SENDETERMIN So, 02.02.14 | 17:00 Uhr

Die Tricks der Einbrecher

PlayW wie Wissen
Die Tricks der Einbrecher | Video verfügbar bis 01.02.2019 | Bild: Das Erste
Test-Einbrecher Frank Klopotowski mit einem Schraubenzieher
Frank Klopotowski kennt alle Tricks der Einbrecher | Bild: SWR

Frank Klopotowski hat einen ungewöhnlichen Beruf. Er ist Testeinbrecher. Er arbeitet in Europas größtem Testlabor für Einbruchsicherheit. Seine Versuche haben oft erschreckende Ergebnisse: Viele Fenster und Türen können Profis in wenigen Sekunden aufbrechen. Der bisherige Rekord von Frank Klopotowski: fünf Sekunden, bei einem Fenster. Diesen Rekord hat er während der [W] wie Wissen-Dreharbeiten sogar noch unterboten.

85 Prozent der Einbrecher werden nie gefasst

Einbruchsversuch am Fenster
Nicht einmal ein Viertel der Einbrecher wird gefasst | Bild: SWR

Einbrecher können sich in Deutschland ziemlich sicher fühlen - 85 Prozent der Täter werden nie gefasst. Bei den meisten Wohnungen benötigen Einbrecher nur Sekunden um reinzukommen. Dazu brauchen sie nicht einmal besonderes Werkzeug: In mehr als drei Viertel der Fälle reicht den Einbrechern ein ganz normaler Schraubenzieher, um Türen oder Fenster aufzubrechen.

Türöffnen mit Kreditkarten

Manchmal geht es sogar noch einfacher: Mit einer alten Kreditkarte oder einer ähnlichen Plastikkarte. Der Trick ist bekannt aus dem Tatort - leider funktioniert er wirklich. In nur fünf Sekunden öffnet Frank Klopotowski eine Tür mit der Plastikkarte - und zwar fast geräuschlos.

Ziehglocke, Schraubenzieher, Schließzylinder

Herausgebrochener Schließzylinder
Billige Schließzylindern lassen sich mit der sogenannten Ziehglocke einfach rausbrechen. | Bild: SWR

Doch auch abgeschlossene Türen sind für Einbrecher oft kein Hindernis. In Sekundenschnelle schaffen sie es Türen zu öffnen, etwa mit der sogenannten Ziehglocke. Zunächst dreht der Einbrecher eine Schraube aus zähem Stahl mitten in den Schließzylinder hinein - dort, wo man normalerweise von außen den Schlüssel in den Zylinder steckt. Sobald die Schraube fest im Zylinder sitzt, wird die Ziehglocke aufgesetzt. Sie zieht mit gewaltiger Kraft an der Schraube. Ergebnis: Oft bricht der Schließzylinder einfach aus der Tür. Der Einbrecher benötigt dann nur noch einen Schraubenzieher, um das Schloss zu öffnen.

Aber Einbrecher brauchen nicht immer Spezialwerkzeug: Ein ganz gewöhnlicher Schraubenzieher ist mit Abstand das häufigste Einbruchwerkzeug. Warum? Weil sich der Schraubenzieher bei der Flucht blitzschnell verstecken lässt, zum Beispiel im Ärmel. Und weil der Schraubenzieher für die meisten Einbrüche völlig ausreicht.

Einbruch in einer Sekunde

Aufgebrochene Haustür
Bei dieser Tür braucht der Testeinbrecher nur eine Sekunde. | Bild: SWR

Testeinbrecher Frank Klopotowski führt es vor. Das Testobjekt: eine fabrikneue Wohnungseingangstür, direkt aus dem Fachhandel. Sie wird mit zwei Umdrehungen abgeschlossen. Dennoch braucht Frank Klopotowski mit dem Schraubenzieher nur eine Sekunde, um die Tür aufzubrechen. Neue Rekordzeit für ihn: Kaum hat er den Schraubenzieher außen angesetzt, bricht schon der Türrahmen auseinander. Frank Klopotowski ist nur mäßig überrascht über das Ergebnis. Er warnt: "Es war eine Standard-Wohnungseingangstür. Wir haben schon viele davon geprüft, und die haben immer ähnliche Ergebnisse. Die sind nur aus Press-Span und die Schließbleche sind mit drei kleinen Schrauben in den Press-Span eingeschraubt. So etwas kann gegen einen Einbrecher nicht halten."

Einstieg durchs Fenster

Auch an einem Fenster demonstriert Frank Klopotowski, wie wenig die Standardware schützt. Das Fenster ist ebenfalls fabrikneu, diesmal aus dem Baumarkt. Ein Schraubenzieher reicht: Schon nach vier Sekunden bricht die untere Hälfte auf. Insgesamt braucht der Test-Einbrecher nur 29 Sekunden, um das Fenster zu öffnen. Er hatte vorher sogar mit deutlich weniger gerechnet, denn meist ist er schneller.

Besonders alarmierend: Ein Einbruch ist nicht einmal laut. [W] wie Wissen hat im Labor nachgemessen: Selten sind Einbrüche lauter als 80 Dezibel. Das ist ungefähr die Lautstärke eines vorbeifahrenden Autos. Selbst direkte Nachbarn hören meist nichts, egal ob ein Fenster oder eine Tür aufgebrochen wird.

Ein Querriegel an einer Haustüre
Querriegel lassen sich nachträglich montieren und schützen sehr wirkungsvoll vor Einbrüchen | Bild: SWR

Wenige Minuten können aber entscheidend sein; denn die Polizeistatistik zeigt: Wenn ein Täter nicht innerhalb von zwei bis fünf Minuten reinkommt, gibt er auf. Und das passiert nicht gerade selten: Inzwischen wird die Hälfte aller Einbruchversuche abgebrochen. Denn die Deutschen schützen ihre Wohnungen und Häuser immer besser gegen Einbrüche.

Autor: Malte Heynen (SWR)

Tipps und Techniken, um sich vor Einbrechern zu schützen

1. Türen immer mit dem Schlüssel abschließen und zwar mit zwei Umdrehungen, egal, ob man sich schlafen legt oder nur kurz das Haus verlässt.

2. Ein besserer Schließzylinder aus besonders gehärtetem Stahl hilft gegen Ziehglocken. Hat man ihn eingebaut, kann man den Zylinder nicht mehr aus der Tür brechen.

3. Niemals Standardware kaufen, sondern immer Türen, Fenster und Schlösser, die als einbruchhemmend ausgezeichnet sind.

4. Türen mit einem Querriegel sichern. Das ist ein Metallbügel, der innen von der linken Seite des Rahmens bis zur rechten verläuft. Der Querriegel lässt sich bei den meisten Türen nachträglich einbauen. Mit überraschendem Ergebnis: Wo der Einbrecher vorher nur wenige Sekunden braucht, hält die Tür jetzt viele Minuten stand.

5. Ähnlich ist es bei Fenstern: Man kann sie nachträglich mit kleinen Zusatzschlössern sichern. Sie halten dann nicht nur einige Sekunden stand, sondern viele Minuten.

Stand: 02.02.2014 20:28 Uhr