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Deutschlands höchste Brücke - fit für die Zukunft?!

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Deutschlands höchste Brücke - fit für die Zukunft?! | Video verfügbar bis 29.03.2019 | Bild: WDR
Kochertalbrücke, darunter ist das Ulmer Münster montiert (Grafikbearbeitung)
Die Kochertalbrücke ist mit 185 Metern 20 Meter höher als das Ulmer Münster. | Bild: WDR

185 Meter misst die Kochertalbrücke vom Erdboden bis zur Fahrbahndecke - sie ist damit die höchste Brücke Deutschlands. Den höchsten Kirchturm der Welt, das Ulmer Münster, überragt sie um 20 Meter. Die Brücke ist nicht nur Deutschlands höchste Brücke, sondern auch eine der wichtigsten. Sie ist Teil der A6, und damit Teil der direkten Verbindung zwischen Paris und Prag. 50.000 Fahrzeuge donnern täglich über die Brücke, vor allem Lastwagen nutzen die Ost-West-Verbindung. Eine solche Belastung hinterlässt Spuren! Nach 35 Jahren muss die Brücke dringend saniert werden und soll auch gleich, im Rahmen des geplanten Gesamtausbaus der A6, für den Ausbau auf sechs Spuren vorbereitet werden.

Solide Brückenarchitektur hilft den Sanierern

Bröckelnder Asphaltstreifen im Vordergrund, Laster saust dahinter vorbei.
Täglich 50.000 Fahrzeuge hinterlassen Spuren. | Bild: WDR

Dabei kommt den Ingenieuren die besondere Bauweise der Kochertalbrücke zugute. Als sie 1977 errichtet wurde, war sie eine Innovation. Sie wurde als eine der ersten Brücken dieser Größenordnung mit Spannbeton gebaut, einem Gemisch aus viel Beton und noch mehr Stahlstangen. Der großzügige Materialeinsatz war damals notwendig, um die weiten Abstände von über 130 Metern zwischen den Stützpfeilern zu überbrücken. Heute zahlt sich das aus. So muss die Brücke nur ein wenig verstärkt werden und kann relativ einfach von vier auf sechs Spuren erweitert werden. Wie aber saniert man eine Brücke, ohne sie für den Verkehr zu sperren?

Eine Vollsperrung wäre fatal

 Bauarbeiter mit Schubkarren voll Beton läuft auf abgesperrter Spur neben Lkw-Verkehr.
Saniert wird bei laufendem Verkehr. | Bild: WDR

Tausende von Lastwagen, die sich täglich auf den Landsträßchen durchs Kochertal und die dort liegenden Ortschaften schlängeln: Das ist eine Horror-Vorstellung für Anwohner wie Autofahrer. Komplett sperren kann man die Brücke nicht, daher wird bei laufendem Verkehr saniert. Morgens um 7.30 Uhr fangen die Bauarbeiter an. Sie müssen sich mit einer gesperrten Spur begnügen. Direkt neben ihnen rauschen die Autos vorbei. Für die Arbeiter auf der Brücke ist das keine angenehme Situation, Abgase und Lärm nerven. Eisige Temperaturen erschweren ihren Job in den Wintermonaten zusätzlich; und unterhalb von 5 Grad Celsius Außentemperatur lässt sich der Beton nicht mehr vernünftig verarbeiten.

Neue Stoßdämpfer für mehr Halt

Grafik der Lager
Um die Brücke zu verstärken, braucht sie vor allem neue Lager. | Bild: WDR

Vor allem die Lager, auf denen die Brücke ruht, müssen erneuert werden. Diese Art Stoßdämpfer zwischen Stützpfeiler und Brückenkörper sind durch 35 Jahre Lkw-Verkehr zerschlissen. Auf acht Lagern ruht die Konstruktion, jedes Lager misst zwei Meter im Durchmesser und wiegt neun Tonnen. Um nur einen dieser Stoßdämpfer auszutauschen, braucht es viel Technik und Geduld. Insgesamt 23 hydraulische Pressen werden rings um das Lager aufgestellt und drücken die Brücke an dieser Stelle einen Zentimeter nach oben, damit das alte Lager heraus- und das neue hineingeschoben werden kann. Sechs Wochen dauert der Austausch pro Lager.

Schwindelfrei muss hier jeder sein!

Arbeitsbühne und Gerüst hängen von außen am Geländer der Brücke
Die Gerüstbauer müssen sich und das Material gut sichern. | Bild: WDR

Manche Arbeiten lassen sich nur von außen erledigen, mit Hilfe von schnell auf- und abbaubaren Traggerüsten. Auf dem Traggerüst ist es im Winter besonders ungemütlich. Bei Minusgraden und ab Windstärke sechs werden die Arbeiten abgebrochen. Sichern ist Pflicht, alle arbeiten mit Klettergurt und müssen nicht nur sich selbst, sondern auch das Material gut sichern. Denn was fällt, fällt 200 Meter tief. Schließlich arbeiten die Bautrupps auf der höchsten Brücke Deutschlands. Läuft es gut, ist die Kochertalbrücke im Herbst 2015 fertig saniert - und fit für den Verkehr der Zukunft.

Autorinne: Sabina Maier / Anne Steinkamp (WDR)

Stand: 31.03.2014 10:47 Uhr