SENDETERMIN Sa., 16.02.19 | 16:00 Uhr | Das Erste

Mit Profiling gegen Einbrecher: Großoffensive in Hamburg

PlayEin Mann sucht Spuren an einem Auto
Mit Profiling gegen Einbrecher: Großoffensive in Hamburg | Video verfügbar bis 16.02.2024 | Bild: NDR

2015 gab es in Hamburg über 9.000 Wohnungseinbrüche – ein sprunghafter Anstieg um 1.500 Delikte im Vergleich zum Vorjahr. Die Aufklärungsquote lag bei mageren 8,7 Prozent. Doch dann startete die Polizei der Hansestadt eine regelrechte Großoffensive. Sie gründete die Soko Castle. Eine Sonderkommission, die mit neuen Methoden und viel Personal gegen die Täter antrat. Mit Erfolg: Innerhalb von drei Jahren hat sich die Zahl der Einbrüche in Hamburg fast halbiert. Die Soko Castle ist mittlerweile eine eigene Dienststelle (LKA 19) geworden. Nahezu das gesamte Instrumentarium der Polizeiarbeit wird genutzt.

Mit Strategie gegen organisierte Kriminalität

Ein Mann sucht Spuren an einem Auto
Ein von Einbrechern gestohlenes Auto wird auf DNA-Spuren und Fingerabdrücke untersucht. | Bild: NDR

Die Beamten analysieren täglich die Einbrüche im gesamten Stadtgebiet und im angrenzenden Umland. Sie suchen nach Mustern, Ähnlichkeiten, Parallelen: Wie kamen die Täter ins Haus? Welche Werkzeuge benutzten sie, gingen sie professionell und effizient vor oder eher dilettantisch? Gibt es noch mehr Tatorte in der Nähe? War es eine Tätergruppe oder ein Einzeltäter? Haben die Einbrecher gezielt nach bestimmten Dingen gesucht, zum Beispiel teuren Gemälde oder anderen Kunstgegenständen? Dann könnten sie das Objekt vorher sorgfältig ausgekundschaftet oder einen Tipp bekommen haben.

Neben der normalen Spurensicherungsarbeit nehmen die Beamten auch DANN-Proben von Gegenständen, die die Täter angefasst haben müssen. Der Aufwand lohnt sich. So können ganze Einbruchsserien nachgewiesen werden. Auch wenn die Identität der Einbrecher dabei noch nicht geklärt wird – sobald ein Täter der Polizei in anderem Zusammenhang ins Netz geht und "erkennungsdienstlich behandelt" wird, also seine Fingerabdrücke und DNA genommen werden, haben sie ihn. Egal, wo im Bundesgebiet er aufgegriffen wurde. Und für Serientäter fallen Haftstrafen in der Regel drastischer aus als bei Einzeltaten.

Aufsuchende Polizeiarbeit

Auf einem Stadtplan sind Tatorte eingezeichnet
Eingezeichnete Tatorte einem Stadtplan Hamburgs. | Bild: NDR

Neben der strategischen Analyse von Einbrüchen, versuchen die Beamten auch, den Tätern einen Schritt voraus zu sein. Sie observieren mit Zivilfahndern und MEK-Einheiten bekannte Treffpunkte von Einbrecherbanden, zum Beispiel Kneipen, Kulturvereine oder Wettlokale. Dabei dokumentieren sie auch, mit wem sich bereits identifizierte Straftäter treffen, wo sie wohnen und wo sie ihr Diebesgut absetzten. Es folgen Telefonüberwachungen und zeitintensive Observationen. Manchmal kann man einen Täter "zu einer Tat begleiten", wie die Polizei augenzwinkernd sagt. Dann klicken die Handschellen.

Internationale Fahndung

Polizisten bei einer Besprechung
Rund 40 Beamte analysieren jeden Tag die Einbrüche des Vortages auf Muster und Serien. | Bild: NDR

Aber die Ermittler ziehen nicht nur hierzulande Einbrecher aus dem Verkehr. Reisende Banden verfolgen sie zuweilen auch bis in ihre Heimatländer. So gab es in der Vergangenheit mehrfach Polizeieinsätze auf dem Balkan mit deutscher Beteiligung. Der Leiter vom LKA 19, Michael Neumann formuliert das so: "Die Täter sollen spüren, dass wir sie bis in ihre Heimat jagen und ihnen da auch empfindlich auf den Pelz rücken".

Vertreibung aus dem Paradies

Blick aus dem Auto in eine beleuchtete Straße am Abend
Ein Observationsteam in Zivil sucht nach polizeibekannten Einbrechern. | Bild: NDR

Offenbar hat sich in der Szene mittlerweile herumgesprochen, dass die Polizei in Hamburg mit massivem Aufwand gegen Einbrecher vorgeht. Die Zahlen sinken. Vermutlich weichen die Ganoven lieber ins Umland aus. Die Täter tauschen sich immer besser aus, vernetzen und professionalisieren sich. Ein Erkenntnisgewinn aus abgehörten Telefonaten: Einbrecherbanden kommen aus dem Ausland zu uns, weil "hier viel zu holen und die Häuser lächerlich schlecht gesichert sind", wie ein Täter seinen Komplizen am Telefon vorschwärmte. Dagegen zumindest lässt sich etwas machen. Die Polizei bietet kostenlose Beratungen zum Thema Einbruchschutz an.

Autor: Björn Platz (NDR)

Stand: 16.02.2019 15:51 Uhr