SENDETERMIN Sa., 10.02.18 | 04:25 Uhr | Das Erste

Warum schlechte Gewohnheiten so hartnäckig sind

PlayEin Finger bohrt in der Nase.
Warum schlechte Gewohnheiten so hartnäckig sind | Video verfügbar bis 03.02.2023 | Bild: WDR

Neben allen nützlichen Routinen, die uns den Alltag erleichtern, entwickeln Menschen auch Gewohnheiten, die sie lieber loswerden würden. Nägel kauen, Haare drehen oder am Tisch wippen kann lästig werden – und vor allem hartnäckig.

Das Gehirn unterscheidet nicht zwischen guten und schlechten Gewohnheiten

Ein gestresster Mann im Büro.
Gerade in Stresssituationen verfallen wir in alte Verhaltensmuster und Gewohnheiten. | Bild: WDR

Es ist schwer, sich diese Verhaltensweisen wieder abzutrainieren. Das liegt auch daran, dass das menschliche Gehirn nicht zwischen "guten" und "schlechten" Gewohnheiten unterscheidet. Für das Gehirn zählt: Es will daran festhalten, was sich bewährt hat. Der Ursprung liegt vor allem in bestimmten Situationen, mit denen Handlungen verknüpft werden. Das kann beispielsweise eine Stresssituation auf der Arbeit sein. Der Griff zum Schokoriegel könnte damit verbunden sein. Denn da das menschliche Gehirn seit jeher Zucker und kalorienreiche Nahrung liebt, verströmt es beim Essen von Süßigkeiten Glückshormone.

Die Macht des Unterbewusstseins

Eine Schale Obst auf einem Tisch.
Alte Gewohnheiten müssen überlernt werden. Statt automatisch zu Süßigkeiten zu greifen, empfiehlt sich leckeres Obst. | Bild: WDR

Wenn nun aber eine Person in Stresssituationen anfängt zu naschen, wird die Situation als Auslöser mit Naschen verknüpft. Das Gehirn lernt und merkt sich so, dass es eine funktionierende Strategie ist, um die Laune zu bessern und das Wohlbefinden zu steigern. Je häufiger wir genau das tun, desto stärker sind die neuronalen Verbindungen. Jedes Mal verlagert sich dieser Automatismus stärker in tiefere Regionen des Gehirns, bis es völlig vom Unterbewusstsein gesteuert wird. Wohlgemerkt: Für das Gehirn ist es weiterhin eine gute Gewohnheit. Wer sich aber vornimmt, auf Süßigkeiten zu verzichten, der muss nun gegen die Gewohnheiten ankämpfen. Das Problem: Sobald man sich in den bestimmten Situationen befindet, spult das Unterbewusstsein die Gewohnheiten ab.

Studien mit Mäusen haben gezeigt, wie ausgeprägt Gewohnheiten sind. Für den Versuch mussten Mäuse zuerst einen Hebel drücken, um eine Belohnung zu bekommen. Nachdem die Tiere das viele Male wiederholt hatten, legten die Forscher die Belohnung einfach so in den Käfig. Die Mäuse drückten trotzdem immer und immer wieder den Hebel. Die Gewohnheiten sind fest im Unterbewusstsein verankert.

Lassen sich schlechte Gewohnheiten ändern?

Es braucht Zeit, Ruhe und Bewusstsein, um Gewohnheiten wieder loszuwerden. Stress und Ablenkungen führen dazu, dass das Gehirn mit anderen Dingen beschäftigt ist. Allerdings lassen sich Gewohnheiten überlernen, dabei werden die stark vernetzten Hirnverbindungen langsam wieder gelöst und ersetzt. Es bietet sich beispielsweise an, den Auslösereiz mit anderen Handlungen zu verknüpfen. In Stresssituationen kann es etwa helfen, nicht mehr nervös Nägel zu kauen, sondern einen Spaziergang zu machen oder ein paar Treppenstufen zu steigen. Auch das baut Stress ab. So können neue Verknüpfungen im Gehirn entstehen und alte ersetzen.

Außerdem hilft es, die Situationen zu vermeiden und das Umfeld zu verändern. Studien haben gezeigt, dass beispielsweise nach Umzügen besonders wenige Gewohnheiten stattfinden. Ein abwechslungsreicher Alltag kann helfen, alte Gewohnheiten langsam wieder loszuwerden.

Autoren: Mathias Tertilt, Eva Schultes (WDR)

Stand: 01.08.2019 03:25 Uhr

Sendetermin

Sa., 10.02.18 | 04:25 Uhr
Das Erste

Produktion

Bayerischer Rundfunk
für
DasErste