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Die "Teilzeitforscher": Rover von Berlin-Marzahn zum Mond

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Die "Teilzeitforscher": Rover von Berlin-Marzahn zum Mond | Video verfügbar bis 30.03.2024 | Bild: "Part-Time Scientists"

Das Weltall faszinierte Robert Böhme schon immer, doch zum Astronauten sollte es nicht reichen. Stattdessen studiert er Informatik - und hört 2008 von einem skurrilen Wettbewerb einer Internetfirma. Die Aufgabe: einen Rover auf den Mond bringen. Das Preisgeld: 20 Millionen Dollar. Zusammen mit Freunden und Studienkollegen werkelt er neben dem Studium fünf Jahre lang in Kellern und Garagen, konstruiert Rover um Rover.

Ein paar Hunderttausend Euro Preisgeld haben sie tatsächlich gewonnen, doch nachdem der Wettbewerb ohne Sieger eingestellt wurde (die mehrfach verlängerte Deadline lief am 31. März 2018 ab), finanzieren nun Industriepartner das Berliner Start-up. "Part-Time Scientists" nennt sich das Team um Robert Böhme: "Teilzeitforscher".

"New Space" – aus Berlin

Studenten bauen einen Mondrover
Bis zu 40 Ingenieure und Wissenschaftler sind am Projekt beteiligt. | Bild: "Part-Time Scientists"

Bis zu 40 Ingenieure und Wissenschaftler (darunter auch der Apollo-17-Astronaut Harrison Schmitt) arbeiten jetzt daran, zwei je 35 Kilo schwere Rover auf den Mond zu bringen. Die kalkulierten Kosten der Aktion: 50 Millionen Euro. Bisherige Missionen, nur in den Mondorbit, kosteten mindestens das Doppelte. "Wir nutzen viel Technologie aus der Raumfahrt, die sich schon bei anderen Missionen bewährt hat. Das drückt die Kosten", so Böhme.

Es wäre die erste deutsche Mondlandemission – und dazu noch eine komplett privat finanzierte. Sie soll vor allem zeigen, dass "Part-Time Scientists" aus Berlin-Marzahn die komplexe Materie beherrscht.

Folgemissionen zum Mond sollen dann zu Preisen angeboten werden, die weit unter den Kosten von staatlich geförderten Raumfahrtagenturen liegen. Robert Böhme: "Unser Ziel ist es, das Kilo Nutzlast für eine Million Euro auf den Mond zu bringen!" Großes Vorbild ist der Amerikaner Elon Musk mit seinem Unternehmen Space X. Das erfolgreiche Unternehmen zählt zur "New Space"-Bewegung, die neben den staatlich geförderten Raumfahrtagenturen neue, kommerzielle Wege ins All sucht.

Mission to the moon

Mondlandefähre
Kommt die erste private Mondmission aus Berlin-Marzahn? | Bild: "Part-Time Scientists"

An Bord einer Space-X-Rakete geht es im kommenden Jahr zunächst in den Erdorbit. Von dort soll die Mondlandefähre "Alina" – ebenfalls in Berlin Marzahn entwickelt und gebaut – aus eigener Kraft die rund 400.000 Kilometer zum Mond schaffen und dort sanft landen. Ist das geschafft, sollen die beiden mitgeführten Rover das legendäre Mondauto von Apollo 17 untersuchen.

Mit ihm legten die NASA-Astronauten Gene Cernan und Harrison Schmitt 1972 mehr als 30 Kilometer auf dem Erdtrabanten zurück. Die Kameras der Berliner Rover sollen über Spektralanalysen den Zustand des Mondautos untersuchen. "Wir wollen sehen, wie sich die verschiedenen Materialien geschlagen haben, die Ledergurte, die Plastikschalensitze, was damit passiert ist", so Robert Böhme. Die Ergebnisse könnte eine wichtige Rolle spielen, wenn über geeignete Materialien einer zukünftigen Mondstation entschieden wird.

Berliner Rover besucht Apollo Mondauto

Berliner Rover besucht Apollo Mondauto
Das Ziel: Der Berliner Rover besucht das Apollo Mondauto. | Bild: NDR

Zwar müssten zur genauen Analyse Proben zur Erde gebracht werden, aber die Berliner Stippvisite ist ein Anfang. Allein: Noch fehlt der Beweis, dass die ehrgeizigen Pläne der "Part-Time Scientists" tatsächlich durchführbar sind. 2020 wissen wir mehr. Dann könnte der Erdtrabant Besuch aus Deutschland bekommen – von der ersten privaten Mondmission aus Berlin-Marzahn.

Autor: Georg Beinlich (NDR)

Stand: 22.03.2019 22:36 Uhr

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Norddeutscher Rundfunk
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