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Gefahr aus dem Erdreich – was tun gegen Radon?

PlayGrafik: Radon-Schwaden steigen auf
Gefahr aus dem Erdreich – was tun gegen Radon? | Video verfügbar bis 22.06.2024 | Bild: WDR

Man kann es weder sehen, noch riechen oder schmecken: das Edelgas Radon. Klingt vornehm, ist aber gefährlich. Denn: Radon ist radioaktiv und – nach dem Rauchen – der zweitgrößte Risikofaktor für Lungenkrebs in Deutschland. Der Grund: Radon kann sich in der Raumluft von Gebäuden ansammeln und das Lungengewebe schädigen. Wenn höhere Konzentrationen gemessen werden, sollten deshalb Gegenmaßnahmen ergriffen werden…

Edelgas aus dem Erdreich

Grafik: Eine Person atmet Radon ein
Radon erhöht das Risiko für Lungenkrebs. | Bild: WDR

Radon entsteht im Erdreich durch den natürlichen Zerfall von Uran. Gasförmig bahnt es sich seinen Weg zur Erdoberfläche. Dort verteilt und verdünnt es sich in der Umgebungsluft. Da der Urangehalt im Boden regional sehr unterschiedlich ist, unterliegen auch die gemessenen Konzentrationen in der Atemluft einer gewissen Schwankungsbreite. Aber: Nirgendwo in Deutschland kommt es im Freien zu einer besorgniserregenden Belastung. Gefährlich wird es erst, wenn sich Radon in Gebäuden anreichert.

Radon in Häusern – Wie groß ist die Gefahr?

Etwa 1.900 Menschen jährlich sterben laut Berechnungen des Bundesamts für Strahlenschutz in Deutschland an Lungenkrebs infolge von Radon in Wohnungen. Aber wie gelangt es überhaupt dort hin? Durch undichte Stellen im Fundament kann das Gas ins Haus gelangen, sich in der Raumluft ansammeln und dann gesundheitlich bedenkliche Konzentrationen erreichen.

Aber ab wann wird es bedenklich? Als unbedenklichen Richtwert für Innenräume empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation WHO maximal 100 Becquerel pro Kubikmeter Luft. Nach Schätzungen des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) könnte jedes zehnte Wohnhaus in Deutschland im Erdgeschoss diesen Wert überschreiten. Das Lungenkrebsrisiko durch Strahlenschäden im Lungengewebe erhöht sich statistisch pro 100 Becquerel langjähriger Radonkonzentration um etwa 16 Prozent.

Langzeitmessungen bringen Klarheit

Radon-Absauganlage in einem Haus
Radon kann bereits unter dem Haus abgesaugt werden. | Bild: WDR

Wie viel Radon sich in der Raumluft befindet, lässt sich nur über Messungen bestimmen. Und die sollten über längere Zeiträume, am besten ein ganzes Jahr, hinweg laufen. Der Jahresmittelwert ist am verlässlichsten, denn die Radonkonzentration im Haus kann je nach Saison und Wetterlage kurzzeitig auch stark schwanken. Zertifizierte Radonfachpersonen können bei der Messung und der Interpretation helfen. Denn bei Werten von mehreren Hundert oder gar Tausend Becquerel pro Kubikmeter sollten aus gesundheitlichen Gründen Gegenmaßnahmen abgewogen werden.

Wie wird man das Radon wieder los?

Deutschlandkarte mit Bundesländern und Fragezeichen
In welchen Regionen muss besonders auf Radon geachtet werden? | Bild: WDR

Beim Essener Baubiologen Dr. Thomas Haumann ist ein alter Abfluss im Kellerboden die Radon-Schwachstelle. Hier kann das Gas ungehindert aus dem Erdreich in den Hobbykeller eintreten. Es sorgt für Konzentrationen von über 300 Becquerel pro Kubikmeter Raumluft im Jahresdurchschnitt. In den höheren Stockwerken verdünnt sich die Radonkonzentration. Im Erdgeschoss sind es nur noch rund 150 Becquerel pro Kubikmeter.

