SENDETERMIN Sa, 01.09.18 | 16:00 Uhr | Das Erste

Was tun gegen die Plastikflut im Supermarkt?

PlayBiogurke im Plastikmantel
Was tun gegen die Plastikflut im Supermarkt? | Video verfügbar bis 01.09.2023 | Bild: BR

Bananen in Plastiksäckchen, in Folien eingeschweißtes Bio-Gemüse – in deutschen Supermärkten finden sich immer wieder überflüssige und bisweilen skurrile Verpackungen, auf die der Konsument und die Welt gut verzichten könnten. Rund 37 Kilo Plastikmüll verbraucht jeder Deutsche durchschnittlich pro Jahr. Ein Großteil davon wäre leicht zu vermeiden. Doch trotz zunehmender Kritik der Verbraucher und Druck durch die deutsche Verpackungsverordnung kommt die Eindämmung der Plastikflut gerade auch im Lebensmitteleinzelhandel nur schleppend voran. Doch warum tun sich viele Supermärkte so schwer, auf überflüssige Verpackungen zu verzichten – und wie können wir Konsumenten den Müllberg aus Plastikabfällen nach jedem Einkauf ein wenig kleiner halten?

Verpackungsfreie Supermärkte für Idealisten

Verpackungsfreier Supermarkt
Verpackungsfreie Supermärkte zeigen, dass es auch ohne Plastik geht. | Bild: BR

Verpackungsfreie Supermärkte bieten heute in vielen deutschen Städten ihren Kunden die Möglichkeit, einen eigenen Beitrag zur Vermeidung von Verpackungsmüll zu leisten. Hier kann man sich alle Lebensmittel in selbst mitgebrachte Behältnisse abfüllen. Auch sorgen durchdachte Verwertungskreisläufe dafür, dass trotz der verkürzten Haltbarkeitsdauer von unverpackten Lebensmitteln nichts weggeworfen werden muss. Im "Ohne-Laden" in München wird beispielsweise Obst und Gemüse vor Ablauf seiner Haltbarkeit zu Eintöpfen verkocht, die im angeschlossenen "müllfreien Bistro" angeboten werden.

Doch das Angebot solcher kleinen Läden ist überschaubar, zudem können sie nur mit relativ hohen Preisaufschlägen überleben. Trotzdem wird das Angebot gut angenommen, die jungen Startups haben bei vielen  Menschen, die ökologisch verantwortungsbewusst Leben möchten, den Nerv der Zeit getroffen. Sie zeigen mit ihrem Engagement auch den großen Supermarktketten Möglichkeiten auf, dass Plastikvermeidung möglich ist – wenn man es nur will.

Verbesserungen mit Hindernissen

Fleischtheke in einem Supermarkt
Einige Supermärkte experimentieren bereits mit Möglichkeiten, Fleisch- und Wurstwaren in vom Kunden mitgebrachte Behälter abzugeben. | Bild: BR

Dem zunehmend schlechten Image von Plastikverpackungen möchten auch die großen deutschen Lebensmitteleinzelhändler entgegentreten. In einem Supermarkt in Dreieich im Raum Frankfurt läuft beispielsweise derzeit ein Pilotprojekt, bei dem sich Kunden Aufschnitt und Fleisch an der Frischetheke in selbst mitgebrachte Behälter packen lassen können. Was zunächst relativ simpel klingt, ist in der praktischen Umsetzung allerdings doch recht kompliziert. So darf etwa laut Hygienevorschriften ein mitgebrachter Behälter keinen direkten Kontakt zu den Oberflächen innerhalb des Verkaufsbereichs haben. Deshalb müssen die Mehrwegdosen immer auf einem Tablett über die Verkaufstheke gereicht werden. Konsequente Hygiene ist wichtig – auch um etwaige Haftungen zu vermeiden, wenn etwa ein Kunde an einer Lebensmittelvergiftung erkrankt, und nicht klar ist, ob verdorbene Ware, oder eine unsaubere Dose dafür verantwortlich ist.

Plastik – einfach nur zu billig?

Plastikverpackungen auf einem Tisch
Die zunehmen Anzahl von Singlehaushalten, aber auch unsere modernen Lebensgewohnheiten sorgen für immer kleinere Portionsgrößen und aufwändig verpachte Fertigprodukte. | Bild: BR

Oft sind es allerdings nicht etwa zu strenge Hygienevorschriften oder der Mangel an Alternativen, die überflüssige Plastikabfälle produzieren, sondern Verkaufsstrategien. Etwa dann, wenn nur wenige Gramm einer Süßigkeit in aufwändigen Plastikverpackung daherkommt. Diesen Trend zu "Miniaturisierung" kritisiert beispielsweise auch die Deutsche Umwelthilfe. Sie sieht in den Miniportionen eine Möglichkeit, weniger Wahre zu einem höheren Preis verkaufen zu können. Allerdings wäre das nicht möglich, wenn Pappe, Aluminium und Plastik deutlich teurer wären. "Plastik ist einfach zu billig" lautet das Fazit von Thomas Fischer, einem Experten der DUH.

Auch das Umweltbundesamt belegt mit seinen Studien einen klaren Trend zu immer stärker portionierten Lebensmitteln. Die Gründe dafür seinen aber vor allem auch auf die demografischen Entwicklung und auf Veränderungen in unserem Konsumverhalten zurückzuführen. Die immer noch andauernde Zunahme von Single- und Seniorenhaushalten, aber auch veränderten Lebensgewohnheiten hätten einen Anstieg von kleinen Packungsgrößen, aber auch der mit reichlich Plastik ausgestatteten verzehrfertigen Salate oder Obstzubereitungen zur Folge.

Es gibt Fortschritte

Doch trotz aller berechtigten Kritik an dem derzeitigen Verpackungsaufkommen in Deutschland gibt es Erfolgsmeldungen: Heute haben fast alle großen Lebensmittel-Einzelhadelsketten in Deutschland Plastiktüten inzwischen aus ihrem Angebot entfernt oder planen entsprechende Schritte. Ein weltweiter Vorreiter in Sachen Umweltschutz ist man damit allerdings nicht. Zahlreiche Entwicklungsländer wie etwa Bangladesch, Papua-Neuguinea und viele afrikanische Staaten, die zu den ärmsten der Welt gehören, haben Plastiktüten längst vollständig verboten. Auch wenn es hierzulande bei der Plastikvermeidung noch viele Baustellen gibt, ist Deutschland in einigen Bereichen durchaus Weltspitze: Dank unserem Pfandsystem können beispielsweise Plastikflaschen bis zu 25 Mal wiederverwertet werden. Auch landen hier Plastikabfälle eher selten in der freien Natur: So wurden im Jahr 2016 in Deutschland 99,8 Prozent aller Plastikabfälle entweder wiederverwertet oder verbrannt.

Autor: Frank Bäumer (BR)

Stand: 04.09.2018 21:54 Uhr

Sendetermin

Sa, 01.09.18 | 16:00 Uhr
Das Erste

Produktion

Bayerischer Rundfunk
für
DasErste