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Wie stark ist der Reifenabrieb bei Autoreifen?

PlayEin Auto fährt an zwei Autoreifen vorbei
Wie stark ist der Reifenabrieb bei Autoreifen? | Video verfügbar bis 13.05.2022 | Bild: WDR

Nach einigen Zehntausend Kilometern muss das Auto in die Werkstatt – selbst dann, wenn der Motor reibungsfrei läuft. Der Grund: die Reifen. Diese nutzen sich ab. Im Durchschnitt hält ein Reifen etwa 40.000 Kilometer. Die Profiltiefe nimmt ab, die Haftung auf der Straße verringert sich und damit auch die Verkehrssicherheit.

Bei jeder Fahrt löst sich ein kleiner Teil Gummi

Verantwortlich dafür ist der Abrieb. Durch die Reibung auf der Straße raut sich das Gummi auf, reißt und löst sich vom Autoreifen. Zu sehen ist es meist nur bei starken Bremsspuren auf dem Asphalt. Doch bei jeder Fahrt löst sich ein kleiner Teil Gummi vom Reifen, ohne dass man es sieht. Aber wie viel ist das genau? Es gibt Messungen aus dem Labor und man kann hochrechnen, wie viel Gummi in einem Reifenleben verloren geht, aber wir wollen es vor Augen führen und machen einen Test.

Test im Straßenverkehr statt unter Laborbedingungen

Unseren Test begleitet der Experte Hans-Joachim Unrau vom Karlsruher Institut für Technologie. Unrau erforscht den Abriebsprozess bereits seit Jahren – allerdings unter standardisierten Laborbedingungen. Wie sich die realen Testbedingungen auf den Reifen im alltäglichen Straßenverkehr auswirken, das kann auch er zum Versuchsbeginn noch nicht genau einschätzen.

Mindestens 6.000 Kilometer in sechs Wochen

Reifen werden in einer Autowerkstatt gereinigt
Für die genaue Messung müssen die Reifen von Bremsstaub, Steinchen und Schmutz befreit werden. | Bild: WDR

So wurde der Reifenabrieb noch nicht getestet. Der Versuchsaufbau: Zwei Dortmunder Taxifahrer erhalten je einen Satz neure Allwetterreifen. Wir haben lediglich knapp sechs Wochen Zeit für den Versuch. Deshalb brauchen wir Vielfahrer, die uns helfen. In Reifentest, in denen unterschiedliche Fabrikate miteinander verglichen werden, vergleicht man die Reifen nach einer Strecke von mindestens 10.000 Kilometern miteinander. Wir setzen uns das Ziel, mindestens 6.000 Kilometer zurückzulegen. Dann ist ein deutliches Ergebnis zu erwarten. Wofür andere Autofahrer also etwa ein halbes Jahr brauchen, haben die beiden Taxifahrer lediglich sechs Wochen Zeit. Wir werden die die Reifen einmal vor der Montage und zum Versuchsende wieder wiege. Zu Beginn wiegen sie etwa 9,4 Kilogramm. Das Gewicht, das am Ende fehlt, ist als Abrieb auf der Straße gelandet.

Nach knapp sechs Wochen treffen wir die beiden Dortmunder Taxifahrer wieder. In der Zwischenzeit haben beide mehr als 9.000 Kilometer zurückgelegt – ausreichend, um einen deutlichen Abrieb zu messen. Nun müssen die beiden Fahrzeuge wieder in die Reifenwerkstatt, damit die Reifen erneut gewogen werden können. Was sie an Gewicht verloren haben, entspricht dem Reifenabrieb. Dafür müssen die Reifen jedoch zuerst von Schmutz und Restpartikeln befreit werden, die die Messung verfälschen können. Steinchen werden aus dem Profil gelöst und Bremsstaub und Dreck mittels Ultraschall entfernt. Was dann auf die Waage kommt, ist einzig und allein der Reifen.

Mehr als ein Kilogramm Gummi abgefahren

Moderator Burkhardt Weiß mit Experte hinter einem Reifenstapel
Am Ende werden die Reifen gewogen, um den Abrieb zu messen. | Bild: WDR

Die beiden Taxifahrer haben in den Wochen unterschiedliche Fahrgäste an ihr Ziel gebracht und sind dabei unterschiedliche Strecken und Distanzen gefahren. Für einen genauen Vergleich müssen die gewogenen Unterschiede daher auf dieselbe Kilometerzahl umgerechnet werden. Das Ergebnis: Beide Fahrer haben auf einer Strecke von 12.000 Kilometern pro Fahrzeug mehr als ein Kilogramm Gummi abgefahren. Der höhere Wert der beiden liegt bei 1,3 kg.

Die Messungen zeigen, dass der Abrieb an den vorderen Reifen deutlich stärker ist. Dort haben die Reifen bis zu viermal mehr Gewicht verloren. Der Wissenschaftler Hans-Joachim Unrau erklärt: "Vorne wird der Wagen angetrieben und dort wirkt auch die größte Bremskraft."

Mit 12.000 Kilometern Fahrleistung entspricht die Versuchsdistanz schon beinahe der Strecke, die ein deutsches Auto pro Jahr im Durchschnitt zurückliegt. Ein Reifen, der etwa das Dreifache an Kilometern in seinem Leben zurücklegt, verliert dementsprechend insgesamt etwa drei Kilogramm an Gewicht. Dieser feine Abrieb verteilt sich dann auf den Straßen und in der Umwelt. Berechnungen ergeben, dass in Deutschland jährlich circa 110.000 Tonnen Reifenabrieb entsteht.

Autor: Mathias Tertilt, Andrè Goerschel (WDR)

Stand: 13.05.2017 15:44 Uhr

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