SENDETERMIN So, 03.11.13 | 17:00 Uhr

Klar zur (Energie-)Wende - Rückenwind für Frachtsegler

Mehr als 90 Prozent des weltweiten Frachtaufkommens wird über die Meere transportiert. Meist auf schwerölbetriebenen Containerschiffen mit entsprechenden Nachteilen: Die Emissionen belasten das Ökosystem und es entstehen große Mengen des schädlichen Klimagases CO₂. Ein Ausweg könnten sogenannte Ecoliner sein. Das sind Hybridschiffe, die sowohl segeln, als auch mit Motorkraft fahren können. Ist ein weltweiter emissionsfreier Warentransport eine realistische Zukunftsidee?

Der Frachtsegler "Tres Hombres"
Der Frachtsegler "Tres Hombres" transportiert Waren über den Atlantik. | Bild: SWR

Andreas Lackner, Jorne Langelaan und Arjen Vanderveen sind überzeugt, dass es gelingen müsste, ausschließlich mit der Kraft des Windes Fracht über den Atlantik zu transportieren - ohne Einsatz und Verbrennung fossiler Energien. Die Motivation der drei jungen Männer ist klar: Sie wollen ein Signal setzen für eine Schifffahrt, die lediglich den Wind als Energie nutzt und damit umweltschädliche Emissionen und Klimagase reduziert, beziehungsweise ganz vermeidet. Zusammen kauften die drei ein altes Schiff, bauten es zum Segelfrachter um und tauften es "Tres Hombres"- übersetzt: drei Männer. Die Initiative Fairtransport war entstanden. Es ist mittlerweile ein Unternehmen, das zehn Personen beschäftigt und regelmäßig Fracht über den Atlantik transportiert.

Der Frachtsegler der Zukunft

Computeranimation des Ecoliners
Der Ecoliner - ein 8.000-Tonnen-Frachtsegler. | Bild: SWR, Februarfilm

Inzwischen plant Kapitän Andreas Lackner den nächsten Schritt. Er möchte den Frachtsegler der Zukunft bauen. Mit dieser Idee hat er die Schiffs-Architekten der Firma Dykstra Naval Architects in Amsterdam angesteckt. Hier konstruieren Experten ein Hybrid-Schiff: den Ecoliner mit Motor und Segel. Kernstück des 8.000-Tonnen-Frachtseglers wird das Dyna-Rigg. Ein automatisches Segelsystem, das der Ingenieur Wilhelm Prölls in den 1960er-Jahren entwickelt hat. Das Dyna-Rigg ist eine Weiterentwicklung der alten Windjammertechnik. Aber anders als bei den Frachtseglern der Vergangenheit müssen die Segel nicht mehr von einer großen Mannschaft bedient werden. Das Dyna-Rigg funktioniert vollautomatisch und lässt sich von einer Person bedienen. Die Segel werden per Knopfdruck aus- und eingerollt und können viel präziser und schneller gesteuert werden.

Vor zehn Jahren haben die Konstrukteure das vollautomatische Rigg bei der Luxusyacht "Maltese Falcon" eingebaut. Seitdem fährt die 88 Meter lange Superyacht vorwiegende mit Windkraft über die Meere und liefert den Schiffsarchitekten wertvolle Daten.

Parallel zum Ecoliner entwickeln Schiffs-Experten ein Routingprogramm. Dieses Navigationssystem errechnet die günstigste oder schnellste Route für den Ecoliner und zeigt gleichzeitig an, wie viel Treibstoff gespart wird.

Der britische Frachtsegler B9

Ein Modell des Segelfrachters B9-Ship in künstlichem Wind
Test des B9-Ship im Windkanal an der Universität Southampton. | Bild: SWR, Februarfilm

In England wird ebenfalls ein Frachtsegler mit dem Dyna-Rigg gebaut. Das 3.000-Tonnen Frachtschiff B9-Ship ist um ein Drittel kleiner als der Ecoliner, hat drei Masten und soll vor allem vor den Küsten fahren. Das B9-Ship wird mit einem speziellen Rolls-Royce-Motor ausgestattet, der mit Biogas betrieben wird. Im Windkanal der Universität Southampton lässt die Ökonomin Diane Gilpin anhand eines Modellschiffs testen, wie sich unterschiedliche Materialien auf das Fahrverhalten auswirken. Dreibeinige Stahlmasten beispielsweise sind günstiger in der Anschaffung, machen das Schiff aber langsamer. Carbonmasten sind teurer, aber günstiger im Unterhalt und durch das geringere Gewicht wird das Schiff schneller. Diane Gilpin rechnet für das B9-Ship mit einer Bauzeit von knapp drei Jahren.

Egal, wer das Rennen macht - vielleicht kreuzen schon bald moderne Windjammer über die Meere!

Autorin: Monika Kovacsics (SWR)

Rigg:
Das Rigg ist die Takelage eines Segelschiffs. Dazu gehören Segel, Mast, Mastfuß und Gabelbaum.

Stand: 04.11.2013 09:05 Uhr