SENDETERMIN Sa., 02.09.17 | 16:00 Uhr | Das Erste

Seilbahnbau der Rekorde – die neue Eibseebahn zur Zugspitze

PlayBaustelle auf dem Gipfel der Zugspitze
Seilbahnbau der Rekorde – die neue Eibseebahn zur Zugspitze | Video verfügbar bis 02.09.2022 | Bild: BR

Zum letzten Mal fuhr die Eibseebahn am 2. April 2017 auf den Gipfel der Zugspitze. Fast 50 Jahre nach ihrer ersten Fahrt hat Deutschlands berühmteste Seilbahn ausgedient. Seitdem arbeitet man auf der bundesweit höchsten Baustelle an dem 50 Millionen Euro teuren Neubau, im Dezember sollen moderne Panoramagondeln zum ersten Mal die neue Bergstation auf 2.943 Metern Höhe erreichen. Mit einem Fassungsvermögen von 120 Passagieren möchte der Betreiber, die Bayerische Zugspitzbahn AG, auch die Wartezeiten erheblich verkürzen. Für die Seilbahnbauer ist die Bahn eine einzigartige Herausforderung: Gleich drei Weltrekorde wird die neue Zugspitzseilbahn aufstellen.

Eibseebahn: Schon immer eine Strecke der Rekorde

Die Eröffnungsfahrt der alten Eibseebahn 1962.
Schon die erste Seilbahn auf die Zugspitze war eine technische Herausforderung.  | Bild: BR

Schon der Bau der ersten Eibseebahn 1962 war eine technische Meisterleistung: Fast 2.000 Meter Höhenunterschied mussten in einem einzigen Streckenabschnitt überwunden werden – bis heute ein ungebrochener Weltrekord. Doch schon die Eröffnungsfahrt endete mit einem Zwischenfall: Durch einen Bremsfehler überschlugen sich Zug- und Tragseil, die Gondel musste langsam zu Tal gelassen werden. Zwei Wochen später hob nachts ein Orkan sogar das Tragseil aus der Verankerung - es stürzte ab. Zusätzliche Sicherungen wurden eingebaut, die Probleme konnten behoben werden. Einige Monate später nahm die Bahn ihren Betrieb auf und fuhr ohne größere Zwischenfälle bis zum Frühjahr 2017.

Am stählernen Faden

Herstellung des neuen Tragseils in einem Schweizer Fachbetrieb.
Das neue 72 Millimeter starke Tragseil der Zugspitzbahn soll fast 700 Tonnen Gewicht tragen können. Jeweils zwei davon werden die Gondeln halten. | Bild: BR

Kernstück der neuen Seilbahn ist das Seil, an dem das Leben der Seilbahnpassagiere hängt. In einem Spezialbetrieb in der Schweiz werden insgesamt 5,5 Millionen Meter Stahldraht zu einem 4.900 Meter langem Seil versponnen. Die Anforderungen an solche Konstruktionen sind enorm: Zwar sind Seilbrüche extrem selten, und nur bei älteren Bahnen dokumentiert, doch es können durchaus auch unerwartete Einflüsse von außen zur Katastrophe führen. So kappte ein US-amerikanisches Kampfflugzeug bei einer illegalen Tiefflugübung im Jahr 1998 das Tragseil einer Luftseilbahn im italienischen Ort Cavalese, 20 Menschen stürzten in den Tod. Es war bereits das zweite verheerende Unglück dieser Art, bei dem ein Seilbahnseil durch ein Militärflugzeug durchtrennt wurde.

Doppeltes Seil und jede Menge Reserve

Bei der neuen Zugspitzbahn gehen die Konstrukteure auf Nummer sicher: Jeweils zwei Tragseile mit einer maximalen Bruchlast von fast 700 Tonnen werden die Gondeln sicher über den schwindelerregenden Abgrund gleiten lassen. So können Sicherheitsreserven geschaffen werden, jedes einzelne von ihnen hält das vierfache der vorgeschriebenen Mindesttraglast aus. Mit einer Stärke von 72 Millimetern sind sie auch deutlich dicker als die alten Tragseile der Bahn mit 46 Millimeter Durchmesser, und sollen nach Herstellerangaben mindestens 50 Jahre halten. Solche Haltbarkeitsangaben sind keineswegs übertrieben: So wird das alte Tragseil der Eibseebahn nicht verschrottet, sondern zukünftig in einer Lastenseilbahn eingesetzt.

Der lange Weg zum Gipfel

Stütze für die Eibseebahn
Die neue, 127 Meter hohe Stütze soll die älteren kleinen Stützen ersetzen.  | Bild: BR

Das neue Seil vom Werk bis auf den Gipfel der Zugspitze zu bringen, ist für die Seilbahnbauer die größte Herausforderung. Auf zwei aneinandergekoppelten Lkw wird das 150 Tonnen schwere Seil zunächst nach Eibsee gebracht – schon das ist ein gewaltiger Kraftakt. Auf den Gipfel wird es dann anschließend mithilfe der alten Tragseile und einer Hochleistungswinde gezogen. Nach einem Kilometer wartet bereits die erste große Hürde: Das Seil muss über die neue, 127 Meter hohe Sattelstütze gefädelt werden, die die beiden vorhandenen älteren Stützen ersetzen wird – es ist die höchste Seilbahnstütze der Welt. Dann folgt die Strecke bis zum Gipfel, hier gibt es gleich einen doppelten Weltrekord zu meistern. Einen Höhenunterschied 1.950 Metern und eine freitragende Strecke von 3.200 Metern. Am 24. Juni 2017 ist es geschafft -  das erste der vier Tragseile erreicht den Gipfel.

Autor: Frank Bäumer (BR)

Stand: 01.09.2017 23:21 Uhr

Sendetermin

Sa., 02.09.17 | 16:00 Uhr
Das Erste

Produktion

Bayerischer Rundfunk
für
DasErste