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Regen im Norden und Sonne im Süden? Von wegen!

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Regen im Norden und Sonne im Süden? Von wegen! | Video verfügbar bis 10.05.2019 | Bild: WDR
Hamburger Hafen liegt im Regen.
Typisch? Regenwetter in Hamburg.  | Bild: NDR

Der Regen in Deutschland - hier gibt es einige weit verbreitete Irrtümer. Hamburg gilt als das Regenloch der Nation. Bayern hingegen soll sich am mediterranen Klima erfreuen. So glauben es viele. Aber das stimmt nicht. Hamburg hat mit gerade einmal 133 Regentagen 40 Regentage weniger als München. Und im Jahresschnitt fällt in Hamburg auch viel weniger Niederschlag. 763 Liter fallen dort pro Quadratmeter. In München sind es mit 971 Litern sehr viel mehr. Wenn es in München regnet oder schneit, dann richtig. Mit einem Guss kommt hier sehr viel mehr Wasser vom Himmel als im Norden. Der Volksglauben vom schlechten Wetter in Hamburg kann also nichts mit dem Regen zu tun haben.

Wolken über Hamburg

Sonnenuntergang auf Usedom.
Die sonnigsten Orte Deutschlands liegen nicht im Süden, sondern im Norden.  | Bild: NDR

Das Wetter in Hamburg untersteht einem maritimen Einfluss. Die Wolken, die das Meer mitbringt, verdecken die Sonne über Hamburg. Das sorgt auch insgesamt für weniger Sonnenstunden. Nur 1538 Stunden scheint hier die Sonne im Jahr. 161 Stunden weniger als in München. Der Hamburger Himmel ist also ziemlich oft grau und bewölkt. Das Sinnbild für das typische Hamburger Wetter. Doch so sieht es nicht in ganz Norddeutschland aus: Usedom stellt den deutschen Sonnenrekord auf. Hier scheint die Sonne nochmal 200 Stunden mehr als in München.

Regen in Süddeutschland

Um die Aplen zu überqueren, müssen sich die Wolken erst abregnen.
Die Alpen sind schuld am Regen in Süddeutschland. | Bild: NDR

Der meiste Niederschlag fällt übrigens in Balderschwang im Allgäu. Im Durchschnitt fallen hier stolze 2450 Liter pro Quadratmeter im Jahr. Das ist Deutschlandrekord. Schuld sind die Alpen. Die feuchte Luft, die vom Nordostatlantik her weht, prallt gegen die Felswand. Immer mehr feuchte Luft staut sich an. Um die hohen Alpen zu überwinden, muss die Luft aufsteigen. Dafür ist sie aber zu schwer. Den Wolken bleibt nichts anderes übrig, als das überschüssige Wasser loszuwerden. Es regnet. Der Regen trifft auch München und den ganzen süddeutschen Raum. Deshalb regnet es hier auch mehr als in anderen Regionen in Deutschland. In Berlin regnet es in einem Jahr nur halb so viel wie in Freiburg. Doch am wenigsten regnet es in Quedlinburg. Nur 432 Liter fallen hier im Jahr. Das ist nur ein Viertel der Regenmenge von Balderschwang. Schuld daran ist der Harz. Er wirkt wie die Alpen. Er bremst die feuchte Luft ab. Die Wolken haben sich bereits abgeregnet, wenn sie Quedlinburg erreicht haben. Aber auch noch andere deutsche Orte haben einen Regenrekord vorzuweisen. In Barth an der Ostsee und in Lindenberg in Brandenburg gab es einen Monat lang überhaupt keinen Niederschlag. Kein einziger Tropfen fiel zu Boden.

Regen in Norddeutschland und Sonne satt in Süddeutschland? Von diesen Wettermythen können wir uns getrost verabschieden. Wenn der Hamburger genug vom grauen, wolkenbedeckten Himmel hat, muss er nur an die Ostsee fahren, um sich an den Sonnenstrahlen zu erfreuen.

Autorin: Annika Erbach (SWR)

Stand: 08.01.2015 10:25 Uhr