Smart Parking" – ein wachsender Markt

Von drei Autos, die in der Stadt unterwegs sind, sucht mindestens eines gerade einen Parkplatz. Das ist nicht erst seit gestern so, doch der verkehrspolitisch erwünschte Umstieg auf öffentlichen Nahverkehr und der schleichende Abbau von kostenlosen Stellplätzen in vielen deutschen Innenstädten steigert die Herausforderung. Mehr Parkplätze sind keine Lösung, denn dadurch wird nur immer noch mehr Verkehr generiert. Industrie und Wirtschaft haben das Problem erkannt: "Smart Parking" ist ein wachsender Markt, dem eine Studie des Beratungs-Unternehmen Frost & Sullivan bis 2025 ein Volumen von 43 Milliarden US-Dollar weltweit prophezeit.

Apps helfen bei der Parkplatzsuche

Auf einem Smartphone werden freie Parkplätze in einer Stadt angezeigt
Mit der App "ParkU" lassen sich Privat- und Firmenparkplätze vorab reservieren. | Bild: NDR

Eine Reihe von Handy-Apps versprecht nun Hilfe bei der lästigen Suche. Start-Ups wie "ParkU" oder "Ampido" erschließen ihren Nutzern durch "Parkplatz-Sharing" neue Stellflächen. Die Idee: Wer seinen Parkplatz gerade nicht selbst braucht, vermietet ihn kurzzeitig an andere Nutzer. Die Anbieter – in der Regel Privatpersonen, Hotels, Hausverwaltungen oder Firmen – können über die Plattformen freie Zeiten und Preis festlegen. Die Nutzer reservieren die Stellplätze über die Apps und können mithilfe ihres Smartphones teilweise sogar Schranken und Tore öffnen. Je mehr Leute mitmachen, desto besser funktionieren "ParkU", "Ampido" und Co. Noch allerdings ist die Zahl der mietbaren Plätze mit wenigen Tausend in ganz Deutschland überschaubar und beschränkt sich zudem vor allem auf Großstädte.

Sensortechnik zeigt freie Plätze an

Energieautarke Sensorstreifen des Münchener Start Ups "Park Here" werden im Stellplatz eingebaut.
Das Münchener Start Ups "Park Here" nutzt energieautarke Sensorstreifen. | Bild: Park Here

Doch was ist mit den geschätzten 1,1 Millionen öffentlichen Parkplätzen am Straßenrand? Wie ließe sich in Echtzeit feststellen, welcher gerade frei ist? Das geht mit Sensortechnik, die die zentrale Überwachung von Stellplätzen ermöglicht. Das Prinzip ist dabei gleich, egal ob die Sensoren in den Boden eingelassen werden oder Radartechnik mehrere Plätze von oben überwacht: Die Systeme registrieren, ob ein Platz besetzt ist und zeigen freie Flächen für die Suchenden über App oder Navi in Echtzeit an.

Bei einem Pilotprojekt in mehreren Innenstadtvierteln von San Francisco 2011 konnte der flächendeckende Einsatz von Parksensoren letztendlich nicht überzeugen. Ein Grund: Den Sensorbatterien ging frühzeitig der Saft aus. Positive Effekte sehen Experten dort, wo es darum geht, viele Autos auf ausreichend vorhandenen Parkplätzen zu verteilen: An Flughäfen oder auf Mitarbeiterparkplätzen könnte der Parksuchverkehr so deutlich reduziert werden – vorausgesetzt, alle Suchenden werden über die freien Plätze informiert.

Das Auto als Parkplatzsuchmaschine

Ultraschallsensoren suchen im Vorbeifahren Parklücken.
Ultraschallsensoren suchen im Vorbeifahren Parklücken. | Bild: NDR

Einen ganz anderen Ansatz verfolgt der deutsche Hersteller Bosch mit seinem Projekt "Community-based Parking": Hier wird das Auto selbst zur Parkplatzsuchmaschine. Die heute schon in jedem dritten Neuwagen verbauten Ultraschallsensoren des Einparkassistenten scannen dabei ständig den Straßenrand ab. Finden sie eine Lücke, wird die Information anonymisiert an eine Online-Datenbank gesendet.

Die größte Herausforderung dabei ist es, reguläre Parkplätze von Einfahrten, Bushaltestellen oder Behindertenparkplätzen zu unterscheiden. Je mehr Autos Daten sammeln, desto genauer wird die Information: Wenn viele Autos melden, dass ein Lücke immer frei ist, ist es mit hoher Wahrscheinlichkeit kein legaler Stellplatz. Über das Navi sollen alle Autofahrer, die das System nutzen, die gefundenen freien Plätze gezielt ansteuern können. Spätestens 2019 soll das System in mehreren Großstädten wie Stuttgart, Berlin und München an den Start gehen.

Doch auch wenn langsam Bewegung in das Geschäft mit dem ruhenden Verkehr kommt, die Zahl der kostenlosen Parkplätze wird dadurch nicht größer. Wenn einzelne Fahrer mithilfe von Apps oder Sensortechnik schneller einen Parkplatz finden, müssen die anderen Autos dafür umso länger kurven.

Autorin: Annette Schmaltz (NDR)

Stand: 27.10.2017 14:29 Uhr