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Das Verschwinden der Schmetterlinge

PlayBlaue Schmetterlinge aufgenadelt in einem Schaukasten
Das Verschwinden der Schmetterlinge  | Video verfügbar bis 06.10.2023 | Bild: SWR

Am Naturkundemuseum Karlsruhe betreut Dr. Robert Trusch eine der größten Schmetterlingssammlungen Deutschlands. Seit mehreren Jahrzehnten betreibt der Entomologe Feldforschung an heimischen Faltern. In der Zeitspanne seines Berufslebens hat Trusch zwei erschreckende Trends beobachtet:

  • Die Anzahl der Tag- und Nachtfalter ist stark zurück gegangen. Es gibt weniger Individuen. Die Biomasse an Insekten schwindet.
  • Man findet immer weniger unterschiedliche Arten. Die Artenvielfalt geht zurück.

Insektensterben ist nichts Neues

Blaue Schmetterlinge aufgenadelt in einem Schaukasten
Der Osiris-Bläuling wurde 1929 das letzte Mal in Baden-Württemberg gefunden. | Bild: SWR

Dabei ist das Insektensterben für Experten wie Trusch gar kein neues Phänomen. Ein Blick in die Sammlung des Karlsruher Naturkundemuseums verrät, dass manche Falterarten, die im 19. Jahrhundert noch regelmäßig gefunden wurden, schon seit den 1930er-Jahren keinem Sammler mehr ins Netz gegangen sind. Auffällig ist, wie viele Arten in den 1950er und 1960er Jahren verschwanden. Und der Trend geht bis heute weiter. Besonders solche Falter, die auf ganz bestimmte Habitate oder spezielle Futterpflanzen angewiesen sind, stehen auf der Roten Liste vom Aussterben bedrohter Arten oder sind bereits ausgestorben.

Was sind die Ursachen des Artenrückgangs?

„Augsburger Bär“ – eine ausgestorbene Schmetterlingsart - als Präparat in einer Sammlung.
Der Augsburger Bär ist in den 2000er-Jahren verschwunden. | Bild: SWR

Der zeitliche Zusammenhang zwischen dem Beginn des Schmetterlingssterbens und der Industrialisierung der Landwirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg ist offensichtlich. Damals begann man damit kleine Äcker zu großen Feldern zusammenzulegen, chemische Schädlingsbekämpfungsmittel und Kunstdünger kamen immer mehr zum Einsatz. Durch Maschinen wurde die Bewirtschaftung auch immer effizienter, es blieb kaum noch "Unkraut" stehen. Oberflächenversiegelung, Städtebau, Flussbegradigungen, Moor-Trockenlegungen und ganz allgemein die Zerstörung der unterschiedlichsten Habitate taten – und tun noch heute – ein Übriges. Dr. Trusch hofft, dass die Gesellschaft als Ganzes beschließt, diesen Trend umzukehren, dass es gelingt Landwirtschaft, Industrie, Städte- und Straßenbau zu mehr Umweltverträglichkeit zu verpflichten – aber für einige Schmetterlingsarten kommt schon jetzt jede Hilfe zu spät.

Autor: Dirk Neumann (SWR)

Stand: 05.10.2018 11:10 Uhr

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Sa, 06.10.18 | 16:00 Uhr
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Bayerischer Rundfunk
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