Um unter die von der WHO empfohlenen 100 Becquerel zu kommen, reicht bei ihm konsequentes Lüften. Doch diese Methode stößt schnell an ihre Grenzen – nicht nur, weil es für die Bewohner sehr aufwendig sein kann, sondern auch weil ständiges Lüften unter energetischen Gesichtspunkten nicht sinnvoll ist. Bei höheren Belastungen können dauerhafte technische Lösungen erforderlich sein. Mit einer Radonabsauganlage beispielsweise wird das Gas aus dem Erdreich unter dem Fundament abgesaugt und über ein Rohrsystem nach außen geleitet. Grundsätzlich ist jedes Haus individuell zu betrachten und abzuwägen, welche Radon-Schutzmaßnahme bei erhöhten Werten die passende ist.

Neue Regelungen im Strahlenschutzgesetz

Im Zuge der Umsetzung einer europäischen Richtlinie ist am 31. Dezember 2018 ein neues Strahlenschutzgesetz in Kraft getreten, das erstmals den Schutz der Bevölkerung vor Radon beinhaltet. Als Referenzwert wurden für Aufenthaltsräume 300 Becquerel pro Kubikmeter festgelegt. Die Höhe dieses Referenzwertes  war ein großes Diskussionsthema. Die WHO empfiehlt, wie erwähnt, Werte von unter 100 Becquerel pro Kubikmeter. Sollte dies jedoch aus landesspezifischen Gründen nicht erreichbar sein, seien maximal 300 Becquerel pro Kubikmeter als Referenzwert akzeptabel.

Der Referenzwert ist kein Grenzwert, sondern gilt als Maßstab, um Handlungsbedarf abzuschätzen. Grundsätzlich gilt es, die Belastung stets so gering wie möglich zu halten. Beim Radonschutz steht Deutschland erst ganz am Anfang. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit hat basierend auf dem Strahlenschutzgesetz nun einen umfangreichen Maßnahmenplan erarbeitet, wie das Thema in den nächsten Jahren Schritt für Schritt angegangen werden soll.

Ausweisung von Radonvorsorgegebieten

CBRN-Erkundungswaagen
Pilotprojekt in Magdeburg: Mobile Strahlenmessung mit  | Bild: WDR

Einer der wichtigsten Punkte ist, erst einmal die genaue regionale Verteilung von Radon zu kennen. Dazu müssen die Bundesländer jetzt feinmaschige Radon-Messungen durchführen. Standardmäßig geschieht das durch punktuelle Bodengasmessungen. So weiß man, ob das Erdreich an einer bestimmten Stelle eher mehr oder weniger Radon freisetzt. Zusätzlich dazu wird auch in Innenräumen gemessen.

Es gibt aber auch noch andere Ideen: In Sachsen-Anhalt erprobt der zuständige Strahlenschutzreferent mit der Hochschule Magdeburg-Stendal, ob die üblichen punktuellen Messungen durch mobile Messungen ergänzt werden können. Erkundungswagen aus dem Katastrophenschutz verfügen unter anderem auch über sehr empfindliche Strahlenmesstechnik. Sie können in Echtzeit, während der Fahrt, GPS-gestützt Strahlungsdaten aufzeichnen, die möglicherweise auch zur Vorhersage von Radonkonzentrationen verwendet werden können.

Bis Ende 2019 sollen die Bundesländer dann auf Basis ihrer Messungen sogenannte Radonvorsorgegebiete ausweisen, in denen das Risiko für dauerhaft erhöhte Radonexposition besonders wahrscheinlich ist. In diesen Gebieten ist dann beispielsweise eine Messpflicht für Arbeitsplätze im Unter- und Erdgeschoss geplant.

Bei Überschreitungen des Referenzwerts sind Arbeitgeber verpflichtet, Maßnahmen zur Reduzierung der Belastung zu ergreifen. Auch für Neubauten gelten nun besondere Vorschriften, um das Radon am Eindringen ins Haus zu hindern. Bei bereits bestehenden Wohnhäusern sind allerdings keine verpflichtenden Maßnahmen in Aussicht – hier wird auf die Verantwortung der Eigentümer vertraut.

Autorin: Clarissa Juse (WDR)

Stand: 21.06.2019 15:54 Uhr

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