SENDETERMIN Sa, 11.10.14 | 16:00 Uhr | Das Erste

Salz für Wildtiere

Rotwild auf Wiese beim Wiederkäuen
Heißhunger auf Salz: Pflanzenfresser wie Rothirsche  | Bild: BR

Das berühmte Salz in der Suppe ist nicht nur für uns Menschen überlebenswichtig, sondern auch für die meisten Tiere, denn sie benötigen genauso wie wir Natrium für die Funktion von Nerven und Muskeln, zur Regulation ihres Wasserhaushalts und für den gesamten Stoffwechsel. Während Raubtiere über ihre Hauptnahrung Fleisch und Blut genügend Natrium zu sich nehmen, müssen Pflanzenfresser nach zusätzlichem Salz suchen, um ihren Bedarf zu decken, etwa an mineralhaltigen Steinen oder Quellen. Doch natürliche Salzvorkommen sind in unserer flurbereinigten Landschaft selten geworden. Für viele Wildtiere ist das ein Problem.

Pflanzenfresser: Süchtig nach Salz

Wildschwein an Salzlecke im Wald
Wildschwein stillt Salzhunger. | Bild: picture-alliance/dpa

Wo einmal natriumreiche Wildkräuterwiesen standen, wachsen in unserer heutigen Kulturlandschaft vorwiegend Nutzpflanzen wie Hochleistungsgerste, Raps oder Mais. Sie sind auf hohen Ertrag hin gezüchtet und enthalten so gut wie kein Natrium mehr. Doch wenn natürliche Salzspender fehlen, drohen Mangelerscheinungen bei den Wildtieren. Förster und Jäger stellen deshalb im Wald gezielt Salzlecken auf, an denen die Wildtiere ihren Natriumbedarf stillen können. Meist nehmen sie dafür Lecksteine aus Steinsalz, die auf einem Baumstumpf befestigt werden. Der Regen wäscht das Salz in kleinen Mengen den Stamm hinunter. So bekommen die Tiere keine "Überdosis". Wildschweine, Rehe, Rotwild, aber auch Hasen und Wildtauben sind geradezu verrückt nach diesen zusätzlichen Salzgaben. Natürlich könnten sie auch ohne Salzlecksteine überleben. Trotzdem helfen sie den Wildtieren, um zu bestimmten Zeiten Mangelerscheinungen vorzubeugen. Besonders ausgeprägt ist das Salzbedürfnis etwa während der Aufzucht der Jungen. Denn die Muttertiere verlieren große Mengen Natrium über die Milch und müssen ihren Salzhaushalt wieder auffüllen. Auch beim Haarwechsel im Frühjahr und Herbst verlangt der Stoffwechsel nach größeren Mengen Salz. Den Salzhunger der Wildtiere machen sich die Jäger im Wald zu Nutze, um Tiere für die Jagd anzulocken. Auf diese Weise lassen sich sogar ganze Reviere steuern.

Hoher Salzbedarf bei Milchkühen

Milchkuh wird von Landwirt mit Salzschüssel angelockt.
Salz: Lockmittel für Milchkühe  | Bild: BR

Doch nicht nur Wildtiere gelüstet es nach Salzigem. Auch auf dem Mittagstisch unserer Nutztiere darf Salz nicht fehlen. Vor allem wenn sie täglich literweise Milch liefern sollen. Bis zu 50 Gramm Natrium in Form von Viehsalz benötigt eine leistungsfähige Milchkuh pro Tag. Wie Kochsalz, das im Haushalt verwendet wird, besteht auch das Viehsalz chemisch gesehen aus Natriumchlorid. Meist sind schon einige Prisen dem Kraftfutter beigemischt. Damit die Kühe gesund bleiben, empfehlen Tierernährungsforscher zusätzliche Salzlecksteine auf der Weide oder im Stall aufzustellen oder das Salz in loser Form über das Futter zu geben. So gleichen sie den individuellen Bedarf der Kühe aus., denn mit jedem Liter Milch scheidet die Kuh ein halbes Gramm Natrium aus. Je mehr Milch eine Kuh gibt, desto mehr Natrium benötigt sie. Der Hunger nach Salz kommt also nicht von ungefähr. Er ist überlebenswichtig. So kann ein Mangel bei den Tieren zu Muskelzittern und Gangstörungen und letztlich auch zu einem Rückgang der Milchleistung führen.

Insekten fliegen auf Salz

Schmetterling sitzt auf Banane und saugt Zucker und Mineralien
Mineraliensuche an verfaultem Obst | Bild: BR

Erst in letzter Zeit haben Forscher herausgefunden, dass auch im Reich der Insekten viele nicht auf die salzige Zwischenmahlzeit verzichten können. Insekten benötigen wegen ihrer geringen Größe zwar nur winzige Mengen, doch ihr Stoffwechsel ist genauso auf Natrium-Ionen angewiesen. Das gilt auch für die nervigen Untermieter der Kühe - die Stallfliegen. Sie holen sich das Salz aus der Tränenflüssigkeit der Kühe. Mit Hilfe ihrer mikroskopisch kleinen Zähnchen, die sich auf dem Saugrüssel befinden, verletzen die Fliegen ihre Wirtstiere an den Augen und regen so den Tränenfluss an.

Doch nicht nur Fliegen, selbst Naschkatzen wie nektartrinkende Schmetterlinge stehen von Zeit zu Zeit auf Salz. Sie nehmen es entweder an salzhaltige Wasserstellen auf oder saugen es mit ihrem Rüssel aus verfaulten Früchten, deren Saft neben Zucker auch wertvolle Mineralien enthält. Größere Mengen Salz sind auch im Urin und Kot von anderen Tieren zu finden - unverzichtbare Natriumquellen, gerade für Schmetterlinge in den Tropen mit ihren nährstoffarmen Böden und Gewässern.

Schmetterling sitzt am Auge eines Krokodils
Krokodils-Tränen als Salzquelle | Bild: picture-alliance/dpa

Eine spektakuläre Entdeckung haben Ökologen in Costa Rica gemacht: Hier laben sich Schmetterlinge regelmäßig an den Tränen eines Kaimans. Die Krokodils-Tränen enthalten nicht nur Mineralsalze, sondern auch Proteine - eine Art Energy-Drink für Insekten. Der Salzhunger der Tiere ist also keine reine Naschsucht, sondern eine clevere Überlebensstrategie der Natur.

Autor: Boris Geiger (BR)

Adressen:
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Institut für Tierernährung und Futterwirtschaft
Prof.-Dürrwaechter-Platz 3
85586 Poing
E-Mail:Tierernaehrung(at)LfL.bayern.de
Internet: www.lfl.bayern.de

Stand: 10.10.2014 11:53 Uhr

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