SENDETERMIN So, 25.08.13 | 17:00 Uhr | Das Erste

Der erste Krieg - Schlacht in der Bronzezeit

In der Erde sind viele Knochen zu sehen
Tausende Knochen haben die Forscher gefunden. | Bild: NDR

Archäologen graben zurzeit im Tollensetal das älteste Schlachtfeld Europas aus, die wohl spannendste Grabung Deutschlands. Der Fluss Tollense entspringt dem Tollensesee bei Neubrandenburg und mündet in die Peene. 1995 fand der Hobbyarchäologe Dieter Borwardt den ersten Knochen in der Uferböschung nahe Altentreptow. Kurz darauf entdeckte sein Sohn Ronald einen Oberarmknochen, in dem noch eine Flintsteinpfeilspitze steckte sowie zwei Holzkeulen. Der Erhaltungszustand ist aufgrund der feuchten Bodenbedingungen hervorragend. Auch ist der Kombinationsfund von Waffen und dazugehörigen Knochen mit Verletzungen sensationell.

Die erste Armee

Eine Pfeilspitze
Pfeil und Bogen wurden in der Bronzezeit nicht nur zum Jagen eingesetzt. | Bild: NDR

Archäologen der Universität Greifswald und ehrenamtliche Helfer haben bisher rund 7.000 Menschenknochen geborgen. Anthropologen konnten die Gebeine mittlerweile 111 Individuen zuordnen. Radiocarbon-Untersuchungen datieren sie auf ein Alter von 3250 Jahren. Überwiegend stammen die Knochen von jungen Männern im Alter von 20 bis 40 Jahren, zumeist unter 30, damit also von Männern im besten wehrfähigen Alter.

Auch bei aktuellen Ausgrabungen finden die Archäologen der Universität Greifswald erneut zahlreiche Oberschenkelknochenl, Zähne und eingeschlagene Schäde - vor allem von jungen Männern. Für Projektleiter Professor Thomas Terberger sind sie herausragende Funde der Bronzezeit. Sie dokumentieren die Anfänge des organisierten Krieges: Die Kämpfer waren noch nicht professionalisiert. Zwar nutzten sie Nahkampfwaffen wie Pfeil und Bogen, aber Defensivwaffen wie Schilde konnten die Archäologen bisher nicht finden. Anderseits muss es sich um einen überregionalen Konflikt gehandelt haben, denn der Archäologe vermutet, dass hier über 1.000 Menschen zu Tode gekommen sind. Das lässt darauf schließen, dass mindestens 5.000 Menschen an den Kämpfen beteiligt gewesen sein müssen. Und das in einer Region, in der damals nur fünf Menschen pro Quadratkilometer lebten.

Schatzregal:
Wer beispielsweise im eigenen Garten alte römische Münzen findet, sollte sich erkundigen, ob der Fund oder "Schatz" nicht unter die Bestimmungen des Denkmalschutzgesetzes fällt und damit ins "Schatzregal" des jeweiligen Bundeslandes gehört. Das Schatzregal ist die rechtliche Regelung nach der ein wertvoller Fund Eigentum des jeweiligen Bundeslandes ist. Seit Juli 2013 gibt es auch in Nordrhein-Westfalen diese Regelung. Damit müssen in 15 von 16 Bundesländern ausgegrabene Fundstücke von Bedeutung abgegeben werden. Die einzige Ausnahme ist nach wie vor Bayern. Der Begriff "Schatz" wird aber in den Bundesländern unterschiedlich definiert. Also: Nicht jede Münze oder Vase ist gleich ein Schatz.

Woher kamen die Kämpfer?

Zwei Männer kämpfen gegeneinander (nachgestellte Szene)
Es war wohl der erste geplante Krieg der Bronzezeit | Bild: NDR

Bisher ist erst ein Fünftel des Tollenseetals mit Erdbohrungen, Sonden und dem Spaten abgesucht worden. Auch Taucher sind im Einsatz. 2012 entdeckten sie die Überreste einer alten Holzbrücke. Von dieser Brücke flussabwärts verteilen sich alle Funde auf einer Länge von drei Kilometern. Auch Gold und Zinn fanden die Taucher.

Durch die Analyse der Knochen wissen die Forscher auch, was die Menschen damals aßen: Hirse. Weil dieses Getreide aber im Norden noch nicht verbreitet war, glauben die Archäologen, dass die Einheimischen damals auf ein Heer aus dem Süden trafen. Die Neuankömmlinge waren gut gerüstet: Die Archäologen fanden zahlreiche Pfeil- und Lanzenspitzen aus Bronze.

Warum Krieg?

Doch worum wurde gekämpft? Ging es um eine Handelsroute zur Ostsee, zur reichen Bernsteinküste? Oder war es die Suche nach neuem Siedlungsraum? Eigentlich, so die bisherige Meinung der Historiker, gab es in der Bronzezeit wenig, um das es sich zu kämpfen lohnte. Das Land war dünn besiedelt und neue Werkzeuge aus Bronze vereinfachten die Ernte und auch die Jagd. Die Menschen häuften Besitz an. Die Bronzezeit wird deswegen auch das goldene Zeitalter genannt. Aber es bildeten sich auch die ersten Eliten: Ein Mann konnte jetzt dem anderen befehlen. Die Funde im Tollensetal belegen diese sozialen Veränderungen in der Gesellschaft zu einem frühen Zeitpunkt. Das goldene Zeitalter - es war schon ein blutiges. Im Tollensetal beginnt der geplante Krieg - mit Holzkeule, Pfeil und Speer.

Unter Mitwirkung des Fördervereins Archäologisch-ökologisches Zentrum Albersdorf

Autor: Georg Beinlich (NDR)

Stand: 29.08.2013 10:40 Uhr